Freitag, 31. Dezember 2010

Sylvester!

Also! Ich mogel mich mal hier rein - weil nämlich Susanne grad von der Jahresendträgheit erfasst wurde. Jetzt mal ehrlich, sie schläft und hängt hier rum - ich bin das einzige, was sie zustande gebracht hat. So eine Faulenzerei!

Deshalb komm ich hier vorbei und wünsch Euch einen superguten Rutsch ins Jahr 2011!
Seid gut gelaunt und fröhlich. Das junge Jahr is ja gleich noch soooooooooooo klein. Das muss man dann einfach anlächeln, sonst fürchtet es sich vielleicht - und das will ja wohl keiner!
Herzlichen Sylvestergruß von
Euerem Schweinchen Glück!

Freitag, 24. Dezember 2010

Vierundzwanzig!
















Vielleicht

Vielleicht nur ein Augenaufschlag
ein Blick oder ein Lächeln
Vielleicht nur ein Wort
eine Frage oder ein Gespräch
Vielleicht nur eine Kleinigkeit
eine Entdeckung oder was Gemeinsames
Vielleicht nur ein Antippen
eine Berührung oder ein Streicheln
Vielleicht nur eine Geste
ein Verstehen oder sonst was, irgendwas
Vielleicht es ist nur ganz wenig
was einen Menschen glücklich macht.

Verfasser unbekannt

Es war ein winziger Stall und nicht mehr und nicht weniger als eine Geburt. Und vielleicht ist es genau das, was uns glücklich macht! Ein kleiner Mensch, der die Welt bewegt. Irgendwo hab ich mal gelesen, dass jeder von uns mit seinem Leben die Welt ein kleinwenig besser machen sollte. Und wenn Weihnachten nicht mehr ist als die Erinnerung an diesen Gedanken, dann ist es mehr, viel mehr als alles Geld, aller Konsum, mehr als alles Streben nach dem großen Glück. Ich wünsch Euch allen in diesen Tagen einen Menschen, den ihr glücklich machen könnt, eine Idee, die Euch fröhlich macht und ein paar ruhige Stunden um dieses große Glück genießen zu können.

Gesegnete Weihnacht! 

Donnerstag, 23. Dezember 2010

Dreiundzwanzig!

So kurz vor dem Ziel ist die Erschöpfung nicht mehr zu verleugnen, die Schritte werden schwer und sie sehnen sich nur noch nach Ruhe, nach einer Bleibe für die Nacht. Bleiben können, zur Ruhe kommen, sich niederlassen können, Schlaf  finden, in vertrauter Umgebung aufwachen.
All das sind Lebensgeschenke, die nicht zu verachten sind - und schon lange keine Selbstverständlichkeit.
Ich denke gerade darüber nach, dass mein wunderbarer Ehemann so gerne segelt, weil - neben vielem Anderem - er das Ankommen in einem neuen Hafen so liebt, das auf ein neues Ziel zusteuern so aufregend findet.
 Und gerade beim Segeln wird es so klar, Ankunft ist immer auch der Beginn eines Abschieds, der Beginn eines neuen Weges. Wenn wir in urlaub fahren, dann kommen wir an, freuen uns sehr, machen uns mit der Umgebung vertraut - immer mit dem Gedanken im Hinterkopf, dass es ja bald wieder heimwärts geht.
Wie mag das wohl für Maria gewesen sein? Zu wissen, dass sie ankommt um die Ankunft eines kleinen Menschen vorzubereiten. Und all das in dem Wissen, dass sie nicht bleiben kann mit ihrem Kind.
Als meine erste Tochter (nach 10 Jahren des Wartens)  geboren wurde, da dachte ich, dass wir nun angekommen wären. Wir sind nun eine Familie, ich bin am Ziel.
Heute kann ich nur schmunzeln über so viel Naivität. Seit diesem Tag sind wir alle so oft angekommen und wieder weiter gereist. Und es hört nicht auf.
Wenn morgen das Weihnachtsfest beginnt, dann ist das das Ende der Adventszeit und dann? Egal was auch immer kommen mag - es wird Berechenbares sein und Unberechenbares, Vertrautes und Neues. Wie gut, dass wir immer wieder vertraute Eckpunkte haben, die uns helfen, die Orientierung zu behalten, Hä#fen die uns aufnehmen und einen Stall, in dem wir uns ausruhen können. Schiffe sind im Hafen am sichersten untergebracht - aber für den Hafen sind sie nicht gebaut worden.
 Nur noch einmal schlafen:-))))

Mittwoch, 22. Dezember 2010

Zweiundzwanzig!

Vielleicht ist es ja - zumindest nach den Worten der Weihnachtsgeschichte - noch ein wenig zu früh. Aber wir finden es wird Zeit für den Engel. Wir dachten schon immer, dass er die letzten Tage der Wanderschaft ganz besonders begleiten und beschützen sollte.

Ein Stern der leuchtet in der dunklen Nacht
und so wie dieser Stern dein Engel wacht.
Die Sterne am Himmel sind immer da -
nimmst du sie am Tage auch nicht wahr.
Deshalb sei dir der Engel bewußt:
Fühle die Nähe, erahne das Licht-
denn auch die Engel vergessen dich nicht.

- Anke Junginger - 
 Ich wünsch Euch allen, dass ihr ihn spürt - nicht nur zur Weihnachtszeit!

Einundzwanzig!

Irgendwie muss ich die wenigen Augenblicke´Ruhe nun nutzen, die mir bleiben. Ein Tochterkind mit einer heftigen Erkältung war ja noch nicht genug, nun hat sich die Ältere dazu gesellt und auch noch eine Bindehautentzündung entwickelt. *Seufzt* Was machen eigentlich so viele Menschen zwei Tage vor Weihnachten beim Augenarzt?
Da ich diese Frage nicht beantworten kann, wende ich mich lieber unseren Reisenden zu. Heute wartet hartes Brot auf das Heilige Paar. Josef hat sich zu einer schönen Herberge durchgefragt und nun das. Der Wirt weißt sie ab. Er hat keinen Platz mehr, sagt er. Wenn man abgewiesen wird, ist das Misstrauen schnell da. Wenn das Vertrauen auf die Lösung eines Problems, auf das Schicksal frustriert wird - dann ist da schnell die Idee, dass der andere ja nur nicht will - dass er mich nicht haben will, mir nicht helfen will - Zorn brandet auf - Rechthaberspiele beginnen und werden verloren. Und mit tiefsitzendem Zweifel ziehen wir von dannen. Selbstzweifel,Versagensgefühle, Zweifel an der Redlichkeit des anderen.
Und das Gegenüber? Es geht ihm auch nie gut. Jemanden abzuweisen ist schwer, auch wenn die Gründe auf der Hand liegen, auch wenn alles richtig scheint - Zurückweisung erfordert Kraft, Entschlossenheit - und die rechte klare Sprache für solche Gelegeheiten. Häufig findet aber Zurückweisung auf eine herablassende Art statt, wird gar, aus tiefer Unsicherheit heraus, mit bösen Worten vorgetragen. Schuldgefühle sind genauso wenig beglückend wie der Eindruck versagt zu haben. Ich hasse es, jemanden ab- oder zurückzuweisen. Ich weiß, ich tue demjenigen in irgend einer Form weh. Und ich fühle mich bei Ablehnung oder Zurückweisung ganz klein. Am meisten leide ich, wenn meine Kinder Ablehnung erfahren, dann werd ich oft zur Löwin und kann doch nichts an den Gefühlen der Beteiligten ändern.
In unserer Weihnachtsgeschichte doch bleibt die Zurückweisung, die Verweigerung ein Segen. Könnt ihr Euch den kleinen Jesus in einem Hotelzimmer mit Roomservice vorstellen? Ich glaube, niemand hätte an seiner Geburt etwas Besonderes bemerkt. Ein Stern über einem Hotel mit 200 Gästen - wäre wohl eher als Reklamegag interpretiert worden.
So war es schon ganz richtig. Vielleicht ist eine Zurückweisung auch immer ein Hinweis auf einen richtigeren Weg, auf eine neue, schicksalshafte Begegnung. Hoffentlich denke ich bei nächsten Mal rechtzeitig an unsere Reisenden!

Dienstag, 21. Dezember 2010

Zwanzig!

Nun ist der Heilige Abend schon zum Greifen nah - mir persönlich zu nah - und das Bild füllt sich von Tag zu Tag. Die Figuren werden gewichtiger, ihre Bedeutung erschließt sich dem Betrachter ohne große Erläuterung. Das liegt nicht daran, dass ich nun plötzlich mehr Sorgfalt in die Arbeit gelegt hätte, oder das eine besser könnte als das Andere. Es kommt daher, dass es bestimmte Elemente in der Bildersprache gibt, die die meisten sofort benennen können. Kleine Kinder stehen vor den Schafen und dem Mann mit dem Stab und sagen ohne nachzudenken: "Oh schau mal, ein Schäfer" oder " Mama, der Hirte steht da mit seinen Schafen". "Der gute Hirte" scheint ein wirklich archaisches Bild zu sein, und eigentlich ist das auch kein Wunder. Der Hirtenberuf ist älter als der des Bauern. Hirten leben mit den Tieren in der freien Natur. Sie begleiten weltweit Herdentiere bei ihrer Suche nach Futter. Diese Herden können unmöglich an einem Ort verharren, sie würden die Flora zerstören und dann verhungern. Also wandern sie. Der Hirte, Schäfer, Cowboy oder Gaucho schützt sie auf der Wanderung vor Feinden, führt sie auch auf den richtigen Weidegrund, erkennt giftige Pflanzen, er hält sie zusammen, sucht nach verlorenen Schafen, gibt dem Hütehund seine Anweisungen...! Und wie so oft erreicht man die Herzen der Menschen am schnellsten durch ein Bild, eine Metapher. Und so verbinden sich Alltagseindrücke, die positiv besetzt sind gerne mit großen Botschaften, dann erschließen sie sich uns leichter.
Wenn ich einen Hirten oder Schäfer erarbeite, dann hat er immer etwas von einem väterlichen, guten alten Freund. Dabei war Pan, der Hirtengott ganz schön frech und dreist - in vielerlei Hinsicht.
Vielleicht habt ihr gemerkt, dass die Schafe ganz ruhig geworden sind - sie fühlen sich behütet - kein Wunder.

Wir sind gerade leider etwas im Stress - TK2 hat sich eine böse Bronchitis eingefangen und es ist wegen des Wetters alles doppelt kompliziert. Hab ich das schon mal gesagt? Ne, wahrscheinlich eher nicht - aber ich mag einfach keine Einkaufstouren mit festem Plan. Es schafft Hektik, macht müde und ist selten so erfreulich, wie spontane "einfach mal so" Touren. Ich hätte bitte gerne noch eine Woche länger Advent.
Hoffentlich seid ihr entspannter.

Sonntag, 19. Dezember 2010

Neunzehn!

So ein kleiner Kerl soll der Hütehund sein? Und dazu ist er auch noch so zappelig und unruhig. Überall springt er herum. Na, das wird ja was werden.
Er nimmt seine Aufgabe sehr ernst, was die Schafe nicht so wirklich interessiert. Die fragen sich gerade, was dieses Gerenne wohl soll und lassen sich nicht aus der Ruhe bringen. Sie kennen ihn ja schon und wissen um seine Aufgabe, um seine Bedeutung - tja, das ist aber offensichtlich sein Problem. Wenn er meint, soll er doch rennen, schauen, beschützen, sich als Ordnungshüter verstehen - mach doch! Wenn er nur nicht so bellen würde. Und warum ist es so wichtig für ihn, dass sie alle zusammen bleiben?  Der muss doch auch mal schlafen. Aber nein, er rennt umher, scheucht jeden, der mal was eigenes machen will, wieder in die Herde zurück. Hund, bleib doch mal cool! Und ins Fernsehen bringt er uns mit dem Gewusel doch auch nicht. Das soll jetzt also eine Führungspersönlichkeit sein. Der hört ja nicht mal zu, wenn man mit ihm reden will - so von Schaf zu Hund. Immer kommt er mit seinen Vorschriften und betont, wie wichtig es ist, Regeln zu beachten, die richtige Richtung einzuschlagen.... Er würde ja, wenn er könnte - aber er darf eben nicht.
Es ist eben so eine Sache, wenn jemand eine Aufgabe übertragen bekommt, man ihm die Verantwortung überstülpt und ihn dann einfach alleine lässt. Da kann es dann schon mal sein, dass er die Sache übertreibt oder falsch oder zu wenig macht.
Wie merkwürdig, dass der, dessen Geburt wir in ein paar Tagen feiern, sich einerseits durchaus an Regel gehalten hat, aber sie hinterfragt, neu gedeutet und hier und da auch genau das getan hat, was damals nur er für richtig hielt. Wie oft habe ich mich gefragt, was uns Menschen dazu gebracht hat, diese großartigen Haltungen und Visionen in eine Institution zu zwängen, die eher die Hütehund-Rolle erfüllt als Glaubensinspiration und Kraftquelle zu sein. Und so ein williger Hütehund hat seine Rolle nur gelernt.
Wir könnten uns sehr wohl entscheiden, ob wir andere Menschen wieder "in die Reihe" zurücktreiben, wie Schafe in den Pferch - oder ob wir Raum lassen für eigene Wege und neue Erfahrungen. Ich träume davon, dass es eines Tages möglich ist, nicht bei jedem Ausscheren sofort zu bellen und gleich einen neuen Pferch zu bauen.

Achtzehn!


Also, wenn ihr ihn nicht erkennen würdet, den stolzen Widder, wenn ihr fragen würdet, wer ist denn das, dann wäre er ganz schön eingeschnappt - der selbsternannte Chef der Schafsherde. Eingeschnappt sind auch die Schafe. Das sind sie, weil hier nix über sie geschrieben wurde - obwohl sie sich so abgemüht hatten, ins Bild zu kommen. Und der Gipfel war jetzt wohl das Casting-Spezial-Foto von Herrn Widder. Das kleine graue Schaf, das schon ganz früh auf der Wiese vor dem Stall ankam, das ist regelrecht sauer mit mir.
"Da kommt so ein dahergelaufener Kerl vorbei und nur weil er Hörner hat bekommt er einen eigenen Artikel - ein eigenes Türchen. Nicht mit mir!"
Seitdem reden die Schafe nicht mehr mit mir und schon gar nicht mit dem Widder. Dabei mag ich diese Vorwitznasen so.  Irgend etwas muss passieren, schließlich ist morgen der 4. Advent. Da wäre Eintracht schon ganz nett. Ich könnte ja einen Wettbewerb ausrufen: "Wir suchen das schönste Schaf in der Herde!" und als Preis gibt es eine Extra-Portion Futter?!?

"Also nee - für ne Futterration stehen wir noch nicht mal auf!" sagt eines der Schafe ganz entrüstet.
Is ja schon gut, meine Lieben. Die Idee mit dem Wettbewerb war dann so eher nix. Vielleicht hätte ich sie mit einem Besuch beim Jesuskind locken sollen? Ich bin mir aber sicher, dass das sprichwörtliche "dumme" Schaf, gar nicht so dumm ist. Die wissen alle, dass sie das Christkind auch ohne mich zu Gesicht bekommen. Die wissen sicher auch, dass sie Pate stehen  werden für die grundlegenden Terminologie der Christenheit. Ich weiß zwar nicht, wieso diese kleinen "Empfindlichkeiten" angeblich so friedlich sind, aber sie haben es geschafft, uns allen über die Jahrtausende in denen sie unsere Haustiere sind, Sand in die Augen zu streuen. Macht nix, wir Menschen lassen uns ja nur zu gerne an der Nase herumführen - hauptsächlich wenn alle angeblich etwas so oder so sehen, dann siegt bei uns der Herdentrieb, und wir schwimmen lieber mit im Strom als gegen den Meinungszwang aufzubegehren. Grad frag ich mich, wer hier wohl wen domestiziert hat? Ihr sollte mal das graue Schaf grinsen sehn.
-Fortsetzung folgt:-))

Freitag, 17. Dezember 2010

Siebzehn!

Sie müssen nach dem Weg fragen. Sie sind ein wenig verwirrt, die vier Wanderer zur Krippe. Noch sind die Menschen, denen sie begegnen freundlich. Wer nach dem Weg fragt, der will nicht bleiben. Wer nach dem Weg fragt, der ist an einer Antwort interessiert - auch wenn diese dann manchmal mehr verwirrt als klärt. Das ist Euch sicherlich auch schon widerfahren. Da fragt man sich durch eine fremde Stadt und bekommt Hinweise, die sind so kompliziert, dass einem schwindelig wird. Und so viele Informationen kann man sich auf die Schnelle eh nicht merken. Also maschiert man erst einmal weiter, ohne genau zu wissen wohin, die Hauptsache man läuft. Im besten Fall nimmt ein Mensch einen an der Hand und führt uns bis zum Ziel - oder zu einer Stelle, von der aus man sich nicht mehr verlaufen kann. Eine gute Karte hilft auch manchmal, wenn man sie denn deuten kann.
Einen Moment im Leben verwirrt und orientierungslos zu sein macht sicher Angst. Wie geht es jetzt weiter, was soll ich tun, welcher Weg führt an ein lohnendes Ziel?
Wie auch immer. Verwirrung zwingt uns inne zu halten, uns zu besinnen, Wegweiser zu suchen. Wie wundervoll ist es dann, jemanden zu finden, der sich die Zeit nimmt, die Fragen hört und auch die eine oder andere Idee hat, wie es weiter gehen könnte. Traurig ist es, wenn wir Menschen begegnen, die einfach nicht stehen bleiben wollen, die keine Zeit für uns haben. Schlimm wird es, wenn uns der Angesprochene bewußt in die Irre führt. Heute hat mein Navigationsgerät im Auto einen Weg für mich gesucht, den es nicht mehr gibt. Ich war ziemlich fassungslos. Mitten im Land zu stehen und da ist Ende. So ist das wenn man sich nicht orientiert, wenn man sich auf etwas verlässt, das vorgibt alle Fragen zu beantworten - und sie nicht hat.

Ich kenne mich im Leben eines anderen oft auch nicht aus - aber hören und fragen kann ich immer. Ich muss den ganzen Weg doch gar nicht wissen, es reicht manchmal ja schon, wieder Mut zum Laufen oder Gehen zu machen. Wenn einmal ein Schritt gemacht ist, dann wird der eigene Weg vielleicht wieder klar - oder wir gehen einen ganz neuen Weg - mit ungewissem Ziel, doch der Weg kann schon so reizvoll sein, dass es nicht wichtig ist, ob am Ende die "Erfüllung" wartet. Ich bin sicher, der Weg zum Stall kann gemeistert werden.

Wir sind gestern ganz gut angekommen, wir waren alle sehr müde, aber glücklich. Die Mädchen, weil der Ball sehr schön gewesen ist und ich, weil ich sie gesund nach Haus gebracht habe. Man macht sich in "guten" Zeiten viel zu wenig Gedanken darüber, dass das nicht selbstverständlich ist! Ich danke Euch für eure Begleitung durch die Schneenacht und überhaupt!

Donnerstag, 16. Dezember 2010

Sechzehn!

Das Öchslein hat sich heute im Stall niedergelegt. Ihm ist draußen viel zu kalt. Es schneit hier seit einer Stunde ununterbrochen und mir wird etwas bang. Mein Mann ist mit seinen Mitarbeitern zu einer Weihanchtsfeier unterwegs und ich muss um 23.00 Uhr noch die Töchter vom jährlichen Schulball abholen.
Irgendwie kann ich den netten kleinen Kerl gar nicht wirklich würdigen, der sich wegen seiner Kraft, gepart mit Gelassenheit immer wieder vor den Karren oder den Pflug spannen lässt.
Vielleicht sollt ich mal über das "einspannen lassen" nachdenken!
Drückt mir die Daumen, dass ich die Kinder alle gesund wieder nach Hause hole!
Bis morgen dann!

Mittwoch, 15. Dezember 2010

Fünfzehn!

Ein Rotkehlchen kommt zu Besuch, wie wunderbar. Entzückender kleiner Vogel, der eigentlich recht unscheinbar ist, wäre da nicht sein rotes Brustgefieder. In alten Sagen wird das kleine Tier als Überbringer der Sonne gepriesen. Rot war in germanischer Zeit die Farbe des Lichts und vor allem des Feuers. In den christlichen Legenden hat das Rotkehlchen seine roten Brustfedern vom Blut Christi am Kreuz. Eine andere Version erzählt, dass sich das Rotkehlchen die Federn verbrannte, als es dem Jesuskind Feuer bringen wollte, um es zu wärmen. Es erscheint in den Geschichten also immer als ein sehr mitfühlendes Geschöpf. Wie ist das eigentlich mit dem Mitgefühl. Ich kann doch gar nicht fühlen, was Du fühlst? Selbst wenn ich den gleichen Stoff anfasse, fühle ich, was ich fühle - nicht was Du fühlst. Wir haben uns darauf geeinigt, irgendwann, zu sagen, dass etwas weich oder hart, kalt oder warm, kratzig oder sanft ist. Doch wie sich weich für Dich anfühlt kann ich ja nur ahnen. Ich kann auch deinen Schmerz nicht fühlen, nur die Erinnerung an den eigen Schmerz, an die eigene Freude lässt mich mitfühlen. Wenn ich etwas nie erlebt habe, wird das Mitfühlen sehr schwer. Mitgefühl ein so oft - gerade in diesen Tagen - eingefordertes und strapaziertes Ding. Ich möchte ja mitfühlen, denn ohne das ist Trost oder Begeisterung möglicherweise nicht denkbar. Sich mit jemanden über seinen Erfolg freuen, jemanden tröstend in den Arm nehmen ist so wichtig und so menschlich, im positivsten Sinn. Und doch frag ich mich, muss ich wirklich seine Gefühle mitleben um für ihn da zu sein? Kann es nicht sein, dass es auch einen ehrlichen Weg gibt, jemandem Nähe zu schenken, für ihn da zu sein und konkrete Hilfe zu leisten ohne erst einmal mitfühlen zu sollen? Muss man mich wirklich erst zu Tränen rühren, bevor ich aktiv werde? Ich weiß es nicht. Ich habe die Antwort nicht.
Für meinen Beruf war es von Anfang an wichtig, sich nicht hineinziehen zu lassen, nicht mit zu leiden um professionel handeln zu können - jedenfalls hat man uns das immer wieder eingetrichtert. Und es stimmt auch, zumindest für mich. Wenn ich mitfühle fehlt mir der Blick für die Situation, ich ergreife Partei, werde manchmal zu sehr zum Mithandelnden anstatt zum Unterstützer.
Aber gilt das auch für meine Familie, meine Freunde? Ich kann da oft nicht Distanz halten, fühle mit, manchmal sogar voraus und fühle mehr, als die Betroffenen selbst. Und wundere mich dann über die Reaktionen.
Wenn Du mich brauchst, dann sage es mir - ich bin für Dich da - gerne. Ich will versuchen offene Ohren und ein offenes Herz zu haben, will versuchen, die Zeit für Dich zu haben, die Du von mir einforderst - ich will weder deine Gedanken erraten müssen noch mich Dir aufdrängen. Ich fühle mich Dir verbunden und nahe - ich fühle nicht in Dir!
Aber ich ich fühle gerade mit Euch, Dir ihr euch hier verwirren lasst, durch meine "mitfühlenden" Gedanken!
psst - und noch ein Schaf:-)))

Dienstag, 14. Dezember 2010

Vierzehn!

Heute kommt die Stechpalme zur Weide vor dem Stall. Sie ist so ganz anders als unsere Christrose. Sie ist weder zart noch sanft, ihre Farben sind leuchtend und sie ist wehrhaft. Sie hat feste Blätter mit fast dornenartigen Spitzen. Sie verträgt den Winter gut und schmückt ihn auch mit ihren roten Beeren. Und eitel ist sie auch ein wenig. Sie liebt es, als Dekoration rund um das Weihnachtsfest zu dienen.
Im Mittelalter glaubte man, dass Ilexzweig böse Geister abhalten. Deshalb war es in der dunklen Jahreszeit besonders wichtig, vor allem die Türen mit diesen Zweigen zu umranken. Ich finde es schon spannend, wie leicht die alten und neuen Feste, alter und neuer Glaube sich ineinander verweben. Ich frag mich gerade, ob die traditionelle Weihnachtsfarbkombination etwas mit dem Ilex zu tun hat? Rot und grün. Bis heute schaffe ich es nicht meinen Weihnachtsbaum mit anderen Farben zu schmücken. Ich kann mir gar nicht vorstellen, einen lilanen oder blauen Baum zu haben. Wenn ich diese mutigen Farben bei Freunden entdecke oder in einer Dekoration bewundere, dann grüble ich kurz nach, finde es schön und kehre dann doch zu meinen roten Kugeln, Kerzen und den Strohsternen zurück. Ich bin wohl eher ein Weihnachttraditionalist.
Ach ja, und da ist heute noch ein Schaf dazugekommen und hat sich gleich in den Vordergrund gemogelt - das wird ja noch was geben.

Dreizehn!

 
Der 13. Dezember ist der Luciatag. Auch wenn es historisch nicht ganz korrekt ist trafen sich sich unsere Wanderer gestern mit dieser besonderen Lichtträgerin. 
Ihr Tag galt lange Zeit als der Tag mit der längsten Nacht. Danach ging es wieder aufwärts mit dem Licht. Heute weiß man zwar, dass dieser Termin nicht ganz stimmt, aber dennoch wird der Luciatag als Lichtertag gefeiert.Besonders in Schweden lebt diese Tradition bis heute in fast jeder Familie. Beim Nachlesen über Lucia hab ich darüber nachgedacht, wie wichtig uns Menschen schon immer die Jahreszeiten, der dadurch entstehende Rhythmus sind. Seit es Menschen gibt werden die Wechsel der Jahreszeiten gefeiert. Und da spielt es keine Rolle, ob wir in Europa oder Afrika, Asien oder Amerika leben oder in welcher Epoche Menschen lebten. Rhythmus ist ein Zauberwort. Atmung, Herzschlag oder der Menstruationszyklus sind menschliche Rhythmen. Musik und Sprache folgen Rhythmen. Tag und Nacht, Schlafen und Wachen, die Jahreszeiten - es gibt sicher noch viel mehr, was uns mit seinen Rhythmen verzaubert, am Leben hält uns trägt. Wehe, wenn wir aus dem Rhythmus kommen. Wenn uns der Atem stockt oder das Herz rast. Es ist einfach gut, ein wenig den Lebens-Rhythmus zu pflegen, ihn zu achten und zu feiern. Und Weihnachten gehört sicher zu den Festen, die ganz zu unserem Rhythmusgefühl beitragen.
Ich weiß, eigentlich bin ich einen Tag zu spät - doch die Technik hat mich gestern irgendwie aus dem Rhythmus gebracht - und nun muss ich den Anschluss wiederfinden ;-)))

Sonntag, 12. Dezember 2010

Zwölf!

Heute ist die kleine Christrose auf dem Feld vor dem Stall erblüht. Mal abgesehen davon, dass ich diese Pflanze sehr liebe ( und sie mich auch, denn wir haben seit Jahren zwei große Helleborus im Garten, die üppigst blühen) werden ihr Heilkräfte nachgesagt. Da sie aus dem Gebirge stammt, kann sie bei Eis und Schnee auch ihre Pracht entfalten. Es ranken sich viele Geschichten um diese kleine Blüten, sie sollen vom Himmel gefallene Sternlein sein, Menschen gesunden lassen und sie künden von der Geburt Christi. Bei uns kommt sie schon jetzt, da erst Mineral, dann Pflanzen- dann Tierreich vor die Krippe kommen und erst dann kommen die Menschen. Nur die Schafe, die drängeln sich halt vor. Aber das wisst ihr ja schon.
Es ist immer ein besonderer Moment, wenn diese leuchtende kleine Blüte Einzug hält. Bevor die Engel kommen, erstrahlt das Weiß fast wie ein Licht. Und vielleicht würden wir sie zu anderen Zeiten gar nicht so richtig wahrnehmen zwischen den kräftigen Farben der üppigen Blütenpracht. Sie zeigt, dass auch in dunklen, kalten Zeiten Leben möglich ist. Sie trotzt den Umständen und erinnert uns an unsere eigene Kraft, an unsere Fähigkeit auch an schweren Tagen den Kopf oben zu behalten. Sie ist für uns schön und kraftvoll und außergewöhnlich - oder sind wir kraftvoll und schön und außergewöhnlich und lieben sie, weil sie uns so ähnlich ist oder zieht uns ihre Schönheit an, weil sie uns vorbereitet auf das Kraftvolle, das da kommt?


Wann fängt Weihnachten an?     
Wenn mitten im Winter
eine Rose aufblüht
der Schmetterling leuchtend bunt
durch den Garten zieht
die Nachtigall
ein Lied der Hoffnung singt
und zwischen Menschen
Freude und Glück erklingt
dann fängt Weihnachten an.

Wenn mitten im Streit
Versöhnung beginnt
es selbst zwischen Feinden
wieder richtig stimmt
der Reicht
mit dem Hungrigen teilt
und der Lahme
zum Regenbogen eilt
dann fängt Weihnachten an.

Wenn mitten im Leid
die Not gewendet
das Dunkel des Todes
durch Licht beendet
ein Kind
wichtiger als alles ist
und du
ganz du selber bist
dann fängt Weihnachten an.
    Hermann-Josef Frisch  

Kommt gut in diese Adventswoche und vielleicht sucht Ihr euch ein Plätzchen zum Bertrachten von Schönheit!

Samstag, 11. Dezember 2010

Elf!



Hoffentlich habt Ihr eine Ahnung, was das sein könnte, denn heute bin ich unendlich müde und kaum fähig, einen klaren Gedanken zu fassen. Dieses Tauwetter rüttelt schon den ganzen Tag an mir und meinen Lieben. tapfer haben wir versucht Plätzchen zu backen - wenigstens drei Teige warten im Kühlschrank noch auf ihre Vollendung.
Dabei ist der Advent doch eigentlich die zweite große Fastenzeit im Jahr. Aber all überall wird schon geschlemmt, geschenkt, vorweggenommen.
Nicht das ihr mich falsch  versteht, ich kann da durchaus mithalten. Wir heben unsere Plätzchen auch nicht bis zum Weihnachtstag auf - da wird schon vorher ganz schön genascht. Von all dem anderen Wahnsinn will ich gar nicht reden. In der Schule meiner Mädels wird alljährlich gewichtelt - mittlerweile sollen es pro Wichtel 5 Überraschungspäckchen sein. Ich finde es gewaltig übertrieben. Aber die Kinder kommen da nicht allein drauf - schöne bunte Weihnachtswelt.
Wie klein und unscheinbar wirkt da diese Futterkrippe. Das zukünftige Kinderbett fürs Christkindlein.
Hattet ihr auch solches  Kopfzerbrechen beim (mit einer Unmenge an Vorabratschlägen ausgestatteten) Aussuchen der Wiege, des richtigen Babybetts oder Stubenwagens, der Matratze, Kopfkissen oder keins, Himmel oder ... . Und dann brauchten wir einen Kinderwagen und einen MaxiCosy und..... .
Und auf Maria wartet eine Futterkrippe, die sie sich noch nicht einmal aussuchen konnte, geschweige denn die Farbe bestimmen. Als Matratze wird es Stroh geben und ein Lammfell. Eine Futterkrippe, aus der sonst die Tiere ihre Nahrung empfangen.
Wieviel Nahrung beziehen wir bis heute aus der Krippe und von dem Kind, das darin in 13 Tagen schlafen wird?
Ich wünsch Euch allen einen wunderbar geruhsamen, erfüllten 3. Advent!

Freitag, 10. Dezember 2010

Zehn!

Es ist schon drollig. Da bemühen sich die kleinen Schafe seit Tagen so sehr, im medialen Adventskalendergeschehen eine wichtige Rolle zu spielen, können ihre Ungeduld gar nicht zügeln und dann kommt ihnen ein fremdes Schaf zuvor.
Bei ihrer Wanderung zur Krippe kommen Maria und Josef an so manchem Ungewöhnlichen vorbei. Erst passieren sie die Klassiksammlung meines lieben Mannes, dann laufen sie schnell an einer Reihe ziemlich gruseliger Krimis vorbei, heute sind sie bei den Gedichten und Sagen angekommen. Und während sie sich da ein wenig ausruhten, da springt ihnen dieses Schaf um die Füße. Es war nett und hat gerade für das Foto still gehalten, nun hopst es sicher wieder umher. Es scheint ganz ausgelassen und fröhlich, vielleicht ein wenig aufgeregt. Es hat sich von seiner Herde entfernt. Das scheint den anderen ganz egal zu sein, die liegen immer noch auf dem Feld vor der Krippe und ruhen. Ich glaub ja, die posieren für die Kamera, aber daraus wird nun heute wieder nix. Das schwarze Schaf darf ab heute mit dem Paar zusammen wandern, zurück zu seiner Herde.
Irgendwann, als die Kinder klein waren, gab es auch ein schwarzes Schaf - es war ganz klein und aus Holz. Es hat die Kinder sehr beschäftigt, dass es anders aussah, anders als seine weißen Brüder und Schwestern, das es vielleicht falsch angemalt wurde - das arme Schaf? 
Man hört es oft, Kinder hätten keine Berührungsangst vor dem was nicht in die viel zitierte Norm passt. Ich finde,  Kinder reagieren sehr wohl auf die "Ausnahmen", auf die Verschiedenheiten. Und sie tun es nicht immer positiv. Kinder sind nicht einfach so von Natur aus nur Neugierig. Es mag sein, dass sie wissbegieriger und manchmal auch unbefangener als Erwachsene sind, doch sie konstatieren sehr wohl Unterschiede und Andersartigkeit. Und sie sind dann auch nicht immer gnädig im Umgang mit dem, was für sie nicht ins Konzept passt. Ungewöhnliches Verhalten, unbekanntes Aussehen, fremdes Essen, neue Wege, all das kann Forscherdrang hervorlocken - oder aber Ablehnung, sogar Angst oder Wut. Es ist ein langer Weg für das Menschenkind, sich an den Gedanken zu gewöhnen, dass es eine ganz große Vielfalt gibt, die wir auch irgendwie "ertragen" müssen, können, dürfen.
In der Evolutionsgeschichte hat es schon sehr geholfen Vertrautes von Unbekanntem unterscheiden zu können. Unser Gehirn reagiert bis heute mit Stress, wenn etwas nicht so ist, wie wir denken, dass es sein sollte. Diese Fähigkeit zwischen "Ist schon in Ordnung" und "Vorsicht, kann gefährlich sein" trennen zu können, hat der Menschheit auf ihrem Weg sicher sehr geholfen. Wir Menschen haben aber erst lernen müssen, mit diesem Erkennen umzugehen und nicht auf alles Unbekannte mit Flucht oder Kampf zu reagieren. Ich hab nachgesehen, das Wort Toleranz ist erst seit dem 16. Jahrhundert belegt. Das Dulden von Fremdartigkeit in meiner Umgebung ist nichts Angeborenes, es ist gelernt. Wir Erwachsenen sind wichtige Vorbilder für das Erlernen von Toleranz. Nun ist das ja immer so eine Sache mit der Duldsamkeit, mit dem Zulassen können. Es hängt vielleicht mit den gemachten Erfahrungen zusammen, ob wir mit Interesse und Gleichmut eine neue Situation aufnehmen oder ob wir erst einmal in Abwehrhaltung gehen.
Früher wurden schwarze Schafe aus einer Herde aussortiert um den Preis für die Wolle nicht zu gefährden, denn schwarze Wolle lässt sich nicht gut färben.  Heute weiß man, dass die Anwesenheit schwarzer Schafe in einer Herde verhindern, das die ganze Schar beim Anblick dunkler Tiere, zum Beispiel von Wildschweinen, in Panik gerät udn davon rennt. Ein guter Hirte mischt die Herden.
Die Weihnachtsgeschichte ist voller Andeutungen von Toleranz, Großmut und Gelassenheit und das Leben Jesu ist dann Großmut, Gelassenheit und gelebte Toleranz. Weihnachten kann auch ein Fest der Tolernanz sein, weil er uns die Idee davon mit auf unseren Weg gab.
Deshalb wandert bei uns das schwarze Schaf immer mit zur Krippe!

Donnerstag, 9. Dezember 2010

Neun!

Dieser Tag sollte der Pflanzenwelt gehören. Denn es wird Zeit für die belebte Welt um Maria und Josef herum. Denn Maria ging auf ihrem Weg durch einen Dornenwald.

Maria durch ´nen Dornwald ging.
Kyrieleison.
Maria durch ´nen Dornwald ging,
Der hat sieben Jahre kein Laub getragen!
Jesus und Maria!

Was trug Maria unter ihrem Herzen?
Kyrieleison.
Ein kleines Kindlein ohne Schmerzen,
Das trug Maria unter ihrem Herzen!
Jesus und Maria!

Da hab'n die Dornen Rosen getragen,
Kyrieleison.
Als das Kindlein durch den Wald getragen!
Da haben die Dornen Rosen getragen!
Jesus und Maria!

Es ist eines der schönsten Weihnachtslieder, das ich kenne. Es besingt den Weg Mariens, die Verwandlung, den Segen, der uns zukommt durch die Weihnacht. Vielleicht liegt es ja daran, dass es zu den Liedern gehört, die wir zum Adventsgärtlein gesungen haben, vielleicht einfach nur daran, dass es solch eine schöne, einfache und klare Melodie hat. Es hilft mir immer, mir zu vergegenwärtigen, dass die Pflanzen ganz fest zu unserem Leben gehören und sich nicht nur in den Metaphern wieder finden. Ich wollt eigentlich über die Pflanzen und ihre Bedeutung für unser Leben und vor allem für unsere Sinne schreiben. Ich wollte über die Schönheit philosophieren und über den Reichtum an Düften und Geschmäckern nachdenken. Es wäre an der Zeit gewesen, den Dienst zu würdigen, den Pflanzen uns leisten. Nahrung sind sie uns, leibliche wie optische. Dass sie die Welt zusammenhalten, das Wetter beieinflussen, der Erde Mantel sind. Das alles wollt ich schreiben. Aber vielleicht ist das heute gar nicht so wichtig. Mir ist nämlich was ganz Besonders begegnet und das ist auch ein Stück von Weihnachten. Ich habe heute ein Päckchen bekommen. Erst konnte ich mit dem Absender nicht wirklich etwas verbinden. Erst als ich das Kästchen öffnete und den Brief las, da wurde mir klar, wer mich da überrascht hat. Liebe Anja! Ich glaube nicht, dass Du eine Ahnung hast, wie sehr mich dein Geschenk gefreut hat.
Euer aller Mitlesen, Mitspüren und Mitdenken berührt mich ganz tief. Ich möcht einfach mal Danke sagen an dieser Stelle. Zu wissen, wer da alles jeden Abend bei mir zu Gast ist, das ist ein wundervolles Stück Weihnachten!
In diesem Glückspäckchen da fand ich die zwei kleine weiße Täubchen, die Anja so liebevoll gestaltet hat. Sie haben gleich ihren Platz in den Zweigen der Dornenhecke gefunden. Ich bin sicher, dass Maria und Josef und all die anderen, die sich vor der Krippe einfinden werden, einen Moment die Augen heben, das unschuldige, friedvolle Paar betrachten, das ihnen ein Lächeln auf die Lippen zaubert.
Weiße Tauben stehen für den Frieden, für ein inniges Miteinander. Und ist nicht Weihnachten ein Friedensfest? Ein Fest des miteinander Feierns, des sich verbunden Seins. Eigentlich finden die Tauben den Weg auf den Jahreszeitentisch und in mein Bewußtsein eher zu Pfingsten. Sie sollen dort symbolisch den heiligen Geist verkörpern. Und daher ist es gar nicht so weit hergeholt, wenn diese kleinen Lebewesen zur Weihnacht dazu gehören, jedenfalls ab diesem Jahr zu unserer Weihnacht.
Frieden und Sicherheit sind eine Illusion, ein ewiger Menschheitstraum, hab ich mal irgendwo gelesen. Das mag schon so sein. Die Welt ist nicht friedlich, die Natur ist es auch nicht und Sicherheit ist ein Wunschgebilde. Es gibt sie niemals ganz für uns. Wie schnell weichen Frieden und Sicherheit dem Schrecken. Wie leicht geraten wir auf Abwege, erleiden "Schiffbruch",  wie schnell geschieht uns ein Leid. Wir stoßen uns, wir schneiden uns, Verletzungen gehören ins Leben, auch wenn es uns gerade nicht trifft, auch wenn bei uns politischer Frieden herrscht, irgendwo herrschen Hunger und Leid, werden immer Menschen und Tiere gequält, gar getötet. Wir erleiden Krankheiten, manche davon können nicht geheilt werden. Unsere Seelen und unser Geist können leiden.
Und gerade deshalb kommt der Friedensbotschaft so eine ungeheure Kraft zu. Es ist ein sehnlicher Wunsch, ein Konstrukt dem wir nachstreben dürfen. Wir müssen nicht zusehen und abwarten, wir dürfen in unserer kleinen Welt an jedem Tag und jedem Wesen um uns herum mit Respekt und Wertschätzung begegnen.  Ein kleines Lächeln, ein friedvolles, liebevolles Wort bringt uns näher an den Frieden im Sinne der Weihnacht als jede sündhaftteure,vom Medienrummel begleitete Weltenrettungskonferenz.
 Ich wünsch jedem von Euch ein Täubchen, das an das Friedensversprechen erinnen kann.
Ach ja, und die Schafe, die sind einfach viel zu ungeduldig. Die wollen nicht mehr warten. Na dann!
Aber davon morgen mehr!

Mittwoch, 8. Dezember 2010

Acht!

Das kleine Schaf hat sich ins Bild gemogelt, es ist noch gar nicht dran. Aber es dachte, so grau wie es ist, es fällt mir nicht ins Auge und darf bleiben. So was fotosüchtiges.
Steine liegen heute da im Weg. Sie liegen jedes Jahr auf dem Weg zur Krippe. Steine sind so irdisch, überall finden wir sie. Ausgelößt aus der Erdkruste, losgelößt vom Gesteinsverbund, abgebrochen, ausgewaschen, von eisigen Gletschern abgerundet, von den Flüssen herumgeschubst, vom Wind bearbeitet - und irgendwann liegen sie in unserem Blickfeld. Ich gebe es zu, ich sammle Steine. Runde und kantige, graue, weiße, gestreifte und braune - ich hab auch schon welche gefilzt, so schön finde ich sie. Ich mag es wenn sie sich von der Sonne erwärmen lassen oder im Wasser glänzen. Sie haben etwas ursprüngliches und künden von der unbändigen Kraft der Erde.
Auf dem Weg zur Krippe sind Maria und Josef sicherlich an tausenden Steinen vorbei gekommen, vielleicht sogar über einen Stein gestolpert. Spitze Steine bohrten sich in den Fuß, machten den Weg beschwerlich.
Steine stehen in der Sprache oft als Sinnbild für Härte oder Beständigkeit. Für Schwere oder für Stabilität. Wer ein Herz aus Stein hat, dem kommt nichts nahe, er hat kein Mitleid. Wer wie ein Stein schläft, den weckt so schnell nichts. Wo der steinerne Grund fehlt, da baut man sein Haus auf Sand - und das ist bekanntlich nicht sehr stabil.
Was ich unglaublich finde, ist der Weg, den jeder Stein nimmt. Auch wenn ich denke, er sei für die Ewigkeit gemacht, er wird irgendwann seine harte Kruste aufgeben, abgeben und zu Erde werden. Er bietet Pflanzen Halt und spendet seine Mineralien für uns und alle anderen Lebewesen. Man kann Stein nicht essen - nicht einfach so - aber alles was Substanz hat braucht Mineralien. Also sind wir mit ihm verbunden mit dem Stein und mit der Erde. Am Himmel die Sterne und unter unseren Füßen der Erde Stein. Ein gutes, stabiles Weltenzelt, in dem sich jedes Menschenkind wiederfindet, und eben auch Maria und Josef auf die Krippe zubewegen.
Der Stein ist, er macht nicht, mit ihm wird gemacht. Die Sonne, der Wind, das Wasser, Lebewesen aller Art machen mit dem Stein etwas und er ist geduldig, machtlos und scheinbar leblos.
Aber eben nur scheinbar.
Manchmal wollt ich, ich hätte die Geduld und die Kraft des Steins. 
Ich glaube, der kleine Knabe, den Maria in sich trägt, der hatte was von dieser Geduld und dieser Kraft, vielleicht auch, weil sein Weg so steinig war!

Dienstag, 7. Dezember 2010

Sieben!

Nein, nein - das ist nicht die Europafahne als Bilderrätsel. Das ist der Himmel über unserer Krippe. Jeden Tag kommt ein Stern an diesem Himmel dazu - am Heiligen Abend sind es dann 4 große Sterne, 19 kleine Sterne und eben ein ganz besonderer Stern, der die Könige rufen wird.  Bis heute sind die Wanderung von Maria und Josef und die wundersame Vermehrung der Sterne am Krippenhimmel unser Adventskalender. Bis heute wird sehr genau darauf geachtet, dass auch ja kein Stern fehlt. Schon lange können die Kinder zählen, manchmal besser und aufmerksamer als die Mutter! Wie gut für die Mutter, dass es "nur" 24 Sterne sein sollen dort hinter der Krippe und nicht unzählige, wie sie Maria und Josef bei ihrer Wanderung beobachten konnten, wenn sie Nachts irgendwo lagerten.
Der Sternenhimmel übt auf uns alle - da bin ich mir fast sicher - eine ungeheure Anziehungskraft aus. In einer klaren Nacht vor das Haus zu treten und den Blick ins weite Rund des Himmelszelts zu richten bringt manchmal eine erhabene Stimmung hervor, manchmal eine ehrfürchtige und ab und zu auch eine romantische. Bei aller Ergebenheit an die Wissenschaft, bei allem Verständnis für Astronome und Physiker und ihre Erklärungen, ihre Beweise - für mich bleibt der Sternenhimmel ein Mysterium. So weit von uns entfernt und doch deutlich zu sehen - wenn es nicht gerade regnet. So viele Lichtpunkte betrachten zu können ohne geblendet zu werden. Dieses dunkle Blau lässt die Augen zur Ruhe kommen, sie sind ganz entspannt und können die Sterne einfach genießen. Nachts auf dem Meer kann sich der Seemann nach ihnen richten, wenn er sie noch kennt, die Sternenstraßen. Es wird gesagt, die Sterne wissen um unser Schicksal. Wenn wir nur in ihnen lesen könnten, würden sie es uns verraten. Wir binden unsere Wünsche manchmal an uneren Stern, wir spielen mit dem Gedanken, dass Sternschnuppen uns ein kleines Wunder bescheren, wir holen für einen geliebten Menschen die Sterne vom Himmel - und wir lassen sie in der Weihnachtszeit überall funkeln.
Ich erinnere mich an meine allerliebste Kinderweihnachtsgeschichte, an "Peterchens Mondfahrt" und an die kleinen Sterne, die nur dann strahlen konnten, wenn ihr Kind ganz artig war. Ich vergesse nie das eifrige Gesicht des armen kleinen Sternleins, das seine Strahlen so mühsam putzen musste. Natürlich ist die Geschichte altpädagogisch, natürlich soll man Kindern kein schlechtes Gewissen machen. Alles klar. Und ich liebe es doch, mein kleines Sternchen, das bis heute immer mal wieder seine Strahlen putzen muss. Ich bin froh, dass es immer noch leuchtet und strahlt, dass es Wünsche erfüllt und nicht nachtragend ist - auch wenn ich ihm Kummer bereitet habe.
Es ist doch das Zeichen der Weihnacht - die Vergebung kommt in die Welt - ein sanftes immerwährendes Licht - ein Stern, der auf die Erde steigt und hier unter uns geblieben ist! Auch wenn der Physiker jetzt schmunzelt und der Astronom  verwundert den Kopf schüttelt. Für mich haben die Sterne am Himmel eine Seele und das nicht nur in der Weihnachtszeit.

Montag, 6. Dezember 2010

Sechs!

Aha, da ist er ja! Der erste Mann an der Krippe, der Begleiter, der "eheliche" Vater Jesu. Grauhaarig soll er gewesen sein und alt. Er hat auf Befehl geheiratet, denn eigentlich wollt er keine schwangere Frau heiraten. Aber die Engel haben es ihm erklärt, so erzählt man es jedenfalls. In der biblischen Geschichte ist er eher eine Randfigur, die dann auch irgendwann sang und klanglos aus dem Leben Jesu verschwindet. Schon merkwürdig, wie es in dieser Zeit des absoluten Patriarchats zu solch einer Entwicklung kommen konnte. Ich habe nachgelesen, dass sein Name "Gott fügt hinzu" bedeutet. Also ist er nur ein Hinzugefügter? Oder hat er seinem Leben etwas hinzufügen lassen, was ursprünglich von ihm so nicht vorgesehen war? Er ist gar nicht so leicht einzuordnen, dieser Josef, der Zimmermann aus Nazareth. Ein ehrbarer Handwerker, der sich verheiraten wollte mit einer ganz jungen Frau. Eine Familie gründen wollte er. Vater sein. Und dann schlittert er in die größte Geschichte der Christenheit.
Das Leben ist manchmal so. Es stellt uns von einer Sekunde auf die Andere vor unglaubliche Aufgaben, gibt unserem Leben eine außergewöhnliche, nicht geplante Wendung - vielleicht sogar eine neue Bedeutung. Wir wachsen über uns hinaus. Zumindest über das, was wir über uns selbst gedacht haben. Josef sprengt alle Konventionen der damaligen Zeit, ist großzügig und nimmt ein fremdes Kind als sein eigenes an. Er hat keine Ahnung auf was er sich da einlässt. Doch er ist kein Junge mehr, der schnell mal die Richtung ändert. Er tut es bestimmt mit Bedacht und einem großen Verantwortungsgefühl.
Er wird Maria mitnehmen, schwanger wie sie ist, sie beschützen, den Esel führen, an ihrer Seite sein, wenn die Stunde der Geburt gekommen ist - da ist ja sonst niemand. Und er wird sich des Kindes annehmen, Vater sein und Lehrmeister.
Ich weiß nicht wie Ihr darüber denkt. Mir sind die Väter dieser Welt einfach wichtig. Es gab so manchen Streit mit meinem Vater, so manche Situation in der ich als Tochter dachte, Mensch ist der altmodisch. Aber er war immer für mich da, wenn ich ihn brauchte, er war ein Vorbild wenn es um Kopf und Hand ging. Er kann seine Gefühle schlecht zeigen und daran leidet er gewiss bis heute.Man kann stundenlang über Väter schreiben, reden und grübeln. (Über Mütter übrigens auch) Moralisch, psychologisch, philosophisch, komödiantisch.... All das zeigt nur die Bedeutung der Vaterfigur, ganz egal ob nun biologisch belegt oder ganz anders. Josef ist so ganz anders als Adam, der Urvater. Er lässt sich nicht verführen, er sucht auch nicht das Paradies. Er will sein Leben in den Dienst seiner Familie stellen, den Rahmen bilden für die Frau an seiner Seite und das unbekannte Kind. Vielleicht ist er derjenige, der mit beiden Beinen auf dem Boden steht und die kleine Welt hält. Wie schön, dass Maria nicht alleine ist und er das Licht hält!
 

Sonntag, 5. Dezember 2010

Fünf!

...und er hat sein helles Licht bei der Nacht"  Zu der kleinen Laterne, die Marias Wanderung begleiten wird, habe ich eine ganz besondere Beziehung. Mein Mann ist Bergingenieur von Beruf und ich werde nie den Tag vergessen, an dem ich in einer unbeleuchteten Strecke das Experiment wagen durfte, ganz ohne Licht zu sein. Es ist einfach unbeschreiblich. Absolute Schwärze. Lange habe ich das nicht ertragen, obwohl mich einige erfahrene Bergleute begleiteten, wollte ich wieder Licht. Wenigstens eine winzige Idee von Sichtbarkeit sollte sein, dort unten in der Tiefe auf der 800m Sohle. Die Menschen, die ihrer Arbeit dort unten nachgehen, sind so sehr angewiesen auf das Licht - sie dürfen es nicht verlieren - denn die Hoffnung auf die gesunde Heimkehr über Tage geht mit dem Licht der Laterne Hand in Hand.
Licht ist das Hilfsmittel für unsere Augen, die Welt zu erkennen, den Weg nicht zu verlieren, Farben zu sehen, Wärme zu empfinden - und wenn schon nicht das große Himmelslicht am Tage - dann wenigstens das "kleine" Licht in der Hand. 
Vielleicht machen wir es uns heute zu oft zu hell, vielleicht sind wir zu gierig nach Licht. Das mag so sein. Vielleicht ist all der Lichtzauber um uns herum schon viel zu selbstverständlich, zu üppig. Vielleicht kann er die Hoffnung und die Wärme, die so ein kleines Laternenlicht spendet, auch nicht ersetzen. Deshalb ist es ein schöner Brauch für den Heimkehrer eine Kerze ins Fenster zu stellen - ein Licht in der Dunkelheit - und eben nicht dunkle Flecken zwischen der Superbeleuchtung!
Ein kleines Laternenlicht hilft den Weg zu finden, der Nacht den Schrecken zu nehmen - das kleine Licht geht mit uns - und mit Maria!



Samstag, 4. Dezember 2010

Vier!

Na, Ihr wunderbaren Adventskalenderfrauen, das habt Ihr toll gemacht. Nun sitzt ich hier und bin so klug als wie zuvor. Mir geht es ein wenig wie Claudia, ich finde die Gründe eurer Wahl überaus spannend.
Dann werde ich mir eben noch einen Tag Zeit lassen, um mich zu entscheiden.

Und wen haben wir heute auf dem Markt getroffen? Vielleicht kann man es ja erkennen, Maria hat sich für die bevorstehende Reise einen Esel als Träger ausgesucht. In den Weihnachtsgeschichten der Bibel kommt er gar nicht vor, der kleine graue Geselle. Und doch finden wir ihn heute in fast jeder Darstellung der Krippenszene. Kleiner als Pferde, widerstandsfähig, ganz schön kräftig für ihre Größe, eigneten sie sich ganz gut für den Dienst im Alltag der Menschen. 
Sie sollen ein bischen störrisch sein und nicht immer alles tun, was man von ihnen verlangt. Diese Eigenheit macht mir die Grautiere um so sympatischer. Dienstbar sein zu wollen oder zu müssen ist eine Sache, diesen Ansprüchen immer - sofort und ohne Verzögerung nachkommen zu müssen, eine ganz Andere. An manchen Tagen erwische ich mich dabei, dass das "dienstbarsein Wollen" wichtiger erscheint, als sich um die eigenen Kräfte zu kümmern, als den eigenen Bedürfnissen nachzuspüren und sich einmal ganz viel Zeit zu lassen mit dem Erfüllen von Anforderungen. Ich will ja nicht egoistisch sein, das wäre überhaupt nicht gut! Es ist schon eigenartig, was man sich im Laufe des Lebens für ein Selbstbild zurecht zimmert, welchen Angepasstheiten man einen vermeindlichen Sinn zuweißt.
Vielleicht ist der Esel gar kein "dummer Esel". Ganz im Gegenteil. Er ist ein kluger Geselle. Sich zu verweigern, bei sich selbst zu bleiben, sich den Raum für die eigenen Tempi zu lassen ist wirklich ein weiser Schritt. Nicht zu rennen und zu hetzen, das könnt ich mir ja mal vom "lahmen" Esel abschauen.

Und während ich hier sitze und schreibe, fällt mir auf, wie viele negative Zuschreibungen dieses besondere Geschöpf im Laufe der Jahrhunderte auf seinem geduldigen Rücken angesammelt hat. Ich werd heute eine positive hinzufügen: Der Esel ist ein großes Vorbild für alle, die dazu neigen, sich manchmal selbst zu verlieren im Dienst einer "wichtigen" Sache oder für einen geliebten Menschen.
Maria wusste schon, warum es ein Esel war, den sie sich für ihre Reise ausgesucht hat!

Freitag, 3. Dezember 2010

Drei!

Noch weit weg, noch ohne Ahnung von dem, was auf sie zukommt, treffen wir Maria, vielleicht zu einem Plausch.


Maria ist für mich die zentrale Person in der Weihnachtszeit. Auch wenn ich Figuren für die Krippe erarbeite steht sie immer am Anfang. Nach ihr richtet sich alles. Die Farben, die Größen, der Ausdruck und die Ausstattung der übrigen Figuren. Alle werden letztendlich nur der Rahmen sein für diese junge, starke Frau.
Ich weiß, das klingt merkwürdig, denn eigentlich geht es um Jesu Ankunft - um seine Geburt. Doch dieses - nach der Überlieferung - sehr junge Mädchen hat eine große Ausstrahlung und Präsenz. Sie ist. Und sie ist Frau. Ohne sie gäbe es kaum eine Weihnachtsgeschichte. Sie schleppt sich hochschwanger nach Betlehem, einer ungewissen Zukunft entgegen. Einzig gewiss ist, dass eine großartige und gefährliche Aufgabe auf sie wartet. Sie wird einem Kind das Leben schenken.  Was auch immer in ihr vorging, sie stellt sich hin und trägt die süße Last. Sie murrt nicht, sie klagt nicht - sie ist einfach. Das Leben war früher sicherlich viel anstrengender und gefährlicher als wir uns das heute vorstellen können. Und dennoch geht sie Vertrauen in die Zukunft.
Ich wüsste gerne, was ihre Freundinnen über sie dachten, wüsste so gerne, wie sie aufgewachsen ist, was ihr wichtig war und worüber sie lachen konnte. In der Weihnachtsgeschichte ist sie ein - sicherlich verehrtes - Gefäß. Sie trägt den Gottessohn. Aber sie war eben auch eine Frau. Sie war ein Geschöpf, dass Liebe zu geben vermochte, Leben schenken konnte, Fürsorge walten ließ, Tapferkeit besaß und bestimmt auch den Haushalt versorgte. Sie wollte sicherlich nie eine Heilige sein und wurde es doch.
Es hat sie niemand gefragt, ob sie das alles gewollt hat. Und doch hat sie ihr Schicksal angenommen. Sie war sicherlich ein ganz außerordentlicher Mensch und eine starke Frau.
Wenn ich eine Maria forme, dann gehen mir die vielen Frauen durch den Kopf, die niemand fragt, ob sie eine Ehe wollen, die niemand fragt, ob sie ihre Söhne wirklich dem Krieg in den Schlund stopfen wollen, die nie ein Mensch fragt, ob ihnen die Arbeit zu schwer wird - und die doch durch ihr Leben mit Würde und Kraft gehen, Schicksalschläge annehmen und dennoch ja zum Leben sagen.
Ich bin dann immer voller Bewunderung.
Vielleicht kann die Weihnachtszeit auch eine Zeit sein, in der wir uns auf Mütter und Töchter, Schwestern und Freundinnen besinnen. In uns allen wohnt ein wenig der Geist von Maria. Da bin ich mir sicher.

Welche der beiden Figuren ist in Euren Augen "eure" Maria? Ich würde euch gerne entscheiden lassen, welche der beiden ab morgen den Weg nach Betlehem gehen wird. Habt ihr Lust mir das zu schreiben?

Donnerstag, 2. Dezember 2010

Zwei!

Was raschelt da im Stroh? Eine Maus hat es sich in der Krippe gemütlich gemacht seit heute. Als das Stroh ausgelegt wurde, das in einen Krippenstall hinein gehört, da war sie plötzlich da. Aber um diese nette kleine Mitbewohnerin soll es heute gar nicht gehen. Eigentlich ist das, was wir da in die Krippe gelegt haben Heu. Wenn ich es richtig weiß, dann ist Heu getrocknetes Gras von Wiesen, auf denen kein Getreide angebaut wird. Getrockneter Sommer. Trocken und lange haltbar. Heu ist für Pflanzenfresser nahrhaft, es bildet die Grundlage für sogenanntes Raufutter. Heu von Bergwiesen duftet anders als das Heu aus der Ebene. Es muss ein wirklich wertvoller Moment gewesen sein, als Menschen auf die Idee kamen, das frische Gras für ihr Vieh zu bewahren, indem sie es trockneten und aufsparten für den Winter. Das der kleine Jesusknabe gerade auf Heu und auf Stroh gebettet wurde, war für mich immer ein Zeichen, dass er in der Tradition der bewahrenden, schützenden Menschen stehen sollte. Heu hat - vielleicht nur für mich - mit der Kontinuität von Leben zu tun. Wir bewahren Erinnerungen auf wie Schätze. Manchmal werden sie trocken und blass, manchmal aber auch lebendig und frisch, weil uns ein Duft an ein Ereignis erinnert, das uns tief berührt hat. Manchmal reicht der Anblick eines Gegenstandes aus, Vergangenes zu Tage zu fördern. Es macht uns froh, auf den Schatz an Erfahrungen zurück zu blicken, wie es einen Bauern froh macht, eine gute Heuernte eingebracht zu haben. Wir reichen diese Erinnerungen in Geschichten und Beschreibungen weiter - und werden so zu einem Teil des Erzählstroms seit Jahrtausenden.
Eine gute Freundin hat mir einmal von einem Advents-Brauch aus ihrer Heimat erzählt, der mich immer wieder beschäftigt. Eigentlich geht es nur darum, dass jedes Kind an jeden Tag im Advent einen Strohhalm in eine Krippe legen darf, damit das Jesuskind am heiligen Abend weich gebettet liegen kann.
Dieses Bild geht mir nicht aus dem Kopf. Für mich bedeutet es aktives Mitgestalten einer Geschichte, die niemals ein Ende finden muss. Eine Geschichte, die wir alle miterzählen, mitformen und auch immer weitertragen. Wir sind nicht das Gras im Wind, wir sind diejenigen, die den Sommer bewahren und Menschen durch dunkle Zeiten tragen. Wir haben die Kraft, etwas über viele Generationen weiter zu reichen und es gut werden zu lassen.
Mitten im Schnee vom Sommerlicht zu träumen, sicher zu sein, dass es immer wieder kommt, das ist ein großes Geschenk. Bewahrt es Euch!

Mittwoch, 1. Dezember 2010

Eins!

In diesm Jahr hab ich lange überlegen müssen, was ich mit meinem Adventskalender für Euch wohl anstelle. Es war so wenig Raum für das Blogleben und so wenig Zeit für tiefgründige Überlegungen zu Themen, die mich und Euch berühren könnten. Und dann war sie da - die Idee. Einfach so. Manchmal ist alle Anstrengung sinnlos, man muss nur Vertrauen zu sich selbst haben oder sich einfach Zeit lassen.
Nun gut, es soll nun so sein. Ich will Euch 24 Tage am Entstehen der Krippe teilhaben lassen. Wie, das werden wir sehen, es wird wachsen, das Adventskalenderchen wie die Krippenfiguren und alles andere.

Erst einmal brauchen wir also einen Stall.
Unser Stall ist ganz schlicht, aus Holz und hat nur einen Raum. Es gibt so unendlich viele Variationen von Krippen, Wurzelkrippen, Steinkrippen, Felshölen...doch mir genügt für mein Bild von einer Krippe dieser schlichte Raum.
Eines haben alle Krippengebäude gemeinsam. Sie bieten Schutz. Sie sind eine Zuflucht, ein Ort, an dem Wärme und Geborgenheit Platz haben. Und solch einen Ort brauchen wir alle. Einen Ort, der uns umhüllt und uns wärmt, der uns sagt, dass wir dort immer willkommen sind. Dieser Ort muss gar kein Haus, schon gar kein Palast sein. Es kann ein geliebter Mensch sein, der uns Hülle anbietet, ein Baum, der uns  vertraut ist, eine Bank im Park oder am See, die uns ein wenig Heimat geworden ist. Auch unsere Freunde und die Familie sind "Orte", zu denen wir kommen wollen, uns wärmen können, Schutz erfahren. Wer auch immer eine Krippe aufstellt, meint diesen Ort der Geborgenheit, der wahren Wärme und des Schutzes - nicht den ärmlichen Stall. Und eigentlich steht für mich auch die Adventszeit unter dem Zeichen des Schutzes, im Bild der Wärme. Sie umhüllt uns und bietet Zuflucht, wenn wir es zulassen.
Und morgen machen wir das nächste Türchen auf....