Donnerstag, 2. Dezember 2010

Zwei!

Was raschelt da im Stroh? Eine Maus hat es sich in der Krippe gemütlich gemacht seit heute. Als das Stroh ausgelegt wurde, das in einen Krippenstall hinein gehört, da war sie plötzlich da. Aber um diese nette kleine Mitbewohnerin soll es heute gar nicht gehen. Eigentlich ist das, was wir da in die Krippe gelegt haben Heu. Wenn ich es richtig weiß, dann ist Heu getrocknetes Gras von Wiesen, auf denen kein Getreide angebaut wird. Getrockneter Sommer. Trocken und lange haltbar. Heu ist für Pflanzenfresser nahrhaft, es bildet die Grundlage für sogenanntes Raufutter. Heu von Bergwiesen duftet anders als das Heu aus der Ebene. Es muss ein wirklich wertvoller Moment gewesen sein, als Menschen auf die Idee kamen, das frische Gras für ihr Vieh zu bewahren, indem sie es trockneten und aufsparten für den Winter. Das der kleine Jesusknabe gerade auf Heu und auf Stroh gebettet wurde, war für mich immer ein Zeichen, dass er in der Tradition der bewahrenden, schützenden Menschen stehen sollte. Heu hat - vielleicht nur für mich - mit der Kontinuität von Leben zu tun. Wir bewahren Erinnerungen auf wie Schätze. Manchmal werden sie trocken und blass, manchmal aber auch lebendig und frisch, weil uns ein Duft an ein Ereignis erinnert, das uns tief berührt hat. Manchmal reicht der Anblick eines Gegenstandes aus, Vergangenes zu Tage zu fördern. Es macht uns froh, auf den Schatz an Erfahrungen zurück zu blicken, wie es einen Bauern froh macht, eine gute Heuernte eingebracht zu haben. Wir reichen diese Erinnerungen in Geschichten und Beschreibungen weiter - und werden so zu einem Teil des Erzählstroms seit Jahrtausenden.
Eine gute Freundin hat mir einmal von einem Advents-Brauch aus ihrer Heimat erzählt, der mich immer wieder beschäftigt. Eigentlich geht es nur darum, dass jedes Kind an jeden Tag im Advent einen Strohhalm in eine Krippe legen darf, damit das Jesuskind am heiligen Abend weich gebettet liegen kann.
Dieses Bild geht mir nicht aus dem Kopf. Für mich bedeutet es aktives Mitgestalten einer Geschichte, die niemals ein Ende finden muss. Eine Geschichte, die wir alle miterzählen, mitformen und auch immer weitertragen. Wir sind nicht das Gras im Wind, wir sind diejenigen, die den Sommer bewahren und Menschen durch dunkle Zeiten tragen. Wir haben die Kraft, etwas über viele Generationen weiter zu reichen und es gut werden zu lassen.
Mitten im Schnee vom Sommerlicht zu träumen, sicher zu sein, dass es immer wieder kommt, das ist ein großes Geschenk. Bewahrt es Euch!

Kommentare:

  1. Oh liebe Susanne, da sag ich einfach nur DANKE für die heutige Geschichte. Liebe Abendgrüße, Tina

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  2. Liebe Susanne,
    das erinnert mich an die Geschichte des kleinen Mäuserich Frederick ;o).Ein Buch das ich von der Großen,über den "Theaterhasen" bis hin zum Kleinsten bewahrt habe und das sind schon ein paar lange Jahre ;o)!Auch Frederick hat die große Gabe zu bewahren ;o), während alle anderen Mäuse Wintervorräte sammeln, sammelt er den Duft,die Farben und die Sonnenstrahlen des Sommers ;o).Als die Wintervorräte aufgebraucht sind kommt er dann zum Einsatz ;o):Er erzählt von den Farben,leuchten und Duft des Sommers und allen geht es gut ;o).Ich liiiebe dieses Buch und werde es weiterhin bewahren ;o).Bewahren und im richtigen Moment weitergeben können,ist etwas wundervolles ;o).Einen wunderschönen Abend und die weltallerliebsten Grüße,Petie ♥

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  3. Eine schöne Geschichte, Susanne, und ein schöner Brauch!

    Danke!

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  4. Liebe Susanne,
    ich finde Deine Gedanken sehr schön und "erbaulich" (jaja, ein ziemlich altmodisches Wort, aber ich finde, genau das trifft es). Es ist doch wunderbar, sich in einer ganzen Reihe von Vor- und Nachfahren zu finden, und man ist ein wichtiges Zwischenstück, das auch Erfahrungen u.a. mit einbringen kann, so daß das eigene Leben eine Bereicherung auch für andere ist.
    GGLG
    Bine
    PS.: Farbumstellung beim Feenstaub hat geklappt! Vielen lieben Dank!!!!

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  5. Liebste Susanne,
    bei Deinen Gedanken von Heu musste ich fest an Garfield, meinen Kater vom Achensee denken. Oben in der Scheune werden gerade gegen Herbst/Winter zu riesige Heuballen gelagert. Garfield kuschelt darin gerne und wärmt sich. Wenn ich dann mit ihm kuschele, riecht er so wunderbar nach Stroh und Heu. Ich kann dann gar nicht mehr aufhören an ihm zu schnuppern :-)!
    Faszinierend finde ich auch immer mir vorzustellen, dass diese riesigen Strohmengen ausreichen müssen für einen Wintr, dessen Länge nicht bageschätzt werden kann. Da sind die Bauern ganz auf den Wettergott angewiesen. Besonders gefällt mir Deine kleine Filzmaus - sie ist so klein und gehört trotzdem zur Krippe dazu-ein schöner Gedanke!
    Viele Grüße von Claudia

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