Freitag, 10. Dezember 2010

Zehn!

Es ist schon drollig. Da bemühen sich die kleinen Schafe seit Tagen so sehr, im medialen Adventskalendergeschehen eine wichtige Rolle zu spielen, können ihre Ungeduld gar nicht zügeln und dann kommt ihnen ein fremdes Schaf zuvor.
Bei ihrer Wanderung zur Krippe kommen Maria und Josef an so manchem Ungewöhnlichen vorbei. Erst passieren sie die Klassiksammlung meines lieben Mannes, dann laufen sie schnell an einer Reihe ziemlich gruseliger Krimis vorbei, heute sind sie bei den Gedichten und Sagen angekommen. Und während sie sich da ein wenig ausruhten, da springt ihnen dieses Schaf um die Füße. Es war nett und hat gerade für das Foto still gehalten, nun hopst es sicher wieder umher. Es scheint ganz ausgelassen und fröhlich, vielleicht ein wenig aufgeregt. Es hat sich von seiner Herde entfernt. Das scheint den anderen ganz egal zu sein, die liegen immer noch auf dem Feld vor der Krippe und ruhen. Ich glaub ja, die posieren für die Kamera, aber daraus wird nun heute wieder nix. Das schwarze Schaf darf ab heute mit dem Paar zusammen wandern, zurück zu seiner Herde.
Irgendwann, als die Kinder klein waren, gab es auch ein schwarzes Schaf - es war ganz klein und aus Holz. Es hat die Kinder sehr beschäftigt, dass es anders aussah, anders als seine weißen Brüder und Schwestern, das es vielleicht falsch angemalt wurde - das arme Schaf? 
Man hört es oft, Kinder hätten keine Berührungsangst vor dem was nicht in die viel zitierte Norm passt. Ich finde,  Kinder reagieren sehr wohl auf die "Ausnahmen", auf die Verschiedenheiten. Und sie tun es nicht immer positiv. Kinder sind nicht einfach so von Natur aus nur Neugierig. Es mag sein, dass sie wissbegieriger und manchmal auch unbefangener als Erwachsene sind, doch sie konstatieren sehr wohl Unterschiede und Andersartigkeit. Und sie sind dann auch nicht immer gnädig im Umgang mit dem, was für sie nicht ins Konzept passt. Ungewöhnliches Verhalten, unbekanntes Aussehen, fremdes Essen, neue Wege, all das kann Forscherdrang hervorlocken - oder aber Ablehnung, sogar Angst oder Wut. Es ist ein langer Weg für das Menschenkind, sich an den Gedanken zu gewöhnen, dass es eine ganz große Vielfalt gibt, die wir auch irgendwie "ertragen" müssen, können, dürfen.
In der Evolutionsgeschichte hat es schon sehr geholfen Vertrautes von Unbekanntem unterscheiden zu können. Unser Gehirn reagiert bis heute mit Stress, wenn etwas nicht so ist, wie wir denken, dass es sein sollte. Diese Fähigkeit zwischen "Ist schon in Ordnung" und "Vorsicht, kann gefährlich sein" trennen zu können, hat der Menschheit auf ihrem Weg sicher sehr geholfen. Wir Menschen haben aber erst lernen müssen, mit diesem Erkennen umzugehen und nicht auf alles Unbekannte mit Flucht oder Kampf zu reagieren. Ich hab nachgesehen, das Wort Toleranz ist erst seit dem 16. Jahrhundert belegt. Das Dulden von Fremdartigkeit in meiner Umgebung ist nichts Angeborenes, es ist gelernt. Wir Erwachsenen sind wichtige Vorbilder für das Erlernen von Toleranz. Nun ist das ja immer so eine Sache mit der Duldsamkeit, mit dem Zulassen können. Es hängt vielleicht mit den gemachten Erfahrungen zusammen, ob wir mit Interesse und Gleichmut eine neue Situation aufnehmen oder ob wir erst einmal in Abwehrhaltung gehen.
Früher wurden schwarze Schafe aus einer Herde aussortiert um den Preis für die Wolle nicht zu gefährden, denn schwarze Wolle lässt sich nicht gut färben.  Heute weiß man, dass die Anwesenheit schwarzer Schafe in einer Herde verhindern, das die ganze Schar beim Anblick dunkler Tiere, zum Beispiel von Wildschweinen, in Panik gerät udn davon rennt. Ein guter Hirte mischt die Herden.
Die Weihnachtsgeschichte ist voller Andeutungen von Toleranz, Großmut und Gelassenheit und das Leben Jesu ist dann Großmut, Gelassenheit und gelebte Toleranz. Weihnachten kann auch ein Fest der Tolernanz sein, weil er uns die Idee davon mit auf unseren Weg gab.
Deshalb wandert bei uns das schwarze Schaf immer mit zur Krippe!

Kommentare:

  1. Liebe Susanne
    Deine handgefertigten Figuren sind einfach wunderschön und dazu noch die schönen Geschichten. Ich bin noch am Lesen und leider noch nicht ganz durch, will ich doch am Anfang beginnen ;-))
    Dir einen schönen dritten Advent, ein schönes Wochenende.
    Sei herzlich gegrüßt von Doris

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  2. Liebe Wollwerkerin,
    was wäre die Welt, wenn alle gleich wären? Total langweilig und etwas ändern würde sich auch nicht, weil jeder immer nur das Gleich macht. Schwarze Schafe sind also sehr nützlich ;-).
    GGLG
    Bine

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