Montag, 6. Dezember 2010

Sechs!

Aha, da ist er ja! Der erste Mann an der Krippe, der Begleiter, der "eheliche" Vater Jesu. Grauhaarig soll er gewesen sein und alt. Er hat auf Befehl geheiratet, denn eigentlich wollt er keine schwangere Frau heiraten. Aber die Engel haben es ihm erklärt, so erzählt man es jedenfalls. In der biblischen Geschichte ist er eher eine Randfigur, die dann auch irgendwann sang und klanglos aus dem Leben Jesu verschwindet. Schon merkwürdig, wie es in dieser Zeit des absoluten Patriarchats zu solch einer Entwicklung kommen konnte. Ich habe nachgelesen, dass sein Name "Gott fügt hinzu" bedeutet. Also ist er nur ein Hinzugefügter? Oder hat er seinem Leben etwas hinzufügen lassen, was ursprünglich von ihm so nicht vorgesehen war? Er ist gar nicht so leicht einzuordnen, dieser Josef, der Zimmermann aus Nazareth. Ein ehrbarer Handwerker, der sich verheiraten wollte mit einer ganz jungen Frau. Eine Familie gründen wollte er. Vater sein. Und dann schlittert er in die größte Geschichte der Christenheit.
Das Leben ist manchmal so. Es stellt uns von einer Sekunde auf die Andere vor unglaubliche Aufgaben, gibt unserem Leben eine außergewöhnliche, nicht geplante Wendung - vielleicht sogar eine neue Bedeutung. Wir wachsen über uns hinaus. Zumindest über das, was wir über uns selbst gedacht haben. Josef sprengt alle Konventionen der damaligen Zeit, ist großzügig und nimmt ein fremdes Kind als sein eigenes an. Er hat keine Ahnung auf was er sich da einlässt. Doch er ist kein Junge mehr, der schnell mal die Richtung ändert. Er tut es bestimmt mit Bedacht und einem großen Verantwortungsgefühl.
Er wird Maria mitnehmen, schwanger wie sie ist, sie beschützen, den Esel führen, an ihrer Seite sein, wenn die Stunde der Geburt gekommen ist - da ist ja sonst niemand. Und er wird sich des Kindes annehmen, Vater sein und Lehrmeister.
Ich weiß nicht wie Ihr darüber denkt. Mir sind die Väter dieser Welt einfach wichtig. Es gab so manchen Streit mit meinem Vater, so manche Situation in der ich als Tochter dachte, Mensch ist der altmodisch. Aber er war immer für mich da, wenn ich ihn brauchte, er war ein Vorbild wenn es um Kopf und Hand ging. Er kann seine Gefühle schlecht zeigen und daran leidet er gewiss bis heute.Man kann stundenlang über Väter schreiben, reden und grübeln. (Über Mütter übrigens auch) Moralisch, psychologisch, philosophisch, komödiantisch.... All das zeigt nur die Bedeutung der Vaterfigur, ganz egal ob nun biologisch belegt oder ganz anders. Josef ist so ganz anders als Adam, der Urvater. Er lässt sich nicht verführen, er sucht auch nicht das Paradies. Er will sein Leben in den Dienst seiner Familie stellen, den Rahmen bilden für die Frau an seiner Seite und das unbekannte Kind. Vielleicht ist er derjenige, der mit beiden Beinen auf dem Boden steht und die kleine Welt hält. Wie schön, dass Maria nicht alleine ist und er das Licht hält!
 

Kommentare:

  1. Meine liebe Susanne,
    erstmal vielen lieben Dank für Deinen Kommentar. Ich war wirklich schon ein wenig verzweifelt, weil ich mir eigentlich keiner Schuld bewußt war.
    Und Deine Gedanken über Josef und die Väter haben mich ehrlich zutiefst berührt. Auch ich habe schon oft über meinen Vater gedacht, dass er allzu engstirnig o.a. wäre. Aber in der schlimmsten Situation meines Lebens war er für mich da und hat mich im wahrsten Sinne des Wortes gerettet.
    Ich bewundere Dich für Deine Gedanken zu den Adventstagen.
    Herzallerliebste Grüße
    Bine

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  2. Was für ein wirklich schöner Post - mit allen den Facetten, die man ansonsten kaum beachtet. Ja ich denke, daß er die Vaterfigur darstellt, die sich jedes Kind wünscht: Aufmerksam, fürsorglich - aber auch zurückhaltend und liebevoll. Nicht gebieterisch und besserwisserisch. So sehe ich doch auch eine wichtige Person in Josef, der sich doch dadurch hervorhebt, einfach für seine Familie da zu sein. Einfach das Vertrauen gespiegelt in seiner Ruhe und Ausgeglichenheit - auch wenn nicht alles im Leben glatt geht.
    Liebe Susanne - ich finde es immer wieder toll Deine hochkomplexen Posts durchzulesen. Deine Fähigkeit mit Worten zu spielen und Dinge zu interpretieren haben meine volle Bewunderung und ich genieße das Lesen auf Deinem Blog.
    Danke dafür.
    Liebe Grüße Tinki

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  3. Liebe Susanne, du kannst es so schön beschreiben. Ich hatte zu meinem Vater immer ein eher gespaltenes Verhältnis. Ich dachte immer, was man so über Väter und Töchter sagt, das trifft bei mir nicht zu. Nun ist er vor ein paar Jahren gestorben, aber je älter ich werde, desto näher fühle ich mich ihm. Ich glaube, heute würde ich mich sicher besser mit ihm verstehen. Nun sehe ich es bei meinen eigenen Kindern und glaube auch, das die Väter soooo wichtig sind, ich glaube manchmal, besonders für Jungs. Damit auch sie später gute Väter werden. Josef war sicher ein guter Vater für seinen Sohn.
    Danke, daß du uns in dieser Zeit mit so wunderbaren Gedanken begleitest, vielen Dank. Herzlichste Grüße, Tina

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  4. Danke, du Liebe! So viel Facetten, so viele Gedanken...
    Du hilft, diese Zeit besinnlicher zu machen, weißt du das?

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  5. Hallo liebe Wolli :)
    Was für eine wunderbare Idee! Ich habe jetzt erst einmal nachgeholt und alles gelesen,
    - aber zu dem Thema Vater - nun, da schweige ich mich lieber aus, es ist auch nachdem er vor fast dreissig Jahren gestorben ist, immer noch ein heikles Thema....
    Freitod und Fürsorge sind schwer vereinbar, - aber irgendwann zu vergeben, wenn auch nicht zu vergessen.
    Ich freue mich auf weitere Posts :)
    LG von deiner Kullerqueen :)

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  6. Liebe Susanne,
    *freuundhüpf*, es ist die helle Maria geworden :-)! Ja, nach Deinen Zeilen habe ich nachgedacht, es stimmt Josef spielt in der ganzen Weihnachtsgeschichte wirklich nur eine untergeordnete Rolle. Am Kreuze Jesu wird er gar nicht mehr erwähnt.
    Gerade in der damaligen Zeit war es bestimmt eine Katastrophe eine schwangere Frau zu heiraten, von der er nicht genau wußte, wer der Kindesvater war bzw. so viel Vertrauen hatte, es den Engeln zu glauben. Eine großartige Figur!
    Ich freue mich weiterhin auf das Befüllen der Krippe!
    Ganz liebe Grüße von Claudia

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