Sonntag, 19. Dezember 2010

Neunzehn!

So ein kleiner Kerl soll der Hütehund sein? Und dazu ist er auch noch so zappelig und unruhig. Überall springt er herum. Na, das wird ja was werden.
Er nimmt seine Aufgabe sehr ernst, was die Schafe nicht so wirklich interessiert. Die fragen sich gerade, was dieses Gerenne wohl soll und lassen sich nicht aus der Ruhe bringen. Sie kennen ihn ja schon und wissen um seine Aufgabe, um seine Bedeutung - tja, das ist aber offensichtlich sein Problem. Wenn er meint, soll er doch rennen, schauen, beschützen, sich als Ordnungshüter verstehen - mach doch! Wenn er nur nicht so bellen würde. Und warum ist es so wichtig für ihn, dass sie alle zusammen bleiben?  Der muss doch auch mal schlafen. Aber nein, er rennt umher, scheucht jeden, der mal was eigenes machen will, wieder in die Herde zurück. Hund, bleib doch mal cool! Und ins Fernsehen bringt er uns mit dem Gewusel doch auch nicht. Das soll jetzt also eine Führungspersönlichkeit sein. Der hört ja nicht mal zu, wenn man mit ihm reden will - so von Schaf zu Hund. Immer kommt er mit seinen Vorschriften und betont, wie wichtig es ist, Regeln zu beachten, die richtige Richtung einzuschlagen.... Er würde ja, wenn er könnte - aber er darf eben nicht.
Es ist eben so eine Sache, wenn jemand eine Aufgabe übertragen bekommt, man ihm die Verantwortung überstülpt und ihn dann einfach alleine lässt. Da kann es dann schon mal sein, dass er die Sache übertreibt oder falsch oder zu wenig macht.
Wie merkwürdig, dass der, dessen Geburt wir in ein paar Tagen feiern, sich einerseits durchaus an Regel gehalten hat, aber sie hinterfragt, neu gedeutet und hier und da auch genau das getan hat, was damals nur er für richtig hielt. Wie oft habe ich mich gefragt, was uns Menschen dazu gebracht hat, diese großartigen Haltungen und Visionen in eine Institution zu zwängen, die eher die Hütehund-Rolle erfüllt als Glaubensinspiration und Kraftquelle zu sein. Und so ein williger Hütehund hat seine Rolle nur gelernt.
Wir könnten uns sehr wohl entscheiden, ob wir andere Menschen wieder "in die Reihe" zurücktreiben, wie Schafe in den Pferch - oder ob wir Raum lassen für eigene Wege und neue Erfahrungen. Ich träume davon, dass es eines Tages möglich ist, nicht bei jedem Ausscheren sofort zu bellen und gleich einen neuen Pferch zu bauen.

Kommentare:

  1. Liebe Susanne,
    ja, es wär schön, wenn sich die Menschheit einfach nur an die zehn Gebote, oder, noch besser, an eins halten würden: Du kannst machen was Du willst, solange es keinem anderen schadet. Wir wären eine Welt voller toleranter Vegetarier.
    GLG
    Bine

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  2. Liebste Susanne,
    wie wundervoll es wäre, wenn bei dem klitzekleinsten Ausscheren nicht sofort von irgendjemanden gebellt werden würde,puhhh, die Welt wäre um soooo viel friedlicher !Ein schöner Traum!Ich wünsche dir einen wundervollen Tag und drücke dich feste,Petie ♥

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  3. zielt es bei Dir auf eine Fähikeit hin, eigene Entscheidungen zu treffen, auch wenn man angebellt wird - zurechtgestutzt und zurückgeschubst.
    Die Gefahr dabei ist eher: der Lehrer und Lenker möchte uns wohl seinen weg aufzwängen, ob er gut ist oder nicht, immer in dem eigenen Bewußtsein genau das richtige für den anderen getan zu haben.
    Ist man als Mutter nicht auch manchmal so? Man möchte die Kinder lenken und leiten und wenn sie mal ausbrechen möchte man sie vor Fehlern behüten und beschützen. Bellen nicht auch wir manchmal einfach zu viel, ohne das entsprechende Zutrauen zu den Kindern?
    Bei den Religionsgeschichten bin ich auch der Meinung, daß es dort kein richtig oder falsch geben darf, solange man sich an den Weg hält, der niemand anderem schadet. Ob man wie die Indianer - die Erde und die Sonne als Göttlich betrachtet oder Budda oder oder oder. Mit welcher Berechtigung sagen wir -> nur unser Glaube ist der richtige? Warum wollen wir nicht verstehen, daß jemand vor vielen tausend Jahren vielleicht der Mann, den wir jetzt "anhimmeln" einen anderen Glaubensweg beschritten hat, um vielleicht anderen zu zeigen, daß man ausbrechen sollte? Mal einen anderen weg versuchen?
    Mein Prof. sagte in einer der ersten Stunden: Theorien sind dazu da, sie zu wiederlegen. Und widerlegen kann man sie nur, wenn man weiter ausprobiert und testet!
    Liebste Susanne - sei weiter auf dem Weg - auf Deinem Weg. Ich glaube, es gibt eben nicht den gemeinsamen Weg der Herde, sondern auch einen holprigen steinigen abseits der Herde - vielleicht mit ein paar mehr Gefahren als in der Herde, aber mit deutlich mehr Abenteuern und neuen Erfahrungen...

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  4. Liebe Susanne,

    dein Adventskalender ist so schön und dein weg zur Krippe wundervoll dargestellt!
    Ich könnte das alles nicht so in Worte fassen.

    Liebste Grüße Conni

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