Freitag, 3. Dezember 2010

Drei!

Noch weit weg, noch ohne Ahnung von dem, was auf sie zukommt, treffen wir Maria, vielleicht zu einem Plausch.


Maria ist für mich die zentrale Person in der Weihnachtszeit. Auch wenn ich Figuren für die Krippe erarbeite steht sie immer am Anfang. Nach ihr richtet sich alles. Die Farben, die Größen, der Ausdruck und die Ausstattung der übrigen Figuren. Alle werden letztendlich nur der Rahmen sein für diese junge, starke Frau.
Ich weiß, das klingt merkwürdig, denn eigentlich geht es um Jesu Ankunft - um seine Geburt. Doch dieses - nach der Überlieferung - sehr junge Mädchen hat eine große Ausstrahlung und Präsenz. Sie ist. Und sie ist Frau. Ohne sie gäbe es kaum eine Weihnachtsgeschichte. Sie schleppt sich hochschwanger nach Betlehem, einer ungewissen Zukunft entgegen. Einzig gewiss ist, dass eine großartige und gefährliche Aufgabe auf sie wartet. Sie wird einem Kind das Leben schenken.  Was auch immer in ihr vorging, sie stellt sich hin und trägt die süße Last. Sie murrt nicht, sie klagt nicht - sie ist einfach. Das Leben war früher sicherlich viel anstrengender und gefährlicher als wir uns das heute vorstellen können. Und dennoch geht sie Vertrauen in die Zukunft.
Ich wüsste gerne, was ihre Freundinnen über sie dachten, wüsste so gerne, wie sie aufgewachsen ist, was ihr wichtig war und worüber sie lachen konnte. In der Weihnachtsgeschichte ist sie ein - sicherlich verehrtes - Gefäß. Sie trägt den Gottessohn. Aber sie war eben auch eine Frau. Sie war ein Geschöpf, dass Liebe zu geben vermochte, Leben schenken konnte, Fürsorge walten ließ, Tapferkeit besaß und bestimmt auch den Haushalt versorgte. Sie wollte sicherlich nie eine Heilige sein und wurde es doch.
Es hat sie niemand gefragt, ob sie das alles gewollt hat. Und doch hat sie ihr Schicksal angenommen. Sie war sicherlich ein ganz außerordentlicher Mensch und eine starke Frau.
Wenn ich eine Maria forme, dann gehen mir die vielen Frauen durch den Kopf, die niemand fragt, ob sie eine Ehe wollen, die niemand fragt, ob sie ihre Söhne wirklich dem Krieg in den Schlund stopfen wollen, die nie ein Mensch fragt, ob ihnen die Arbeit zu schwer wird - und die doch durch ihr Leben mit Würde und Kraft gehen, Schicksalschläge annehmen und dennoch ja zum Leben sagen.
Ich bin dann immer voller Bewunderung.
Vielleicht kann die Weihnachtszeit auch eine Zeit sein, in der wir uns auf Mütter und Töchter, Schwestern und Freundinnen besinnen. In uns allen wohnt ein wenig der Geist von Maria. Da bin ich mir sicher.

Welche der beiden Figuren ist in Euren Augen "eure" Maria? Ich würde euch gerne entscheiden lassen, welche der beiden ab morgen den Weg nach Betlehem gehen wird. Habt ihr Lust mir das zu schreiben?

Kommentare:

  1. Ach Susanne.....ich lese seit drei Tagen völlig gebannt deine Worte und ich hab mir diese Beiden sehr lang angesehen.
    Ich möchte entgegen meiner ersten Eingebung die rechte deiner Frauen als Maria.
    Dieses tiefe, warme Rot unter dem dunklen Umhang.
    Dieses Rot, das auch steht für Leidenschaft. Darf man dieses Wort im Zusammenhang mit Maria überhaupt gebrauchen? Doch, denn sie war auch Frau! Und, ich denke, sie hat ihr Leben auch damit gelebt - denn sie war eine starke Frau und um ihr Leben zu leben, brauchte sie Tiefe, Wärme und auch Leidenschaft.

    In Gedanken
    Birgit

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  2. Liebste Susanne,
    für mich ist es ohne zu zögern und ganz spontan, die linke.Mein Blick blieb sofort an ihr haften ;o),nachdem ich mich satt gesehen habe wanderte er weiter, aber schnell wieder zurück ;o).Ich kann dir nicht genau sagen warum, aber für mich hat sie eine Wahnsinns-Ausstrahlung ;o)!Ich drücke dich feste,Petie ♥

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  3. Ach Susanne, so schöne Gedanken, so schöne Figuren!

    Ich musste echt lange überlegen :-)
    die Konditionierung des katholischen Kindes in mir wollte so spontan sagen: die Blaue, die rechte.
    Aber wenn ich mir deine Schilderung durchlese, Marias Stärke, ihre Jugend, Ihre Kraft - dazu gehört in meinen Augen eine gesunde Portion Lebensfreude, Humor - es muss für mich die lilafarbene werden (auch wenn der verkappte Textilingenieur in mir rebelliert, dass diese Farbstoffe damals in dieser Gegend eher unwahrscheinlich waren). Aber dennoch: hätte Maria lila und pink tragen können - ich bin sicher, sie hätte es getan!

    Danke für das schöne Törchen, ich freu mich jeden Abend drauf!

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  4. Wunderschön sind beide geworden!!
    Aber die rechte ist doch etwas mehr "meine" Maria. Genau so habe ich gestern übrigend auch über unsere diesjährige Krippen-Maria nachgedacht...
    Ganz liebe Grüße aus Berlin

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  5. Liebe Wollwerkerin,
    für mich ist es die Figur mit der Schale, und ich kann gar nicht genau erklären weshalb. Vielleicht liegt es am dunkelbauen Mantel... vielleicht an der Schale...
    Doch ich denke es liegt an der Farbfgestaltung, sie ist einfach erdiger.
    Sehr schön sind sie beide!
    Lieben Gruß
    Silke

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  6. Liebe Susanne,
    sofort und auf den ersten Blick die linke Figur. Sie trägt einen lilafarbenen Umhang, ist insgesamt ein bißchen farbenfroher. Und Maria war bestimmt ein bißchen anders als andere Frauen, vor allem aber (für mich) lebensfroh. Nicht umsonst wurde sie ausgewählt.
    Aber nun was anderes: Woher kommt der Schnee in Deinem Blog? Als "Sternchensüchtige" würd ich den auch gern haben. Verrätst Du mir wieder, wie mans macht?
    GGLG
    Bine

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  7. Liebe Susanne,
    du merkst schon, ich bin in diesem Jahr eine untreue Adventskalendertomate ;o). Ich glaube, eine tägliche Begleitung werde ich diesmal nicht schaffen, obwohl mich deine Idee und deine Gedanken wieder sehr beeindrucken!!!
    Gefreut habe ich mich über den Stall, denn wir haben genau den gleichen, allerdings findet bei uns so nach und nach die Ostheimer-Familie darin Platz. Ich brauche nicht extra zu betonen, dass mir deine Wollwerker-Familie viel besser gefällt und damit zu deiner Anfrage: Auch ich tendiere zu der Maria mit dunkelblauem Mantel und Schale. Warum? Keine Ahnung, ein Bauchgefühl eben ;o).
    Ganz liebe Adventsgrüße und danke für deine Mühe
    Petra

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  8. Liebe Susanne,
    "meine" Maria ist eindeutig die Linke. Sie wirkt auf mich mit den etwas hellern Farben einfach freundlicher. Die rechte ist in meinen Augen zu dunkel..
    Oh je, Susanne, das wird nicht leicht für Dich zum Entscheiden :-)! Interessant, wie jede(r) seine ganz eigene Meinung zu den beiden Frauen entwickelt! Aber egal, für welche Maria Du Dich entscheidest, ich freue mich auf Deine nächsten Beiträge!
    Viele Grüße und einen schönen 2. Advent Claudia

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  9. Liebe Susanne,
    wenn ich mir die beiden Frauen so ansehe, könnte sicher jede eine Maria darstellen. Meist wird Maria ja mit einem blauen Umhang dargestellt, aber Deine Darstellung mit dem Lila, fast ins Magenta schimmernde Umhang spricht mich besonders an. Magenta ist schlicht weg die Schutzfarbe und Maria war doch auch gut beschützt.
    Alles Liebe,sei auch Du gut beschützt
    Claudia

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