Mittwoch, 8. Dezember 2010

Acht!

Das kleine Schaf hat sich ins Bild gemogelt, es ist noch gar nicht dran. Aber es dachte, so grau wie es ist, es fällt mir nicht ins Auge und darf bleiben. So was fotosüchtiges.
Steine liegen heute da im Weg. Sie liegen jedes Jahr auf dem Weg zur Krippe. Steine sind so irdisch, überall finden wir sie. Ausgelößt aus der Erdkruste, losgelößt vom Gesteinsverbund, abgebrochen, ausgewaschen, von eisigen Gletschern abgerundet, von den Flüssen herumgeschubst, vom Wind bearbeitet - und irgendwann liegen sie in unserem Blickfeld. Ich gebe es zu, ich sammle Steine. Runde und kantige, graue, weiße, gestreifte und braune - ich hab auch schon welche gefilzt, so schön finde ich sie. Ich mag es wenn sie sich von der Sonne erwärmen lassen oder im Wasser glänzen. Sie haben etwas ursprüngliches und künden von der unbändigen Kraft der Erde.
Auf dem Weg zur Krippe sind Maria und Josef sicherlich an tausenden Steinen vorbei gekommen, vielleicht sogar über einen Stein gestolpert. Spitze Steine bohrten sich in den Fuß, machten den Weg beschwerlich.
Steine stehen in der Sprache oft als Sinnbild für Härte oder Beständigkeit. Für Schwere oder für Stabilität. Wer ein Herz aus Stein hat, dem kommt nichts nahe, er hat kein Mitleid. Wer wie ein Stein schläft, den weckt so schnell nichts. Wo der steinerne Grund fehlt, da baut man sein Haus auf Sand - und das ist bekanntlich nicht sehr stabil.
Was ich unglaublich finde, ist der Weg, den jeder Stein nimmt. Auch wenn ich denke, er sei für die Ewigkeit gemacht, er wird irgendwann seine harte Kruste aufgeben, abgeben und zu Erde werden. Er bietet Pflanzen Halt und spendet seine Mineralien für uns und alle anderen Lebewesen. Man kann Stein nicht essen - nicht einfach so - aber alles was Substanz hat braucht Mineralien. Also sind wir mit ihm verbunden mit dem Stein und mit der Erde. Am Himmel die Sterne und unter unseren Füßen der Erde Stein. Ein gutes, stabiles Weltenzelt, in dem sich jedes Menschenkind wiederfindet, und eben auch Maria und Josef auf die Krippe zubewegen.
Der Stein ist, er macht nicht, mit ihm wird gemacht. Die Sonne, der Wind, das Wasser, Lebewesen aller Art machen mit dem Stein etwas und er ist geduldig, machtlos und scheinbar leblos.
Aber eben nur scheinbar.
Manchmal wollt ich, ich hätte die Geduld und die Kraft des Steins. 
Ich glaube, der kleine Knabe, den Maria in sich trägt, der hatte was von dieser Geduld und dieser Kraft, vielleicht auch, weil sein Weg so steinig war!

Kommentare:

  1. Liebe Susanne,
    Dein Schäfchen hat sich aber gut getarnt! Zwischen all den Steinen sieht man es fast gar nicht. In meinem Garten gibt es auch viele Steine. Die meisten meiner Kräuter haben ein Namensschild aus Stein mit Beschriftung, mein Hexenbeet hat eine Umrandung aus Stein und dank eines Freundes habe ich zwischenzeitlich sogar einen kleinen Steinkreis in meinem Garten. Und ich finde Steine als etwas sehr Schmückendes. Aus unserem Urlaub auf Usedom haben wir so viele Steine (meist Feuersteine für den Herrn Gemahl) mitgebracht, dass ich schon befürchtete, unser Kofferraum schleift nun auf der Straße. Ging aber grad noch ;-).
    A guats Nächtle
    Bine

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  2. vielleicht ist ein Stein deswegen so faszinierend, weil er so unendlich scheint, abgebrochen vielleicht von einem hohen Berg, entstanden durch unglaublich hohe Druckkräfte aus dem Erdinneren.. wer weiß... und wenn wir uns darin sehen... sind wir nicht irgendwann so vergänglich geworden, dass aus unserer Materie auch wieder ein Stein werden könnte?
    In Abermillionen Jahren?
    Der Weg nach Golgatha war steinig, sehr sogar, aber er ist noch weit weg... und die Könige aus dem Morgenland brachten zu allererst Edelsteine, glänzende Vertreter der harten Brocken, mit denen Jesus sich später auseinandersetzen mußte!
    Genießen wir den Glanz dieser "edel"-Steine, die wir bald sehen dürfen, die grauen Alltagskiesel kommen wieder früh genug!!!;o)))
    Nachdenkliche Grüße, cornelia

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