Donnerstag, 8. Juli 2010

Sommerferien

 Es ist schon ein merkwürdiges Gefühl, dass zumindest ein Teil der Familie nicht mehr um 6 Uhr aufstehen muss, dass die Schulinsel nun mental ganz weit weg ist und die Töchter den Kopf frei haben für so vieles, was sonst immer zu kurz kommt.
Ich bin noch nicht ganz angekommen in dieser Freiheit, jedenfalls innerlich noch nicht. Noch treiben mich Nacharbeiten und "allerletzte" Termine aus dem Bett und aus dem Haus. Noch ist der Badesee nur ein Ort meiner Sehnsucht.
Meine Beiden sind noch völlig schlapp, auch wenn sie heute lange schlafen konnten, der Powerrun der letzten Wochen sitzt den Mädchen noch in den Knochen. Es wird mir ewig ein Rätsel bleiben, warum gerade zum Ende eines Schuljahres alle noch einmal so aufdrehen. Für kaum eine Berufsgruppe gibt es so viele spezifische Planungshilfen, so viele Kalender und Rahmungen, wie für Lehrer. Kaum etwas ist so vorherseh- und planbar wie Schuljahre. Und doch kommen die jährlichen Abschlussprüfungen immer so überraschend, das Abitur frist den halben Lehrkörper weg und wenn das alles überstanden ist, fällt einigen offensichtlich auf, dass da noch andere Menschlein herum laufen, denen man in letzter Minute noch die Hölle heiß machen kann. Das Ergebnis ist ganz einfach beschrieben: Alle sind genervt, stöhnen, sind erschöpft und ausgelaugt, alle brauchen Ferien!
Ich will ja nicht behaupten, dass Schule zu organisieren ein einfacher Job ist. Ich will auch nicht behaupten, dass die politischen Herumspielereien an unserem Bildungsalltag das Leben in und um die Schule leichter machen - ganz im Gegenteil. Ich verstehe auch, dass es nicht immer leicht ist, mit den Kindern zu arbeiten, sie wach zu halten, sie wissenshungrig zu machen. Ich weiß auch um die täglichen Kraftakte, die Schulprofis investieren müssen.
Und doch fällt mir auf, dass es Menschen im Lehrbetrieb gibt, die ihre Stukturen positiv gestalten und trotz Leistungsdruck eine gewisse Leichtigkeit ins Leben tragen.
Von der Sorte Mensch wünsche ich den Kindern dieser Welt einfach mehr. Dann wären Sommerferien eine fröhliche Zeit, in der alle Inspirationen sammeln könnten, sich außerhalb der Institution Schule entfalten könnten und ganz entspannt auf neue Herausforderungen zugehen würden.
So ist leider die erste Zeit, eine Zeit der Verdrängung und des "Erholens" und die letzten beiden Ferienwochen dienen dem "sich Verrücktmachen" vor allem, was alles auf einen zukommt. In Frankreich gibt es eine Unmenge an Schulstoff-Nacharbeitungs - und Vorbereitungsheftchen - sogar im Supermarkt kann man sie kaufen - alles für das "Rentrée"! Schon während der Ferien müssen/ sollen die Kinder weiter lernen, nachlernen, vorlernen, wiederholen, Vorsprung erarbeiten.
Wir sind hier auch bald so weit! Bei dieser Vorstellung gruselt es mich leicht. Denn Bildung ist nicht eine Frage nur des Schulstoffes - da bin ich mir ganz sicher.
Aber dazu dieser Tage mehr.
Jetzt lassen wir es uns erst einmal gut ergehen und bilden uns auf andere Weise!
Euch lade ich in den nächsten Tagen ein, mit mir zu diskutieren über Leben, lernen und Leben lernen - aber natürlich nur, wenn Ihr wollt :-)))

Kommentare:

  1. Ach Susanne - Du sprichst mir so sehr aus dem Herzen. Habe ich auch mit meinen Kindern Probleme wegen der Schulen, die immer meinen, daß es das wichtigste wäre, den Lehrplan genau einzuhalten und nicht die Möglichkeiten sehen, für die Kinder mal abzuweichen.... Manchmal blitzen dann Sternchen am Lehrerhimmel auf. Vielleicht haben sie die Umstellung im Lehrberuf noch nicht hinbekommen. Es fordert Flexibilität - Kreativität und Organisationstalent. Früher saßen alle Kinder brav auf den Stühlen - heute müssen sie schon etwas mehr aufbringen, als nur leise Schüler vor sich zu haben.....
    Ich hoffe, daß ihr die Ferien genießen könnt. Wir haben auch ab nächster Woche endlich Ferien ( zumindest meine Kinder - ich noch nicht....)
    Liebe Grüße Tinki

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  2. Herzlichen Dank, liebste Susanne, für die Einladung - hört sich spannend an ;o)!Mal schauen, ob mein Ferienkopf ingange kommt, denn morgen ist mein letzter Arbeitstag ;o).
    Ja, Einiges könnte viel einfacher sein...hach, ich wünsche euch einfach die weltallerschönsten Ferien!Super Sonnenwetter und gaaaanz viel Raum zum chillen und abschalten!Ich drücke dich!Weltallerliebste Grüße, Petie ♥

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  3. Du hast so Recht! Mein Sohn kommt nun in die 11 Klasse und kann z.B gar kein Hobby mehr haben. Hier in Niedersachsen (Osnabrück) wurde die Ganztagsschule eingeführt. Das heisst, er steht um 6 Uhr auf und kommt abends gegen 17 Uhr nach Hause. Diese Orgination halte ich für völlig schwachsinnig. Kein Wunder das die Schüler genervt und abgespannt sind....

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  4. Wir (meine Jungs) sind hier in BaWü gerade in der Zielgeraden - Arbeiten, Kurztests, Referate, Präsentationen, noch schnell ein Wandertag, Bundesjugendspiele bei 28 Grand im Schatten (Sportplatz hat kein Fleckchen Sonne, Cooper Test. Mehrere Schüler erlitten einen Kreislaufcollaps, ein Diabetiker Kind im Krankenhaus,...
    Organisation Schule
    Es wird immer schlimmer statt besser.
    Froh bin ich, dass wir (noch) keine verpflichtende Ganztagschule haben.
    Ermattete Grüße Silvia

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  5. Falls es ein trost ist:
    Die meisten wirklich wichtigen Lehr-Erfahrungen finden trotz Schule statt :)
    Stellt euch mal vor, die Kiddis würden in der schule laufenlernen...
    Dann hätten wir bestimmt viele Abiturienten mit Rollator.... LG Elke!!

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