Freitag, 19. März 2010

wie ein Ei dem anderen...

gleichen sich so manche Dinge, manchmal sind sie nur ähnlich und doch bemerkt man den Versuch, bei dem  sich da jemand auf einen bereits fahrenden Erfolgszug aufschwingen will - und ist ziemlich verärgert. Ich rede von so genannten Kopien und berühre damit ein Thema, welches uns ganz häufig durchschüttelt, erzürnt, verletzt oder traurig macht.  Es ist so alt wie die Menschheit - eigentlich noch viel älter - und kann uns - in der einen oder anderen Form - immer wieder auf die Palme bringen. In den letzten Tagen taucht es wieder vermehrt auf - vielleicht weil wir wacher werden, vielleicht liegt es an der geballten Konsumoffensive zu Ostern - keine Ahnung.
Seit vielen Jahren mach ich mir Gedanken dazu, immer wieder aus den unterschiedlichsten Gesichtspunkten heraus - denn es betrifft mich, uns, die Gesellschaft.
Da werden Zeitungsartikel abgeschrieben, da wird eine Form kopiert, Filme, Bücher, Medikamente und vieles mehr wird ähnlich oder gleich her- oder aufgestellt - und je nach Stimmungslage und Ausgangspunkt der Betrachtung applaudieren wir oder sind weniger begeistert. Manche Nachahmung wird gar wieder selbst zur Kunstform hochstilisiert. Andererseits rufen wir nach Schutz des Originals und merken dann, dass auch dieser Schutz weit über die ursprünglich gedachten Grenzen hinaus missbraucht werden kann. Ist ein Alltagswort, in einen neuen Kontext gestellt, sofort schützenswertes Original? Wer bestimmt was Original ist, wo der Ursprung liegt?

Ich versuche mir in letzter Zeit immer wieder klar zu machen, dass diese "Erscheinungen" etwas mit unserer Konsumgesellschaft an sich zu tun haben. Meine liebste Mama hat sich schon vor vielen Jahren - lange vor der "China-Invasion" über manche Billigkopien aufgeregt, die bei einem bekannten Kaffeeröster im Regal auftauchten. Ich frage mich schon lange, warum ein Auto aus Japan so aussehen muss, wie eines aus Stuttgart. Ich kann nicht verstehen, warum Menschen Uhren kaufen, die teure Markenuhren kopieren. Ich hab letztens Filzhasen gesehen für 2,40 Euro, die einfach auf Styroporkugeln genadelt waren - massenhaft lagen sie da - sie waren nicht wirklich schön, aber sie wurden verkauft.
 Ich fürchte, man wird diesem Thema immer nur unzureichend gerecht, egal wie man es anstellt, der eine oder andere Aspekt kommt zu kurz! Wenn ich die so genannte Generika betrachte, finden wir das Kopieren nur fair und gerecht, rechtlich abgesichert - sogar absolut richtig für unsere Gesundheitspolitik. Solange uns eine Kopie, ein nachgeahmtes Produkt nicht als Original verkauft wird, ist in der Regel ja noch nicht einmal ein juristische Problem entstanden - vor allem, wenn dieses Produkt auch noch weit von zu Hause entfernt gekauft wurde. Ein Bekannter läuft mit einer Rolex umher, die von einem Basar stammt - weit, weit weg! Und er freut sich immer diebisch, wenn Menschen ihn auf diese "tolle" Uhr ansprechen. Ich finde das traurig, aber die Konsumwelt funktioniert leider so.
In der Regel ist es zunächst durchaus mit Anstrengung verbunden, etwas ähnliches herzustellen. Aber manchmal wird es den Kopierern auch schrecklich einfach gemacht. Wenn man mit Anleitungsbüchern und der Herstellung des entsprechenden Zubehörs Geld verdient, wird es den Produzenten von Massenware extrem leicht gemacht - und nicht nur denen. Es trifft nicht nur Menschen, wie Tonne Finnanger, es trifft viele andere auch. Es trifft uns alle, die wir Wissen und Fertigkeiten weiter geben. Ich verstehe den Unmut, aber all diese offensichtlichen Produktnachahmungen sind nur die Spitze eines Konsumeisberges, an dem wir alle irgendwie mitwirken - sei es nun als Konsument oder als Hersteller. Ich weiß zum Beispiel von Waschmaschinen deutscher Hersteller, die baugleich, mit leicht veränderter Fassade unter anderem Namen sehr viel preiswerter angeboten werden als das so genannte Markenprodukt. Woher soll der Kunde den Unterschied zu den Billigimporten kennen? Es ist ein extrem schwieriges Feld auf dem sich die Konsumgesellschaft da bewegt. Schaut Euch die "Landverliebten Zeitschriften" an, die sich da seit Kurzem gegenseitig kopieren und mit Preisdumping auf den Markt drängen - ich hab sie gekauft - und weiß doch um die Dreistigkeit.
Jeder, der handwerklich oder künstlerisch tätig ist, wird mit jedem Stück Originalität beweisen müssen - sonst hat er wenig Schutz. Sobald Dinge wiederholbar werden sind sie gefährdet. So betrachtet ist fast nichts, was ein Mensch erzeugen kann vor Nachahmern geschützt!  Es mag unfair sein, ungerecht, es mag den Urerzeuger noch so kränken, es ist nicht ganz auszuschließen. Nur so am Rande - auch Goethes Faust ist eigentlich eine Nachahmung. Ich will hier nicht bagatellisieren, ich will nichts beschönigen, aber wir werden dem Thema nicht gerecht, wenn wir so tun, als ob es nur einen Aspekt gäbe.
Versteht mich nicht falsch, aber es ist schon eine Überlegung wert, wenn eine Holzbürste aus einem Handwerksbetrieb 25 Euro kosten soll und eine maschinell gefertigte mit nur 5 Euro die Haushaltskasse belastet. In den letzten Tage konnte man auf dem einen oder anderen Blog wunderschön bemalte oder gestaltete Ostereier bewundern, die zum Teil auch käuflich zu erwerben waren. Ich habe sie mit Freuden betrachtet. An einem der darauf folgenden Tage "liefen" mir in einem Bastelzubehörladen Eier über den Weg, die massenhaft gleich aussahen, zum Teil aus Kunststoff - und die werden auch gekauft. Viele von uns hier tun es vielleicht nicht, doch viele andere bedienen den Markt, in dem sie solche Massenprodukte kaufen - auch weil sie sich gar keine Gedanken machen, wie Preise zu Stande kommen, woher und unter welchen Bedingungen Produkte entstehen. Ich kann es den Menschen wirklich nicht verübeln, dass sie nicht hinter jede Fassade schauen wollen. Wir leben in einer Gesellschaft, in der Teilhabe oft über die Möglichkeit zum Konsum definiert wird. Nein, ich werde jetzt nicht näher darauf eingehen, dass Kultur, Bildung, ja sogar Partnersuche mittlerweile eher Konsumprodukte geworden sind. Dazu könnte ich dann noch einmal 100 Zeilen schreiben - und noch mehr. Wer noch niemals ein günstigeres Produkt als das so genannte Original erworben hat, der darf stolz auf sich sein - ich kann das nicht von mir behaupten. Ich kann und will Schuhe, die über 200 Euro kosten, nicht kaufen. Und dennoch kaufe ich Schuhe, die der "Mode" folgen - also ähnlich den Trendsettern sind.
Ich fürchte, ich könnte diese Liste noch endlos weiter führen - lasst uns einfach gelassen bleiben und nach Möglichkeit origineller sein als der Massenmarkt. Alles andere verdirbt nur die Stimmung und beeinträchtigt die eigene Kreativität - denn es bindet unnütz Energie.
Kommt gut in ein erholsames und kreatives Wochenende!

Kommentare:

  1. ...da hast du ganz Recht, es blockiert das Herz, den Kopf, die Hände.
    Und doch kann man es nie ganz ausschließen, dass man je wieder ärgert, zumindest nicht, wenn man mit Herzblut bei der Sache ist.
    Aber brauchen die meisten Vulkane nach einem Ausbruch nicht auch wieder ein Weilchen, um Kräfte zu sammeln, bevor sie wieder ausbrechen ;o))

    Ich wünsche dir und deinen Lieben ein
    wunderbarstes Wochenende
    Mit allerliebsten fraeuleins-Grüßen
    Yvonne

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  2. Ein heikles, aber wichtiges Thema...und beide Seiten zu betrachten, finde ich schon richtig.
    Ob immer eine böse Absicht dahinter steckt, wenn kopiert wird, wage ich zu bezweifeln.
    Jeder ahmt ja irgendwas nach, ob einen Modetrend, Einrichtungsideen, Gartengestaltung...Sportarten, die plötzlich boomen, Musikrichtungen, selbst In-Kneipen haben wir. Und das alles funktioniert doch nur, weil wir es irgendwelchen Trendsettern nachmachen...
    Wenn einer damit Geld verdienen will und auch noch die günstigere Herstellungsart kennt,dann sieht es schnell anders aus.
    Aber auch teure Originale können heute billigst hergestellt sein...
    Wissen wir auch nicht immer, nur, das politisch korrekt zu sein, heute echt schwer ist!!!

    Auch dir ein schönes sonniges WE
    Peggy

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  3. Recht haste. Aber nicht immer leicht, wenn allerorts viel zu lange "Geiz ist geil!" gepredigt wurde.

    Super Post!

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  4. Liebe Susanne,
    ich stimme dir so zu, das Thema ist unerschöpflich und man könnte seitenweise dazu schreiben.
    Auch wir alle, die wir Waschmittel und anderes beim Discounter kaufen, "unterstützen" diese Sachen, aber wer kann sich in den heutigen Zeiten die Originale leisten?
    Für mich ist es nicht immer mit meiner Vernunft zu vereinbaren, überteuerte Originale zu kaufen, deren Hersteller Millionengagen für teure Werbung mit Promis ausgeben und sich mit ihren überteuerten Produkten (die sie aber billig in China produzieren lassen) selbst einen sehr gehobenen Lebensstil ermöglichen....... da kaufe ich u.U auch die billigere Variante.

    Markenfetischismus war noch nie mein Ding!!

    Es wird diesbezüglich keine Lösung geben, und der einzelne Käufer entscheidet, ob er ein mit Liebe hergestlltes Produkt kaufen möchte (wie einen Tildahasen, aus einigermaßen verträglichem Stoff) oder die Billigkopie aus Fernost, die durch chemische Bedampfung im Übeseekontainer die tickende Zeitbombe im Kinderzimmer darstellt.

    Letztendlich trägt jeder die Verantwortung selbst, einfacher wird es auch in der Zukunft nicht!!!

    Danke dir für deine analytische Darstellung!!Liebste Grüße, cornelia

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  5. Oh Jammer,Jammer,Jammer...ich gebe auf ;o)!Ich habe hier zu diesem Thema heute schon ungefähr soooooooooo endlos geschrieben, Romane waren es !Und gelöscht, beherzt nochmals versucht und gelöscht und wenn ich jetzt nicht aufpasse fange ich wieder so an ;o)!Also ganz kurz :
    Ich finde dieses Thema so unendlich vielfältig, es gibt soviele unendliche Aspekte.Es besteht für mich einfach nicht nur aus Schwarz und Weiss!In diesem Thema tummeln sich soooo unendlich viele Grautöne.Da fängt man zu denken an und kommt von 100stel ins 1000stel.Ja und ich könnte jetzt auch schon wieder vom 100stel ins 1000stel kommen ;o),puhh. Und da ich euch nicht langweilen möchte und ich heute abend doch auch noch was anderes machen möchte, höre ich jetzt einfach auf ;o)!Die allerliebsten Grüße, liebste Susanne,Petie ♥

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  6. Danke dir, liebe Susanne, für deine tiefgreifenden Gedanken!

    Der Käufer hat die Wahl entweder billig Produziertes zu kaufen oder aber, wie du selber schreibst, Unikate mit sehr viel Liebe und Hingabe hergestellt. Und wo eine Wertschätzung ist, da gibt man auch gerne mehr aus.

    Ich persönlich bin der Meinung, dass es kein geistiges Eigentum gibt, von daher darf kopiert werden. Trotzdem hat auch jede Kopie wieder eine andere Ausstrahlung und unterscheidet sich somit wieder vom Original. Wer also genau hinschaut, der sieht auch den Unterschied.

    Etwas kann perfekt nachgeahmt sein, ist aber ohne Inhalt und wirkt leblos... Wem das genügt, bitte!

    Auch dir wünsche ich ein schönes Wochenende und weiterhin viel Freude am kreativen (Er-)Schaffen <;o)

    Herzliche Grüsse, Vilma

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  7. Ja, ich male ja, und ich weiß, daß es auf der anderen Seite einen eigenen Berufszweig gibt, der kontrolliert, daß niemand das Copyright verletzt. Diese Leute haben nichts anderes zu tun, als zu schauen.
    Aufzupassen und gegebenfalls zuzuschlagen.
    Wir Maler sind da sehr auf der Hut und beachten dies, meines Wissens, sehr.

    Das wollte ich nur als Aspekt einwerfen.
    Ansonsten gebe ich Dir recht.

    Lg von Luna

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  8. Liebe Suanne,

    ich mag deine ellenlangen Berichte deines geistigen Eigentums und vermutlich finden das ganz viele sooo klasse und würden gern, können aber nicht :-) Ich wohl auch nicht, da ich eine ganz andere Art habe, mich auszudrücken ...

    Deine Überlegungen und auch die Kommentare ... ihr alle habt ein Stück recht. Habe mir noch ehrlich gesagt keine Gedanken gemacht, OB der Slogan "Geiz ist geil" die Kundschaft nicht nur in den eigenen Laden lockt, sondern SO! um sich greift, dass er schon fast an gewissen Wirtschaftsschäden schuld sein könnte!?

    Ich tänzel da immer gern in der Mitte - es gibt viele Orginale, die vom Plagiat nie erreicht werden und es gibt Plagiate, die besser als das Orginal sind!

    Nachhaltig nehme ich noch den Satz von Zwergenwelt-Conny mit: ... oder die Billigkopie aus Fernost, die durch chemische Bedampfung im Übeseekontainer die tickende Zeitbombe im Kinderzimmer darstellt.

    ...ich darf da nicht weiter denken, weil ich sonst Wut entwickeln könnte! Da steckt doch eine Lobby dahinter!
    Man brauch nur darüber nachzudenken, WER davon profitiert, wenn die Menschen durch schadstoffreiche Gegenstände krank werden ...
    Und das alles billigend in Kauf zu nehmen, kann nicht aus einem guten Geist kommen.

    ...ich hör jetzt auf ... habe genug neues Temprament für weitere Gartenarbeit gesammel;-)

    Ich drück dich und freue mich auf weitere Gedanken von Dir, herzlichst Anette

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  9. Ein vielfältiges und interessantes Thema. Ich nehme mich bei solchen Themen eigentlich gerne zurück, da ich nicht klar Position beziehen kann. Ich denke, genau wie du es in deinem Text formuliert hast, je nach Ausgangspunkt der Betrachtung wird applaudiert oder sich geärgert. Ich kann daher auch weder verurteilen noch Lobeshymnen singen. Fast ein jeder weiß beim Kauf eines Produktes, was er da tut. Und auch dem Produzenten sollte klar sein, dass seine Kreation, sobald sie auf dem Markt ist, Nachahmer finden kann.
    Es gibt viele Menschen, die sich, obwohl sie nur einen kleinen Geldbeutel haben, auch gerne an hübschen Dingen erfreuen würden. Die nehmen dann halt die minderwertige Qualität in Kauf und erfreuen sich dennoch an ihrem Neuerwerb.
    Verurteilen kann ich das nicht.
    Andere investieren unglaublich viel Zeit, Kraft, Engagement usw., um etwas Einzigartiges zu schaffen. Diejenigen ärgern sich natürlich, wenn ihr Werk dann in der Fabrik zur Massenware wird. Auch verständlich.
    Ich schließe mit dem Auszug eines Songs von Pur:
    Es ist wie es ist
    Du bist was Du bist
    Du lebst mit den Freuden
    Und lebst mit den Leiden
    Ob bitter ob süß
    Was immer Du fühlst
    Das hier ist Dein Leben
    Und Du kannst entscheiden
    Ob Du ohnmächtig alles erträgst
    Oder all Deine Chancen abwägst
    Es ist wie es ist

    Ganz herzliche, individuelle Grüße
    Petra

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  10. Liebe Susanne! :)
    Was mich an diesem Konsum-Wahn ärgert, ist die "Geiz ist geil" Mentalität, die manche über alle anderen Dinge stellen, es zum Sport erheben und sich dann noch damit brüsten, wenn sie auch auf einem Kunsthandwerkermarkt feilschen wie auf dem Gebrauchtwagenmarkt.
    Aber das funktioniert nur, für Produkte, die sich ähneln... Da versuche ich mich von der Masse abzuheben, und irgendwie setzt sich auch der "Schaffensfunke" durch, das Teil, das man gerade teuer auszeichnet, weil man sih an sich noch nicht trennen möchte, ist doch oft als erstes vom Tischchen verschwunden.
    Und was solche Plagiate angeht...
    Schon unsere Großeltern haben gesagt, wer es sich leisten kann, soll billig kaufen...
    Es muß ein jeder selbst entscheiden, wie er mit diesem unerquicklichen Thema umgeht.
    Aber dennoch möchte ich dir jetzt ein tolles Wochenende mit deinen filzigen gesellen wünschen, denn es ist so "useliges" Wetter, das bietet sich doch an zum "kreativieren".
    *wink*!!
    (Und schön, das du dich wieder über anderes ärgern kannst :) - die Kraft der Musik, bringt ein Ton eine Saite zum schwingen, so schwingt auch die Seele...)
    Fühl dich geknuddelt von deiner Kullerqueen, meine kleine Wollmaus!!! *knuddel*

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  11. Du hast natürlich Recht! Ich denke, die geilegeiz-Welle hat wie jeder Trend einen Gegentrend,und das ist ja ganz sichtbar an Plattformen wie dawanda z.B. Zum Glück bewegen wir uns also auch in die andere Richtung-und wir sind ein Teil davon,das ist doch toll!
    Alles Liebe,ganz frohe Ostern gute Besserung Deiner besseren Hälfte ;)
    ♥♥♥
    Ela

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