Donnerstag, 31. Dezember 2009

Einen guten Rutsch...

ins Jahr 2010 wünsch ich Euch allen von Herzen!


  

Überall wo man hinsieht, gibt es nun Jahresrückblicke. Die Presse feiert ihre eigenen Glanzleistungen, aus allen Löchern werden Menschen gezerrt, die nun als "Menschen des Jahres 2009" gefeiert werden sollen.
Ich tu mich sehr schwer mit einem "Jahresrückblick". Ich weiß zwar, wieviele Stunden und Tage ich gearbeitet habe, dank meines Kalenders. Ich weiß, welchen wertvollen und besonderen Menschen ich begegnet bin, dank der Gefühle und Empfindungen, die diese Menschen bei mir ausgelöst haben. Ich habe eine Ahnung davon, was mein Handeln und Nichthandeln bewirkt hat, dank der Rückmeldungen, die ich bekomme. Und dennoch ist das kein wirklicher Rückblick. Das alles ist so gegenwärtig, so wesentlich für jeden neuen Tag. Unsere Erinnerungen sind Teil unseres Selbst. Und so wirkt auch jede Begegnung jeden Tag bewusst oder unbewusst in mir und in die Zukunft. Meine Arbeit lässt mich mit Menschen unterschiedlichster Qualitäten und Stärken zusammen kommen, konfrontiert mich mit möglichen und unmöglichen Anforderungen und lässt mich vor allem wachsen.
Und genau so erging es mir hier. Seit ich vor knapp einem Jahr diesen Blog eröffnet habe, sind mir die verschiedensten Menschen mit ihren bewundernswerten Fähigkeiten und ihren besonderen Eigenschaften begegnet. Ich habe Freude und Zustimmung beobachtet, habe positive und nachdenkliche Rückmeldungen erhalten, hab erlebt, wie auch hier Zorn und Missgunst ihr Unwesen treiben können, wie hinter den Kulissen der Intrige kaum Grenzen gesetzt sind. Doch ich habe auch erleben dürfen, wieviel Kraft und Mut in uns allen wohnt. All das wird sich durch den Jahreswechsel nicht verändern. Denn das Leben sind wir, nicht die Medienfiguren, die Kraft wohnt in jedem von uns - niemals in den Retterfiguren, gleich welcher Couleur sie auch sein mögen.
Ich Danke Euch allen für jeden Kontakt, für jeden Post und ganz einfach dafür, dass ihr immer wieder aufs Neue zeigt, wieviel Wert in uns allen steckt!
Mit den letzten Altjahresgrüßen wünsch ich Euch allen ein lebendiges Silvesterfest, egal ob laut oder leise, ganz egal ob es groß oder klein, üppig oder bescheiden sein wird!
Bis im Neuen Jahr dann - also bis Morgen!

Mittwoch, 30. Dezember 2009

Schnee am See...


Zugegeben, unser Miniwinzelpützelteich ist kein See - aber es schneit so schön und es sieht so reizvoll aus. Am besten gefällt mir der kleine Mönch heute - der Schnee hat ihm eine süße Mütze auf seinen Kopf gezaubert. Heute Morgen beim Hundespaziergang hab ich ein Rudel Rehe getroffen. Es war doch sehr verblüffend - die Hunde wussten nicht wirklich, was sie nun tun sollten und die Rehe auch nicht - sie standen nur da und betrachteten uns. Ich musste so lachen und erst da sind die Rehe davon gesprungen, nur ein paar Meter und meine Hunde sind einfach weiter gelaufen, als ob das alles nur eine Einbildung gewesen wäre.
Eigentlich wollt ich Euch von meinem merkwürdigen Stimmungstief von gestern berichten, wollt etwas von dem Film erzählen, den wir uns im Kino angesehen haben - der meine Stimmung noch mehr in den Keller getrieben hat. Doch jetzt gerade sind die Eindrücke aus dem Schneeland so präsent - das andere vielleicht später!

Sonntag, 27. Dezember 2009

Tag 27





Kann man denn hier nicht einmal seine Ruhe haben? Ich finde es ja wundernett, dass die Herren nun zusammen gefunden haben. Wirklich! Aber jetzt auch noch ein Atlas. Petra hat schon versichert, dass auf den Stern Verlass ist - also bitte. Ich schlage vor, sie räumen unseren schönen Baum und begeben sich auf den Weg. Vorbei an unserem Bücherregal können sie den Stern wunderbar sehen und wir dürfen uns wieder ins Sofa sinken lassen.

Ich finde ja, solange der Weihnachtsbaum und die Krippe den Raum noch beleben, so lange ist das Fest noch nicht wirklich vorbei. Und zu diesem Weihnachtsfest haben wir auch noch Urlaub bis zum 8. Januar. Das ist Luxus pur - auch wenn die Kinder schon wieder zur Schule müssen - es bleibt Luxus. Es ist hoffentlich auch vielen von Euch vergönnt, dieses besondere Luxusgefühl.

Samstag, 26. Dezember 2009

Tag 26








Nun sind sie schon zu zweit und sie warten noch auf einen dritten Weggefährten. Gerade saßen wir gemeinsam bei Tisch, da erschien dieser reizende ältere Herr. Seit er da ist, schimpft der Erste wenigstens nicht mehr auf meinen Baum. Jetzt gerade verhandeln sie miteinander, welchen Weg sie wohl am besten einschlagen, welchen Proviant sie mitnehmen müssen und ob man sich auf den Stern verlassen kann. Also ich werde das Gefühl nicht los, dass sie noch ganz viel erleben werden miteinander, bis sie an ihr Ziel gelangen. 
Doch wir, wir werden uns jetzt in die Bücher vertiefen, die wir vom Christkind bekamen und die Herren sich selbst überlassen.
Welch eine wunderbare Zeit das doch ist. Ich hoffe sehr, es ist bei Euch ebenso!

Freitag, 25. Dezember 2009

Tag 25?









Na, so was!



Heute Abend steht dieser freundliche Herr plötzlich in unserem Weihnachtsbaum und bitte um einen kleinen Hinweis. Er hätte sich verlaufen, wäre auf der Suche nach dem Kind im Stall und außerdem würde ihm der Baum die Sicht versperren auf den Stern. Natürlich wollt ich ihm gerne helfen, aber er sagte er hätte ja noch Zeit für seinen Weg und allein wolle er ihn auch nicht gehen. Jetzt dachte ich doch, wir wären alle am Ziel - er ist es offensichtlich noch nicht - er sucht eben noch.
Gastfreundlich wie wir sind, darf er natürlich bleiben so lange er will!
Aber den Baum räume ich auf keinen Fall weg!

Donnerstag, 24. Dezember 2009

Tag 24












Nun ist es erreicht, das Ziel. Wir sind angekommen, also noch nicht ganz - aber da sind wir schon mal. Denn eigentlich ging es ja immer an diesem Tag nicht um unsere Ankunft - es ging um die Ankunft eines Kindes. Zugegeben, die Ankunft eines ganz besonderen Kindes. Heute Nacht beginnt ein neuer Weg, denn er kam auf diese Welt, um sie zu verändern, ein wenig besser zu machen und Hoffnung zu bringen.
Gerade heute wird mir wieder bewußt, dass jedes Kind geboren wird, um diese Welt ein wenig zu verändern, sie ein wenig besser zu machen. Vielleicht gelingt es uns ja, diese Botschaft an unsere Kinder weiter zu reichen. Und vielleicht erinnern wir uns dabei daran, dass auch wir Kinder waren und sind.
Ich wünsche Euch allen von Herzen ein gesegnetes Weihnachtsfest!
Mögen Wünsche sich erfüllen, möge ein Licht in jedes Herz scheinen, mögen Kraft und Mut Euch begleiten, mögen  Friede und Glück in Eure Häuser finden!
Dankbare Weihnachtsgrüße
Eure
Susanne

Mittwoch, 23. Dezember 2009

Tag 23









Seht Ihr, es ist gar nicht mehr weit. Nur noch ein paar Schritte. Das Licht im Weihnachtshaus brennt schon, die ersten Kugeln schmücken den Baum, ihr könnt schon die halb geöffnete Türe sehen - im Weihnachtshaus. Ich glaube, nach diesem langen Weg haben wir uns eine Pause verdient. Kommt, setzt Euch einen  wenig zu mir, ich würde gerne noch eine Geschichte erzählen, bevor der Weg an seinem Ziel ankommt - oder kommen wir an - oder wer?
Ach ja, ich wollte ja eine Geschichte erzählen. Ich kann gar nicht mehr sagen, wo ich sie das erste mal gehört habe - doch das ist nicht so wichtig, es ist ja nur eine Geschichte:
In ganz alten Zeiten, also noch vor damals, hatte jeder Mensch vom ersten Tag seines Lebens an immer einen kleinen Vorrat an - ich nenne sie jetzt mal Kuschelchen - bei sich. Ich weiß, es klingt kitschig, aber einen besseren Namen kenne ich nicht. Wie auch immer sie wirklich genannt wurden, es waren wahre Zauberdinger, diese Kuschelchen.  Wenn ein Freund traurig wurde, da schenkte man ihm ein Kuschelchen - und sofort ging es ihm besser. Sie waren absolut selbstlos, diese Kuschelchen, sie heilten, sie trösteten, sie nährten, sie schützten und stützten, sie trugen des anderen Last, machten ganz warm oder lächelten einfach.  Sie konnten noch mehr, viel mehr - aber das wundersamste war - niemals war jemand ohne Kuschelchen. Sie gingen einfach nie aus. Gab man eines her, bekam man bestimmt eines aus einer ganz unerwarteten Ecke.
Nun gehört in eine anständige Geschichte auch ein Bösewicht! In meiner Geschichte war es ein Zauberer, der versuchte vom Verkauf von Heil- und Liebestränken zu leben. Ihr könnt Euch sicher vorstellen, dass sein Absatz ziemlich flau war - gab es doch die Kuschelchen.
Das ärgerte ihn sehr. Nun hatte er aber eine Idee. Er fragte einfach jeden, der ihm irgendwie ein Kuschelchen schenken wollte, ob er sich das gut überlegt habe. "Bist du sicher, dass du noch genug davon hast?" sagte er. "Vielleicht geht dein Vorrat einmal zu Ende, was dann?"
Und so begannen die Menschen sehr vorsichtig zu werden, Kuschel gab es nur noch gegen vertraglich abgesicherte Rückgabe. Manche legten ihre Kuschel auf eine Bank, damit sie sicher verwahrt wären. Bald herrschte große Not im Land. Das war die große Stunde des Zauberers. Er verkaufte unendlich viele Ersatzkuschelchen. Ihr könnt euch das gar nicht vorstellen: Liebestränke, Heilsäfte, Kuschel aus Plastik, Kuschel aus Eisen, bunt bemalte und welche aus Gold und Silber.....
Dumm war nur, sie wirkten nicht lange und so brauchte man immer mehr von diesen künstlichen Kuschelchen. So ein Jammer.
Ja, und zu einer guten Geschichte gehört immer auch eine gute Fee. In unserer Geschichte hatte eine gute Fee ein Einsehen und begann den Kindern Mut zu machen, ihre angeborenen Kuschelchen wieder einfach so zu verschenken. Es dauerte eine Weile, dann fragten sich auch die Erwachsenen nicht mehr ganz so oft, ob sie mit ihren Kuschelchen haushalten sollten. Es wurde wieder heller und wärmer im Land. Der Zauberer ärgerte sich schwarz - deshalb schenkte ihm ein kleiner Junge auch eines seiner echten Kuschelchen. Ob es bei ihm gewirkt hat? Wer weiß das schon?
Ich weiß nur, dass die Geschichte ein gutes Ende hat.
Euch allen aber wünsche ich, nicht nur für heute, dass Ihr immer jemanden trefft, der seine Kuschelchen mit Euch teilen mag.
Ach, jetzt vermische ich Geschichte und Realität - ob das wohl geht?

Dienstag, 22. Dezember 2009

Tag 22



Nur noch 2 mal schlafen! Also gut, wenn wir schlafen, dann müssen wir ja nicht warten. Aber was ist mit dem Rest? Je näher der erwartete Zeitpunkt rückt, um so ungeduldiger sind wir. Also wir sind so - hier im Haus am Wald. Das Ziel haben wir vor Augen, nur noch zwei mal schlafen.
Warten ist so eine Sache. Es hat etwas mit Geduld zu tun, mit Zeit, mit Unruhe, mit Erwartung. So oft warten wir. An der Haltestelle, im Wartezimmer, auf Flughäfen, im Kreissaal, an der Kasse im Supermarkt. Hat vielleicht mal jemand ausgerechnet wieviel Zeit wir in unserem Leben warten auf jemanden oder etwas?
Kann man die Warterei etwa sinnvoll ausfüllen? Natürlich kann man das! Muss man aber nicht! Ich will die Wartezeit auf den Heiligen Abend genießen. Ich will nicht noch schnell ein paar Dinge erledigen. Ich will auf keinen Fall diesen besonderen Tag einfach so zwischen alle möglichen Termine "einschieben".
Ich weiß, niemand macht das wirklich. Und doch erwischen wir uns immer wieder dabei, da noch schnell aufzuräumen, dort noch ein paar Unterlagen sortieren, vielleicht zwischendurch noch eine Decke bügeln - und den Anruf bei der Freundin....
Ich bin sicher, dass Weihnachten auch dann rechtzeitig kommen wird, wenn wir in der Zwischenzeit nicht noch schnell "Spanisch für Anfänger" absolviert haben. Wartezeit zu ertragen bis es soweit ist, ist nicht immer leicht. Wie gut, dass es zu Jesu Zeiten keinen Dienstplan in der Geburtsklinik gab - vielleicht wär Weihnachten jetzt schon vorbei!

Montag, 21. Dezember 2009

Tag 21


Holly und Ivy ist eines meiner liebsten Weihnachtsbilderbücher. Diese zauberhafte , ganz liebevoll illustrierte Geschichte stiehlt sich gleich in jedes Kinderherz. Sie handelt von Holly, einer Puppe, Ivy, einem kleinen Waisenmädchen und vom Wünschen. Klar, dass diese Geschichte gut endet. Es ist ja auch eine Weihnachtsgeschichte. Es hat etwas paradiesisches, wenn Wünsche in Erfüllung gehen. Ich glaube, deshalb können wir uns auch so mitfreuen, wenn sich für andere Menschen ein Wunsch erfüllt. Und immer schwingt die Hoffnung mit, dass es für uns auch einmal so sein kann. Ein sehnlichster Wunsch erfüllt sich. Und es ist dann auch egal, ob wir uns dafür angestrengt haben oder ob uns der "Apfel in den Schoss" fällt.
Wusstet Ihr eigentlich, dass unser Weihnachtsbaum den Paradiesbaum symbolisiert. Für ein paar Tage sind wir eingeladen, ins Paradies zurückzukehren. Auch wenn die meisten heute nicht mehr mit Äpfeln und vergoldeten Nüssen schmücken - das Symbol hat Bestand.
Weihnachten ist ein Geburtstag - ein Tag des Übergangs aus dem Paradies in diese Welt. Vielleicht ist deshalb auch jedesmal wenn ein Kind geboren wird, ein wenig Weihnacht! Nur noch 3 mal schlafen! 

Sonntag, 20. Dezember 2009

Tag 20












Manchmal ist ja ein "Herkunftswörterbuch" gar nicht so schlecht, wenn man die Welt verstehen will.
Aber vielleicht fange ich besser von vorne an - damit ihr nicht denkt, ich schreibe hier getreu dem Motto "Wer nicht überzeugen kann, verwirrt wenigstens!". Nein, das soll nicht so sein.
Also, alles begann damit, dass wir dachten, es wäre eine schöne Überraschung für meine Eltern, wenn wir Weihnachten bei ihnen verbringen würden. Sie wohnen 700 km weit weg, man sieht sich also nicht allzu oft. Meine Brüder, ihre Familien und wir hier wollten am Heiligen Abend vor der Türe stehen, mit Kartoffelsalat, Baum, Geschenken und allem, was man so braucht. Seit Jahren haben wir Weihnachten alle im eigenen Heim verbracht - der Kinder wegen und weil es so gemütlich war. Diesmal sollte es also anders werden. Sollte. Nun hat sich mein kleiner Bruder leider verplappert und damit etwas ausgelößt, womit wir nie gerechnet hätten. Meiner Mutter ist das alles zu viel. Erst zaghaft, dann, nach einer deutlichen Ermunterung von meiner Seite, hat sie sich getraut. Die Beiden wollen allein und in Ruhe feiern.
Und nun kommt wieder das Wörterbuch ins Spiel. Überraschung ist ein Wort, dass aus dem 16. Jahrhundert stammt und in Kriegszeiten entstand. Es bedeutet so viel wie Überfall. Hinterrücks jemanden bedrängen.
Offensichtlich ist nicht jede Überraschung die pure Freude. Manchmal kann man es bestimmt genießen, dass ein lieber Mensch sich etwas Besonderes für uns ausgedacht hat und dieses "Geschenk" bis zur letzten Minute verbirgt. Aber ab und zu sind unsere geheimen Vorfreuden eben doch nur unsere Freuden. Wenn wir einen Menschen überraschen wollen, ist es da nicht selten so, dass wir ganz und gar glauben zu ahnen, was derjenige sich wünschen würde? Und stellen wir uns nicht seine leuchtenden Augen vor, wenn er oder sie mit unserer Überraschung konfrontiert wird? Sicher, wenn es nicht ruchbar geworden wäre, unser Weihnachtspräsent, dann hätte meine Mama sicher gute Miene zum - für sie - bösen Spiel gemacht.
Wie ich früher, wenn ein überraschendes Geschenk nun gar nichts mit meinen Wünschen zu tun hatte.
Eigentlich werde ja gerne überrascht, vielleicht weil ich mir einrede, dann hätte mein Gegenüber besonders intensiv an mich gedacht. Doch es gibt eben auch die Art von Überraschung, die uns nicht glücklich macht. Die enttäuscht oder verwirrt, die bedrängt und zaudern lässt.
Wenn uns das Leben überrascht, dann tut es das nicht immer sanft. Manche überraschende Wendung würden wir gerne umtauschen an der Theke, an der das Schicksal seine Angebote ausgibt. Doch auf all diesen "Päckchen" steht "Umtausch ausgeschlossen".
Also werde ich vorsichtiger werden mit meinen Überraschungen. Ich will nicht aufhören damit, das könnte ich nicht. Dafür machen gelungene Überraschunge zu viel Freude. Doch ich werde mehr nachdenken, hinhören und nachspüren. Denn Umtauschen ist einfach nur langweilig!

Samstag, 19. Dezember 2009

Tag 19

Ich will reisen so weit ich kann, bis zu der Freude in meiner Seele, will meine Grenzen weiter ziehen und fühlen wie ich wachse;
will leben, dasein, sein und die Wahrheit in mir hören.
Doris Warshay

Manchmal ist es gut, sich einfach klar zu machen, dass wir selbst es sind, auf die es ankommt!

Freitag, 18. Dezember 2009

Tag 18










Mein erstes
Weihnachtsgeschenk ist angekommen - ob ihr es glaubt oder nicht - es sind Ferien. Heute ging ein Jahreskurs zu Ende und es war gleichzeitig mein letzter Arbeitstag in diesem Jahr. Ein gutes Gefühl, das gebührend gewürdigt wird mit einem Lesefest in der schaumgekrönten Badewanne.  Diese, noch einmal alle Reserven einfordernde Woche, ausklingen und ausschwingen zu lassen, tut mir gut. Einen Moment inne halten, ganz entspannt sein und Zeit haben, den Tagen nachspüren, was für ein Geschenk. Zunehmend empfinde ich diese Augenblicke der Rückbesinnung und des Ausklingens als eine große Wohltat. Kurze Zeit einfach tief einzuatmen und einem besonderen Ereignis nachzuspüren, bevor man sich abschließend dazu äußert, schenkt Kraft.  Als ob man im Konzertsaal noch einen Augenblick die letzten Töne in sich nachwirken lässt, bevor man applaudiert. Als ob man eine Frage, einen Satz erst bedenkt, bevor man antwortet.  Wie oft hören wir nicht bis zum Ende zu, wie oft beginnen wir schon mit der Antwort, bevor das Gegenüber ausgesprochen hat. Wie schnell brandet der Applaus auf, bevor ein Stück wirklich zu Ende ist. Sich auszuschwingen, auf die Wirkung warten statt sie zu forcieren - ich glaube, es wäre der Übung wert. Sich ein winziges Weilchen in sich treiben lassen, auf einer auspendelnden  Schaukel den verebbenden Schwung zu genießen statt abzuspringen und zu neuen Taten zu eilen - schenkt uns vielleicht Gelassenheit.

Donnerstag, 17. Dezember 2009

Tag 17


Schnee! Es schneit - sogar in der Stadt drinnen bleibt der Schnee liegen. Schnee....
Mein Herz hüpft vor Glück. Ich liebe Schnee. Nein, ich fahre nicht Ski, nein ich bin auch keine begeisterte Rodlerin. Das schon gar nicht. Es gab da nämlich so eine Episode in meiner frühen Kindheit mit meiner ganz und gar unsportlichen Mama:  ich wollte angeblich so gerne Schlitten fahren (diesen Teil der Geschichte glaube ich bis heute nicht) und da mein Heldenvater nicht zu Hause war, opferte sich die tapfere Erstlingsmutter, bestieg den Schlitten und setzte mich vor sich! Und huih... - also irgendwas stimmte mit dem "huih" nicht, denn unser Ausflug endete an einer Mauer. Ich hab heute noch eine Narbe an der Stirn. Ich bin deshalb so gar nicht berühmt geworden - aber das steht ja hier gar nicht zur Debatte. Ich wollte ja nur sagen, ich liebe Schnee, dennoch. Bedingungslos. Ich muss dazu keinen Urlaub haben, ich fahre dann trotzdem mit dem Auto, murre nicht über schlecht gefegte Gehwege. Während andere Menschen manchmal merkwürdige Anwandlungen bekommen, wenn es schneit, ja manche sogar einen Schirm aufspannen oder so tun, als ob man fast stehend auf der Autobahn sicherer wäre - ich liebe Schnee. 
Erklärungsversuche sind einfach zwecklos, denn niemals kann man ganz erklären, warum man jemanden oder etwas liebt. Vielleicht kann man erklären, was man besonders an etwas oder jemandem liebt. Was diese Welle an Glücksgefühlen wirklich auslößt, ist so geheimnisvoll und doch so real wie das Universum.  Man hat versucht, es biologisch zu erklären, neurologisch und psychologisch. Ich höre dann immer ganz still zu, lächle und weiß es einfach besser. Liebe muss man nämlich gar nicht erklären - sie darf einfach sein!
Vielleicht ist das auch ein Geheimnis von Weihnachten. Wer weiß?

Mittwoch, 16. Dezember 2009

Tag 16

Irgendwie ist dieser Weg heute etwas vom Weg abgekommen - also mein Weg. Mich hat eine kurze Begegnung etwas aus dem Tritt gebracht. Nach einem wichtigen Jahresabschlussgespräch, dass mich ganz stolz und zufrieden machte, stapfte ich also weiter auf dem Weg. Hi und da hab ich noch was besorgt, irgendwie müssen die Kinder auch mal etwas zu essen bekommen. Nebenbei konnt ich mal wieder nicht widerstehen. Ein Buchladen zieht mich magisch an - einfach so. Und tatsächlich, für den Weg noch eine nette Lektüre ergattert, trete ich wieder auf die Straße und sehe einem Bekannten in die Augen, den ich fast ein Jahr nicht gesehen hatte. "Hallo, wie lange ist das denn her? Wie geht es Dir?" Ich grinse über das ganze Gesicht, vielleicht sehe ich dann nicht besonders weiße aus - mag sein - aber seinen Antwort - besser seine Gegenfrage kippt mich echt aus den Schuhen: "Willst Du das wirklich wissen?" sagt er. Ich bin völlig perplex, antworte eher mechanisch: "Aber natürlich, warum würde ich sonst fragen!"
Das Gespräch bleibt an der Oberfläche und irgendwann schaut er auf seine Uhr und verabschiedet sich mit "Termindruck!"
Nun grübel ich schon die ganze Zeit, ob ich wirklich nur aus Höflichkeit frage? Oder mache ich so einen oberflächlichen Eindruck - oder ist Nähe nur erlaubt, wenn viele Begegnungen voraus gehen? Wie ist das eigentlich für Euch? Werdet Ihr gerne gefragt?
Dieser Wegabschnitt wird mich noch eine Weile beschäftigen.

Dienstag, 15. Dezember 2009

Tag 15


Eigentlich geht es ja um das Ziel, nicht wahr, wir wandern auf Weihnachten zu. So war das doch? Ich bin mir sicher, nirgendwo eine Information verpasst zu haben, oder Wochen verschlafen zu haben - es ist doch Advent. Sogar die Außentemperaturen sprechen eher für Weihnachtszeit als für alles mögliche andere. Wie kann es denn dann sein, dass so viele Menschen, denen ich auf dem Weg begegne, eher den Eindruck machen, als seien sie auf der Flucht vor etwas. "Nein, also bei uns gibt es in diesem Jahr keinen Baum! " "Wir schenken uns schon lange nichts mehr!" "Ach wissen Sie, unsere Kinder glauben ja schon lange nicht mehr an das Christkind, was soll dann der ganze Rummel überhaupt?" "Eigentlich isst man ja immer zuviel über die Feiertage. Wir kochen einfach mal gar nichts Besonderes!" Heute sagte jemand zu mir, dem ich gesegnete Weihnachten wünschen wollte: "Weihnachten? Nein, wir fliegen in die Sonne. Wir mögen das alles gar nicht!"
Auch gut, dachte ich traurig. Irgendwie ist Weihnachten doch so wichtig, für meine Familie, für uns alle, für mich. Wie können Menschen nur so darüber hinweg gehen? Oh je!
Da fällt mir die Geschichte vom Elefanten wieder ein. Eine Zirkustruppe hatte einen Elefanten in einen dunklen Raum gestellt und führte nun Besucher in diesen Raum. Sie sollten erraten, was wohl da drin sei. Natürlich winkte demjenigen, der die richtige Lösung herausfände ein Preis. Als die ersten Besucher den Raum wieder verließen, geschah etwas Merkwürdiges. Der eine behauptete, in dem Raum sei ein Baum, der nächste spracht von einer Wand, der nächste schimpfte und sagte, dass er von irgendwas geohrfeigt worden wäre. Sogar eine Schlange wollte einer ertastet haben.
Der Preis wurde nie vergeben.
Und meine Art Weihnachten zu betrachten, es herbei zu sehnen, ist nur eine Art mit dieser Zeit umzugehen. Weihnachten ist ganz viel und noch viel mehr. Vor allem schenkt es uns die Freiheit, es so zu nehmen, wie es für jeden von uns richtig ist! Manchmal vergesse ich einfach, dass der, dessen Geburtstag wir an Weihnachten feiern, uns ganz viel Freiheit geschenkt hat!

Montag, 14. Dezember 2009

Tag 14



Weihnachtspost ist etwas ganz besonderes für mich. Sie gehört unbedingt zu dem Weg dazu. Erst werden die Karten ausgesucht, was für ein Vergnügen das ist. Ich suche mit Freude aus und irgendwie fallen mir dann auch oft schon die Menschen dazu ein, die ganz genau diese Karte erhalten sollen. Und dann kann ich einen ganzen Tag damit zubringen für jeden die passenden Worte zu finden. Es erfüllt mich dann ganz, dieses Schreiben. Ich schreibe mit der Hand diese Karten, mache mir um meine Handschrift überhaupt keine Gedanken mehr, auch wenn meine Mutter früher oft geschimpft hat - ich hab mir sagen lassen, man kann es lesen. Ich will die Weihnachtspost nicht mit dem Rechner schreiben, ich will auch keine Weihnachtsmails verschicken. Ich schreibe an einen lieben Menschen einen Gruß zu diesem besonderen Fest mit einem schönen Stift und mit meiner Hand. Es ist mir ein Anliegen, dass der Empfänger weiß, diese Karte ist nur für ihn. Und selbst wenn der oder diejenige im Jahr unendlich viele Mails von mir bekam, schriftliche Ausarbeitungen erhalten hat, die mit dem Rechner erstellt wurden - Weihnachtskarten sind so ganz anders als andere Post für mich. Es geht nicht darum Neuigkeiten mitzuteilen. Es geht nicht darum aus dem Urlaub zu berichten. Es geht nicht darum etwas einzufordern. Es geht nicht um meine Wünsche - nein ich wünsche dem Empfänger etwas. Und dieses "Etwas" darf ganz zart sein, freundlich, zugewandt und sogar innig. Bei diesem Fest geht es um Liebe und das darf ich in dieser Zeit jedem sagen. Es geht um Segen und um Zuversicht. Und ich darf es in fröhlichen Worten ausdrücken. Um nichts anderes geht es in der Weihnachtspost - und genau das ist ihr Zauber. 

Sonntag, 13. Dezember 2009

Tag 13

Die wahre Lebenskunst besteht darin, im Alltäglichen das Wunderbare zu sehen.
-Pearl S. Buck -





Ich wünschte, ich könnte das - und genau so.
Manchmal, so wie heute, bin ich fast zu müde, um das tägliche Wunder überhaupt wahrzunehmen.
Und dennoch - Manchmal gelingt es mir ja, die kleinen Begebenheiten so ernst zu nehmen, wie sie es verdienen. Wenn mir etwas gelingt, wenn meine Tochter kommt und einfach so fragt: "Kann ich Dir helfen?" Wenn mein Mann kocht und mich am Schreibtisch arbeiten lässt. Wenn mir eine alte Weihnachtskarte von Heinz in die Hände fällt, die er vor Jahren selbst gestaltet hat, wenn mein Konzept für das Seminar in der kommenden Woche fertig wird und ich zufrieden bin. Wenn mir diese Dinge auffallen und mich erfreuen, dann gelingt es mir offenbar!
Ich wünsche mir so sehr, dass auch Euch in den kommenden Tagen viele wunderbare Alltäglichkeiten den Weg bereichern!
Und da ist noch was, es muss einmal gesagt werden:  Dieser Weg ist für mich durch Euch zu etwas ganz Wunderbarem geworden.

Samstag, 12. Dezember 2009

Tag 12



So ein Weg führt uns manchmal ja auch an eine Kreuzung und wir müssen uns entscheiden wohin wir uns wenden wollen. Entweder ... oder vielleicht doch die andere Seite. Wenn ich hier entlang wandere komme ich nach Glückstadt - aber wenn ich dort entlang laufe finde ich vielleicht endlich den Weg nach Gesundbrunnen. Wo soll es denn nun entlang gehen? Wer hat denn bitte eine Landkarte, damit ich mich entscheiden kann. Ach ja, und einen Ratgeber hätte ich auch noch gerne. Ein Reiseführer wäre auch nicht zu verachten. Vielleicht geh ich noch mal zurück und schaue mir erst einen Film über den Weg an, dann fühle ich mich sicherer. Und während ich noch so dastehe und grüble, ob, wie, wann, oder ob nicht, kommen mir ein paar Kinder entgegen, die einen kleinen Vogel in einem winzigen Käfig mit sich tragen. Sie lärmen und kichern, es hört sich an wie Schadenfreude. Ihr kennt mich ja nun, ich bin nicht nur neugierig, nein, ich kann auch meinen Mund nicht immer verschlossen halten. Also spreche ich einen Knaben an und frage ihn, was sie denn vorhätten? Er sieht mich an, zögert einen Moment - man weiß ja nicht ob man mir trauen kann. Als er zu sprechen beginnt huscht ein verschmitztes Lächeln über sein Gesicht. "Komm doch mit, ich erzähle es Dir auf dem Weg, ich will nämlich nix verpassen!" Und so laufe ich neben ihm her und er erzählt mir, was die Kinder vorhaben.
Er erzählt mir von einem weisen alten Mann, der immer wieder kluge Dinge sagt, ständig schlaue Bücher schreibt. Dauernd würden die Kinder zu hören bekommen, was der weise Mann gesagt, gedacht oder geschrieben hat. Das würde sie ganz schön ärgern. Und jetzt hätten sie eine Idee, wie sie allen beweisen könnten, dass der Alte gar nicht so klug ist, wie alle immer tun. "Wie wollt ihr das denn schaffen?" frag ich ihn. Schon wieder dieses Lächeln. Sie wollen den Vogel einem von ihnen in die Hand stopfen und die geschlossene Faust dem Weisen unter die Nase halten, berichtet er. Sie wollen den Mann fragen, ob das, was sie in der Hand haben, lebt oder tot ist! Und wenn der Alte sagt, das lebt, dann schließt sich die Faust fest um den Vogel - und damit hat er falsch geraten. Und falls er sagt, da sei tot, dann ließe man den Vogel frei - und wieder hätte er die Antwort nicht gewußt.
Ich bin ganz still geworden. 
Endlich angekommen führen sie ihren Plan aus. Dem Kleinsten stopfen sie den Vogel in die Hand und er baut sich vor dem alten Mann auf. "He Du, weiser Mann, das, was ich in meiner Hand halte - lebt das, oder ist das tot?
Der Alte sieht dem Jungen eine Weile in die Augen. Plötzlich lächelt er und sagt:
"Ob das lebt, oder ob das tot ist, das liegt ganz allein in deiner Hand!"

Ganz still drehe ich mich um und kehre zu meiner Wegkreuzung zurück - und gehe einfach. Vielleicht liegt es nicht am Weg sondern an mir, ob er der richtige für mich ist. Gerade fliegt der kleine Vogel an mir vorbei.

Freitag, 11. Dezember 2009

Tag 11


Heute ist wohl der letzte Tag, an dem diese wunderbaren Blüten ihren Zauber entfalten und uns noch eine kleine Erinnerung an den Sommer schenken. So stolz bin ich auf diese Blüten, hatten die Sommerferien diese Rose fast um ihr Leben gebracht. Mit ganz viel Fürsorge ist es gelungen, sie wieder zu erwecken und nun hat sie im Dezember noch einmal voll geblüht. Sie hat sich wohl auch erinnert. Nun wird sie gut eingepackt, damit sie sich nicht im Frost verliert.
Apropo verlieren. Ich lese gerade, immer wenn ich mich mal ausruhen kann - also meist erst Abends im Bett - "Hiobs Brüder". Die Hauptfigur dieser Geschichte hat zu Beginn des Buchs ihr Gedächtnis verloren. Mich beschäftigt diese Tatsache ungemein.
Was wäre Weihnachten für mich, wenn ich mein Gedächtnis verloren hätte? Welche Bilder würden sich einschleichen? Wen könnte ich fragen, was angebracht ist? Und was ist mit den Stimmungen, die dieses Fest für uns bereit hält? Sind sie so kraftvoll, dass sie auch wirken, wenn ich keine Erinnerungen an mein Kinderweihnachten mehr habe? Kann man dann solch ein Fest neu erfinden?
Und kann man sich selbst neu erfinden? Wie würde das wohl aussehen? Welches Bild würde ich dann von mir haben wollen? Was würden mir die Menschen, die mich vor dem Erinnerungsverlust kannten, wohl über mich erzählen? Sicherlich gäbe es ganz viele verschiedene Frauen, denen ich da begegnen würde, denn jeder erlebt den Anderen anders in anderen Situationen und zu anderen Zeiten.
Nun sind das alles Spekulationen, die man aus der tiefverwurzelten Sicherheit seiner Selbst und der eigenen Biographie gut anstellen kann. Wie wunderbar, dass uns die Fähigkeit zur Erinnerung gegeben wurde, auch wenn sich die Bilder über die Jahre verklären mögen, es sind unsere Bilder, unsere Geschichten. Es ist wunderbar, dass sie uns die Gewissheit schenken, zum kontinuierlichen Strom zu gehören, mit Wurzeln, mit Zweigen, Blättern und mit Blüten - und manchmal auch mit Früchten, die unsere Geschichte weiter tragen und sie doch in ihre eigene verwandeln. Und wir? Wir können, so Gott will, zusehen, wie sie Wurzeln bilden, ihre Zweige in die Welt strecken, blühen und manchmal auch Früchte tragen.....
So wie Weihnachten eben!

Donnerstag, 10. Dezember 2009

Tag 10


"Dass die Vögel der Sorge und des Kummers über Deinem Haupte fliegen, kannst Du nicht ändern.
Aber dass sie Nester in Deinem Haar bauen, das kannst Du verhindern!"


Dieses chinesische Sprichwort ging mir heute Morgen durch den Kopf, nachdem ich einen Blick in die Zeitung geworfen hatte. Was würde sein, wenn ich diese traurigen, schaurigen, im besten Falle ärgerlichen Neuigkeiten nicht kennen würde? Wären sie dann nicht geschehen? Wäre ich dann ärmer im Geiste, nur weil mich das Elend der weiten Welt zu Hause nicht mehr besuchen würde? Was treibt uns eigentlich, täglich informiert sein zu wollen - und vor allem - worüber? Könnten wir wohlmöglich nicht mehr mitreden, wenn sich die Gespräche im Bekanntenkreis um scheinbar weltpolitisch Relevantes drehen? Dürfte ich mich über ungerechtes Handeln in meinem Umfeld nicht mehr aufregen, nur weil ich die gesammelten Ungerechtigkeiten des Kosmos morgens nicht in meinen Kaffe schütte. Darf ich gegen die offensichtliche Armut in meiner direkten Nachbarschaft nichts mehr tun, weil man das besser einer Spendenorganisation überlässt, Gott weiß wo! Müsste ich, plötzlich uninformiert, etwa denken, die Welt ist doch lebenswert. Menschen sind nicht perfekt, aber die, die ich kenne , bemühen sich gut miteinander umzugehen.
Wäre es so schlimm, wenn meine Aufmerksamkeit hier, bei den Menschen und Themen meiner Lebenswelt bleibt? 
Ich will wissen, wie es Dir geht, ich will Anteil nehmen an deinem Alltag, ich will Nähe und nicht analytische Distanz. Ich möchte meine eigenen Worte finden, wenn ich mich betroffen fühle von etwas und mir nicht per Zeitungs-Kommentar meinen Kopf zurecht setzen lassen.  Ich glaube fest, dass ein Kern von Weihnacht die Nähe ist. Die Nähe zu mir selbst und zu den Menschen um mich herum. Nähe in großer Zuversicht, mit Vertrauen und mit Wertschätzung auszuhalten. Nähe zuzulassen, wach zu sein für die Empfindungen der Nächsten,  zu spüren und mitzugehen - auch wenn es weh tut! Aber vor allem gemeinsame Freude teilen dürfen. Und das kann ich nur, wenn ich dich kenne, dich erkenne und anerkenne. Ich will Wahrheit und keine zurechtgezupfte Scheinwelt, die mir vorgaukelt, besser informiert zu sein.
Deshalb hab ich heute eine kranke Freundin besucht, bin bei einer Bekannten vorbei gefahren, die gerade das Wagnis eingegangen ist, sich selbstständig zu machen und hab zugehört, Nähe erlebt, unendlich viele wirklich wichtige Informationen erhalten und viel gelacht.
Und als ich dann mit mir alleine war, hab ich eine freundliche Hexe mit Hut gefilzt, von wegen der Nester.
Und von all dem steht morgen bestimmt nichts in der Zeitung, obwohl es so wichtig war!

Mittwoch, 9. Dezember 2009

Tag 9


Die Plätzchenbäckerei nimmt kein Ende. Die ersten Lieblingssorten haben meine Liebsten und unsere Gäste bereits vertilgt. Da muss Nachschub her, wir haben ja erst etwas mehr als ein Drittel des Wegs hinter uns. Der Proviant soll ja nicht ausgehen auf dem Weg. Zufällig krame ich in der "Backschublade" einen Ausstecher heraus, der mich an einen Spruch erinnert, den ich mal gelesen habe: "Back Dir deinen Traummann"! Und sofort melden sich meine Kopfbewohner und beginnen zu streiten. Ich kann Euch sagen, da war was los!
So wilde Diskussionen hatten die schon lange nicht mehr. "Ich hab Dir immer gesagt, schau Dir vor der Hochzeit die Schönheit seiner Hände an. Das ist für viele Jahre alles was du beim Frühstück zu sehen bekommst, wenn er hinter seiner Zeitung verschwindet!"
"Ach was, auf Schönheit kommt es überhaupt nicht an, Männer müssen zuverlässig sein!"
"So was, wer will schon Zuverlässigkeit? Ich will Leidenschaft!"
"Na, das wäre ja noch schöner! Bitte, ich will, dass er im Haushalt mit hilft, sich nützlich macht, sich nicht bedienen lässt!"
"Blödsinn! Männer müssen strebsam sein, und deiner ganz besonders!"
"Ne, ne! Familiensinn soll er haben, aber bitte so, wie ich mir das vorstelle! Und einfühlsam soll er sein"......
Ich bin ganz verwundert, wo diese ganzen Stimmen herkommen. Ich grüble darüber nach, mit wie vielen Bildern und Zuschreibungen ich herumlaufe. Ich frage mich ernsthaft, ob ich meinem Mann wirklich mit diesen widersprüchlichen Erwartungen begegne. Bin ich so, oder denke ich nur, ich wäre so, weil mein Hirn diese Sätze im Laufe meines Lebens aufgesammelt hat? Und geht mir das mit den anderen Menschen in meinem Leben auch so, dass ich von ihnen Seiten erwarte, von denen sie nichts ahnen?
Backt mein Mann sich seine Traumfrau, wenn er mich ermutigt oder bremst? Backe ich mir meine Traumkinder, wenn ich ihnen etwas rate? Backe ich mir meine Traumfreundin, wenn ich sie mit meinen Ideen von Freundschaft konfrontiere? Und wie ist das mit mir selbst? Backe ich mir mein Idealbild von mir, wenn ich mich zeige?
Vor vielen Jahren habe ich mal gelesen:
"Ich bin nicht auf dieser Welt, um so zu sein, wie andere mich haben wollen!"
Mal abgesehen davon, dass ich es gar nicht einfach finde, immer zu wissen, wie ich sein will , woher bekomme ich die innere Freiheit, das wenige Bewußte auch zu leben?
Aber woher kommt die Kraft, den Menschen um mich herum genau diesen Raum einzuräumen? Wie ist das mit dem "Zulassen können"? Wie fühlt es sich an, nicht zu beeinflussen? Erwarten die anderen von mir Zurückhaltung, Abwarten, Zuschauen?
Was will ich eigentlich, und wie will ich es eigentlich?
Ach je, und das alles nur, weil ich neue Plätzchen backen wollte!
Liebe Kopfbewohner! Macht mal ne Pause, ich kümmere mich morgen wieder um euch! Erst mal backe ich! Ruhe jetzt!"

Dienstag, 8. Dezember 2009

Tag 8


Auf einem Marktplatz traf ich heute Sokrates. Also, ob Ihr das nun glaubt oder nicht, er sagte mir, er wäre es! Ich hab ihn gefragt, was er denn hier wohl täte?
"Ich gehe gerne auf den Markt, um festzustellen, wie viele Dinge es gibt, ohne die ich phantastisch auskomme!"
Dem war nichts hinzuzufügen!

Montag, 7. Dezember 2009

Tag 7


Geht es euch auch so, dass das Helle, das Lichte einen ganz besonderen Zauber für euch bereit hält? Fühlt ihr euch auch gleich ein wenig lebendiger, wenn die Sonne scheint? Lasst ihr euch auch gerne berühren von den Farben im Licht? Mir geht es oft so. Fröhlichkeit keimt auf, wie ein Sprößling, das Lachen wird ganz leicht und der Körper fühlt sich so kraftvoll an. In meinem Kopf hat Licht etwas mit Wärme zu tun.
Und dann gehe ich vorhin den Weg entlang, der mich in den späten Nachmittagsstunden durch ein Wäldchen führt. Langsam steigt die Dunkelheit auf. Am Himmel ist noch ein wenig rötliches Licht zu erkennen, aber es reicht nicht mehr aus, den Weg zu beleuchten. Ich ahne den Weg mehr, als ich ihn sehe. Es wird plötzlich noch ein wenig kälter. "Logisch", sagt eine Stimme in meinem Kopf, die Sonne geht und damit die Wärme". So ein Unsinn, mitten im Dezember ist es nun mal kalt. "Du bildest dir das ja nur ein". Ich werde schneller, ich merke es. Meine Schritte versuchen so zu tun, als ob ich alles fest im Griff hätte. Doch eine miniwinzige Erinnerung an die Urangst vor der Dunkelheit steigt in mir auf. Ich beginne mich zu fragen, wie es wohl war, als die Welt ohne künstliche Beleuchtung auskommen musste. Wenn mit der Sonne alles Licht davon ging, was fühlten die Menschen dann? Was machte und macht uns Angst in der Nacht? Dunkelheit ist für uns heute nur ab und zu noch etwas Bedrohliches. Oder ist es gerade so, dass wir ständig mit Licht gegen die Dunkelheit ankämpfen wollen, weil wir sie noch mehr fürchten als die Menschen früher? Wir knipsen im Haus das Licht an und alles ist wieder in Ordnung. Wir stecken unseren kleinen Kindern ein Nachtlicht in die Steckdose, auf dass es die wilden Kerle unter dem Bett vetreibe. Wir beleuchten unsere Straßen, weil so der Verkehr sicherer ist - oder wir! Je mehr Licht, um so mehr Sicherheit, um so mehr Klarheit?
Ist das der Grund, warum ich so viele Lampen um mich brauche?
Wie wäre es mit eine Experiment, frage ich mich. Wie wäre es, einfach nur da zu sitzen und auf die Dunkelheit zu warten. Keine Kerzen, keine Lampen? Kann ich das aushalten? Einfach zu spüren, wie das Licht geht und der vertraute Raum sich langsam verändert. Bin ich dann allein mit mir? Gibt es dann keine wohltuende Ablenkung mehr? Wie ist das wohl?
Ein wenig gemogelt ist es ja schon, denn bei uns hier wird es ja nie richtig dunkel. Da sind vorbeifahrende Autos, die Straßenlaternen, die Flutlichtanlage am Sportplatz, die man im halben Ort noch sehen kann. Ich werde es dennoch versuchen, mich auf die Dunkelheit einzulassen - vielleicht auch, um dem Licht in der heiligen Nacht etwas bewußter zu begegnen.
Vielleicht habt ihr ja Lust, mit mir in der Dunkelheit zu wachen!?

Sonntag, 6. Dezember 2009

Tag 6


Ich weiß, ich weiß! Heute bin ich spät dran. Und ich denke, das ist auch gut so! Denn so kann ich mit etwas Abstand schreiben, bin vielleicht nicht mehr ganz so entrüstet.
Man ( oder Frau) ließt Sonntags gerne mal Zeitung - auch wenn man unterwegs Richtung Weihnachten ist. Frau will ja auf dem Laufenden bleiben. Heute wäre ich besser in die Küche geeilt und hätte noch ein paar Plätzchen gebacken. Aber wer ahnt schon, was einem da entgegen springt? Wer weiß schon, dass ein einziger Satz ausreicht, um einen den ganzen Tag zu irritieren.
"Machen Sie Ihr Leben bunter!" steht da. Es ist nur eine Werbung für irgend etwas. Erst stutze ich, denke noch, was für ein Unsinn. Wie kann man mit einen Produkt x sein Leben bunter machen. Dann fällt mir der Befehlston in dieser Zeile auf. Und mit einem Mal bin ich Mitten in einem Gefühlschaos. Seit einiger Zeit stört mich der zunehmende Befehlston all überall. "Sorgen Sie vor" - " Denken Sie an Ihre Familie" - "Kommen Sie zu uns, wir beraten Sie" - "Wechseln Sie zu...". Was geschieht da mit uns.
Ist der Konsum so wichtig geworden, dass wir nicht mehr anbieten sondern anordnen?. Sind wir schon so überflutet, dass nur noch das Befehlen hilft? Sind wir so abgestumpft, dass uns eine höfliche Frage nicht mehr berührt. Ich bin verwirrt und zornig. Aber warum nur? Welchen Nerv hat dieser Satz in mir berührt? Was bewegt mich so sehr, dass ich darüber die Sonntagsruhe verliere? Ich versuche Abstand zu gewinnen, aber ganz gelingt es mir nicht.
Erst nach und nach beginnt sich der Nebel zu lichten. Ich fange an zu verstehen, dass es mich trifft, wenn jemand versucht Macht über mich und meine Gedanken zu erlangen. Es stört mich, wenn man mich manipulieren will. Und es ärgert mich, dass ich so lange brauche um diese Absicht zu durchschauen.
Ich glaube, es ist diese Art von Grenzverletzung, die mir die Ruhe raubt. Denn es ist nicht die Absicht derjenigen, die mir diese Steine in den Weg legen, die mir Angst macht. Es ist meine mangelde Wachheit, meine eigene Unkonzentriertheit, die diesen Absichten Zugang zu mir gibt. Das macht mir Angst.
Wie kann es denn sein, dass ich, selbst nach so vielen Jahren Erfahrung mit den Versprechen und Verlockungen der Werbung immer wieder mal auf neue "Befehle" reagiere und Dinge kaufe, die der Mensch wirklich nicht braucht. Wie kann ich meinen Kindern helfen, dem Konsumdruck zu widerstehen, wenn ich selbst nicht merke, wie ich schon längst widerstandslos bin.
Gerade jetzt, in der Adventszeit, in der die Schlacht um den Kunden ihren Höhepunkt erreicht - und das jedes Jahr aufs Neue - da müsste ich doch wachsam sein, meine Grenzen schützen und vor allem die meiner Kinder. Und erst als ich versuche, dieses wirre Gedankengebäude für Euch aufzuschreiben, da geht mir ein Licht auf.
Ich darf mir das alles ansehen, ich darf mich darauf einlassen, mich darüber amüsieren, wie sie versuchen, sich in meinen Kopf zu schleichen. Ich darf ihnen Platz machen auf dem Weg. Ich darf sie vorbei lassen, denn sie wollen sich beeilen.
Ich kann mir die Erlaubnis zur Gelassenheit geben und auf die Stärke meiner Kinder vertrauen. Ich darf mit Zuversicht auf meinen Weg schauen, denn er ist ganz gut bereitet. Er ist nicht perfekt, ich darf auch mal stolpern. So lange ich das nicht als persönliches Versagen sehe, hat niemand Macht über meine Gedanken.
Und dann ist da noch eine Antwort meiner Tochter aus der letzten Woche. Auf meine Frage, was sie sich wohl zu Weihnachten wünsche, da sagt sie: " Ich glaube, ich hab wirklich alles, was ich brauche!"
Wir dürfen alle ganz viel Vertrauen in einander haben!

Samstag, 5. Dezember 2009

Jetzt ist Nikolausabend da...

Es war gar nicht so einfach, sich davon zu stehlen und die Familie alleine auf den Nikolaus warten zu lassen. Mal sehen, ob wir fertig werden mit der Verlosung bevor es pocht...
Also schnell die Lose falten und in die Nikolausstiefel füllen - fein sortiert nach Euren Wünschen!

Der Schutzengel passt gut auf, dass alles mit rechten Dingen zugeht und das Glück auch seinen Anteil hat.
Soooooooooo....

und über das Wichtelchen darf sich "Biene" freuen!

das Pünktchen geht an "Dat Bea"
und Ilex? Ja das reist nun zu Claudia von "Federbärchen"!

Allen anderen sei gesagt, es gibt bestimmt bald ein neues Wollwerk zu verschenken!

Psst.. Habt ihr das gehört? Es hat geklopft! Ich muss schnell los, sonst verpasse ich den Nikolaus!
Kommt gut in den zweiten Advent!

PS: Ihr lieben Gewinner! Sendet mir doch über die Mail im Profil eure Adressen!

Tag 5


Eine besondere - oder soll ich sagen sonderbare - Begegnung hatte ich heute auf dem Weg. Es war so hell, so licht und das Laufen fiel ganz leicht. Plötzlich hörte ich Stimmen. Da saßen zwei Frauen am Wegesrand und unterhielten sich. Die eine war schon alt - und doch war ihr Gesicht wie das eines jungen, unbekümmerten Mädchens. Die andere saß zusammengesunken und müde da.
"Wie heißt Du?" fragte die eine. "Ich bin die Traurigkeit"!
Oh, du bist die Traurigkeit, schön dass ich dich endlich treffe!"
Misstrauisch schaute die müde Gestalt auf. "Du kennst mich? Warum flüchtest du nicht vor mir?"
"Ich weiß sehr wohl, dass du jeden Flüchtenden einholst. Aber sage, was tust du hier, du siehst so mutlos aus?"
"Weißt Du", sagte die Traurigkeit. "Ich bin so alleine, niemand mag mich. Dabei brauchen mich die Menschen manchmal. Aber sie meiden mich, wie nichts Gutes. Sie verscheuchen mich mit Sätzen wie: Gelobt sei, was hart macht! Man muss sich nur zusammen reißen! Nur Schwächlinge weinen! Oder sie betäuben sich mit Alkohol und Drogen, damit sie mich nicht fühlen müssen. Die ungeweinten Tränen versteinern ihr Herz, sie verspannen sich lieber, als mich zuzulassen.
Dabei will ich doch nur helfen. Ich will ihnen helfen, ein Nest zu bauen, um ihre Wunden zu pflegen. Ich will ihnen helfen, den Schmerz weg zu weinen - und sie wollen sich lieber grell schminken, und der Welt ein fröhliches Gesicht zeigen."
Sie fing bitterlich an zu weinen. Da nahm sie die alte Frau in den Arm und sagte nur: "Weine ruhig, damit du neue Kraft sammeln kannst. Ab heute musst du nicht mehr alleine gehen. Ich werde dich begleiten, damit die Mutlosigkeit nicht noch mehr Macht gewinnt."
Die Traurigkeit sah auf und fragte erstaunt: " Aber... wer bist du eigentlich?"
"Ich? Ich bin die Hoffnung!"
(nach einer Geschichte von I.Wuthe)

Freitag, 4. Dezember 2009

Tag 4


Der Weg führt einen ja an mancherlei entlang. Ob wir nun geradeaus schauen, unsere Füße betrachten, um nicht zu stolpern, ob wir zum Himmel hoch blicken oder unsere Augen über den Horizont wandern lassen - unsere Augen sind geöffnet. Wir bewegen uns ja. Und mit geschlossenen Augen in der Welt herum zu laufen, das machen wir freiwillig nur, wenn wir "Blinde Kuh" spielen. Wenn das Leben es gut mit uns meint und wir unsere Augen gebrauchen können dann leben wir mit den Bildern die sie uns liefern. Wir leben dann in einer Welt aus Licht und Schatten, mit Farben und Formen, die wir meist sicher wiedererkennen können. "Aha, eine Rose - wie schön! Und hier steht ein Baum, sieh an, eine Eiche, sehr beeindruckend! Und nun kommen wir an Häusern vorbei, klein sind die, aber wirklich gepflegt". Wir erkennen unsere Welt. Gott sei Dank ist das so! Es gibt uns große Sicherheit, dass ein Baum so aussieht wie ein Baum eben aussieht und die Post so nett ist, Briefkästen immer gleich aussehen zu lassen. Wenn der Verkehr fließt, liegt es nicht zuletzt daran, dass wir die Verkehrsschilder erkennen, einordnen und "befolgen" können. Und doch, Sicherheit ist das eine. Staunen etwas anderes. Unser Gehirn nimmt alles, was es kennt einfach als selbstverständlich hin. Es bemerkt es oft gar nicht mehr so recht. Oder geht ihr morgens zum Bäcker und bestaunt die Häuser am Weg, beachtet mit großem Glück das Namensschild am Eingang zur Straße, in der der Bäcker seinen Laden hat, weil ihr nun wisst, wo es lang geht? Ich tue dies nicht. Ich eile den Weg entlang, denke über alles mögliche nach, kaufe unser Brot und eile zurück. Staunen kann ich nur selten. Da muss schon was vor meine Augen kommen, dass mich aus dem Trott holt. Etwas, das mein Gehirn noch nicht so oft zu Gesicht bekommen hat.
Das ist bestimmt einer der Gründe, warum Kinder noch so staunen können - für sie ist vieles noch ganz neu, noch nicht so "eingebrannt". Und es ist vielleicht eine Ursache dafür, dass wir es immer höher, weiter und schneller brauchen, um sagen zu können, das war schön, wunderbar, das war etwas beeindruckendes.
Die Weihnachtsmärkte in der großen Stadt, ganz in meiner Nähe werden von Jahr zu Jahr immer lauter, bunter, heller und geschäftiger. Mich irritiert das und ich kann es gleichzeitig verstehen. Wenn sich nichts verändert, wird es langweilig.
Es wär so schön, wenn wir aus der Langeweile manchmal wieder eine lange Weile machen könnten. Wir können die Welt nicht mehr mit Kinderaugen sehen, so schön das wäre. Aber wir können sie mal anders ansehen. Einfach so.
Wenn wir unseren Weg gehen, dann können wir uns ansehen. Uns erkennen. Die Pflanze am Wegrand einfach mal betrachten, ohne sie gleich in eine Schublade zu stecken. Wenn wir uns erlauben, die Betrachtung statt der Einordnung und Bewertung in den Mittelpunkt zu stellen, wenn wir den Standpunkt mal verändern - dann sehen wir bestimmt so viel Neues oder vieles neu. Und manchmal erleben wir die Welt mit geschlossenen Augen wieder ganz neu.
Sicherheit ist wichtig - sicherlich - doch das Staunen ist es auch!
Ich bin sehr froh, dass Ihr diesen Weg mit mir geht, denn durch eure Begleitung sehe ich vieles neu!

Donnerstag, 3. Dezember 2009

Tag 3


In dem Dorf Irgendwo im Land Weisnichtwo lebt in einem kleinen Haus mit Garten ein alter, sehr berühmter, weiser Mann. Gestern kam ich auf dem begonnenen Weg dort vorbei und da sah ich ihn, wie er in seinem Garten auf dem Boden etwas suchte. Ich bin ja nicht nur neugierig, sondern auch höflich und eine Pause kam mir gerade recht - also blieb ich am Zaun stehen und fragte ihn, ob er etwas verloren hätte! "Jaha", sagte der Weise zu mir und lächelte mich an, "ich habe meine Schlüssel verloren!" Oh weh, Schlüssel sind wichtig! Da musste ich unbedingt helfen.
Und so kam es dann, dass wir beide auf den Knien durch den Garten robbten und die Schlüssel suchten. Nach einer Weile hab ich mich getraut zu fragen, ob er denn sicher sei, dass er die Schlüssel hier im Garten verloren hätte. Mir taten nämlich die Knie weh. " Nein, nein," sagte er darauf, " ich hab sie im Haus verloren!"
Na, jetzt aber - " und warum suchen wir dann hier draußen?"
"Ganz einfach, weil es hier viel heller ist!"
Also, ob er seine Schlüssel noch gefunden hat, kann ich euch gar nicht sagen. Ich weiß nur, dass es mir auch manchmal so geht. Ich suche um mich herum nach Antworten, obwohl sie schon lange in mir sind. Ich suche nach Rettung von Außen, obwohl ich weiß, dass die Kraft nur aus mir kommen kann. Immer wenn ich Fehler im System oder bei anderen suche, dann suche ich Schlüssel an Orten, an denen ich sie niemals verloren habe. Wenn ich mir selbst begegnen will, dann sollte ich den Mut haben, mich in meinem Inneren zu besuchen - auch wenn es dort gerade nicht sehr hell ist. Schätze, die in mir sind, kann auch nur ich finden. Andere können mir vielleicht ein Streichholz geben, das Licht muss ich anzünden.
Und eines noch: Wie oft ertappe ich mich dabei, Menschen bei der Suche nach Schlüsseln helfen zu wollen, die sie gar nicht verloren haben oder die sie an ganz anderen Orten gelassen haben oder die gar keine Schlüssel suchen wollen, die nur den Verlust beklagen wollen. Vielleicht sollte ich in Zukunft einfach erst mal fragen, ob, was, wie und wann gesucht werden soll. Dann kann ich mein Streichholz verschenken - nicht mehr aber auch ganz bestimmt nicht weniger!
Vielleicht habt Ihr ja ein Streichholz übrig, dass ihr auf dem Weg verschenken wollt - oder ihr begegnet jemandem, der es gut gebrauchen kann - wer weiß?

Mittwoch, 2. Dezember 2009

Tag 2


"Sind wir schon da?", fragte mein kleiner Bruder ( heute ist er einen Kopf größer als ich undtrotzdem ist er der Kleine geblieben) kaum, dass wir eine Reise angetreten hatten. Ich erinnere mich noch gut an die erst ruhigen, bald aber genervten Auskünfte meiner Eltern. "Nein, es dauert noch x Stunden, schlaf doch ein wenig."
Ich frage mich heute oft, wie das so ist mit der Zeit die vor uns liegt, aber auch mit derjenigen, die wir hinter uns gelassen haben. Wir versuchen krampfhaft, Zeit zu messen, sie als gegebene Größe in unserem Leben einteilbar zu machen. Wir haben Uhren aller Art, Kalender, Arbeitspläne, Merkzettel und so vieles mehr. Und manch einer glaubt wirklich, Zeit so beherrschen zu können. Es gibt unendlich viele Sprichwörter und kluge Sätze, die sich mit Zeit auseinander setzen. Moralinsauer oder klug, witzig und ernsthaft. Aber alle haben eines gemeinsam, finde ich, sie wollen uns helfen etwas zu verstehen, was wir nicht greifen können. Zeit ist so subjektiv wie nur irgend etwas für uns Menschen. 10 Minuten beim Zahnarzt sind viel länger als 10 Minuten mit einem geliebten Menschen. Und für Kinder ist Zeit unwichtig, unvorstellbar, endlos, schnell und langsam - aber vor allem - etwas, das sie von uns brauchen ohne sich zu quälen. Die Qual schenken wir ihnen gratis dazu. Wir lehren sie die Uhr lesen, wir zwingen ihnen den 45 Minuten-Takt beim Lernen auf, wir sind diejenigen, die sagen: "Beeile Dich, nerv nicht, gleich, schlaf doch mal, dann geht die Zeit schneller rum..."! Wir drängeln und beschwichtigen, weil wir schon lange nicht mehr frei sind im Umgang mit der Zeit.
Vielleicht brauchen wir ja wirklich die Struktur im Leben, die das Konstrukt Zeit uns an die Hand gibt. Vielleicht. Was wir ganz sicher brauchen, das ist der Moment. Gerade jetzt, wo wir wissen, der Weg ist noch lange, jetzt sollten wir uns einfach zusammen setzen, unseren Reiseproviant auspacken und uns begegnen. Dieser Moment ist wichtig - der nächste kommt dann von selbst! Virginia Satir hat einmal 5 Freiheiten formuliert, die jedem Menschen eingeräumt werden sollten. Die erste passt so gut hierher:
Die Freiheit zu sehen und zu hören, was im Moment wirklich da ist,- anstatt das, was sein sollte, gewesen ist oder erst sein wird.
Geht den Weg in eurem Tempo und in eurer Zeit - die Erlaubnis dazu dürft ihr euch selbst geben.
Morgen, was immer das ist, sehen wir uns wieder.

Dienstag, 1. Dezember 2009

Tag eins...


Heute machen wir uns auf den Weg. Wir wissen es schon viele Tag, dass es so sein wird, wir haben uns darauf gefreut - und doch hatten wir auch Zweifel, ob wir den Anforderungen des Weges gerecht werden. Ob alles das, war wir von uns selbst fordern und was wir glauben, das andere von uns fordern würden, wenn wir ihnen zuhörten, was der Weg selbst von uns fordern wird, erfüllt werden kann.
Irgendwie ist dieser Weg wie alle Wege. Wenn wir ihn nicht gehen, werden wir nie erfahren, wie er für uns aussieht. Doch wenn wir ihn gehen, werden wir in uns und um uns Dinge erkennen, die uns bereichern, erschrecken oder beglücken. Machen wir den ersten Schritt? Dann kommen wir nicht mehr hier her zurück. Denn selbst die Umkehr führt in ein verändertes Land. Das Ziel scheint ja so klar, da es uns auf unserer inneren Landkarte vor Augen steht - und doch - wer weiß schon, ob unsere Bilder im Inneren mit der Bilderwelt der anderen in Verbindung treten können. Jeder, der mit uns geht, hat seine eigene Landkarte im Kopf. Seien wir mutig und geduldig!
Mit uns und unseren Weggefährten.
Für heute wartet der Weg. Morgen? Morgen begegnen wir uns vielleicht wieder auf dem Weg Richtung Weihnacht!