Montag, 7. Dezember 2009

Tag 7


Geht es euch auch so, dass das Helle, das Lichte einen ganz besonderen Zauber für euch bereit hält? Fühlt ihr euch auch gleich ein wenig lebendiger, wenn die Sonne scheint? Lasst ihr euch auch gerne berühren von den Farben im Licht? Mir geht es oft so. Fröhlichkeit keimt auf, wie ein Sprößling, das Lachen wird ganz leicht und der Körper fühlt sich so kraftvoll an. In meinem Kopf hat Licht etwas mit Wärme zu tun.
Und dann gehe ich vorhin den Weg entlang, der mich in den späten Nachmittagsstunden durch ein Wäldchen führt. Langsam steigt die Dunkelheit auf. Am Himmel ist noch ein wenig rötliches Licht zu erkennen, aber es reicht nicht mehr aus, den Weg zu beleuchten. Ich ahne den Weg mehr, als ich ihn sehe. Es wird plötzlich noch ein wenig kälter. "Logisch", sagt eine Stimme in meinem Kopf, die Sonne geht und damit die Wärme". So ein Unsinn, mitten im Dezember ist es nun mal kalt. "Du bildest dir das ja nur ein". Ich werde schneller, ich merke es. Meine Schritte versuchen so zu tun, als ob ich alles fest im Griff hätte. Doch eine miniwinzige Erinnerung an die Urangst vor der Dunkelheit steigt in mir auf. Ich beginne mich zu fragen, wie es wohl war, als die Welt ohne künstliche Beleuchtung auskommen musste. Wenn mit der Sonne alles Licht davon ging, was fühlten die Menschen dann? Was machte und macht uns Angst in der Nacht? Dunkelheit ist für uns heute nur ab und zu noch etwas Bedrohliches. Oder ist es gerade so, dass wir ständig mit Licht gegen die Dunkelheit ankämpfen wollen, weil wir sie noch mehr fürchten als die Menschen früher? Wir knipsen im Haus das Licht an und alles ist wieder in Ordnung. Wir stecken unseren kleinen Kindern ein Nachtlicht in die Steckdose, auf dass es die wilden Kerle unter dem Bett vetreibe. Wir beleuchten unsere Straßen, weil so der Verkehr sicherer ist - oder wir! Je mehr Licht, um so mehr Sicherheit, um so mehr Klarheit?
Ist das der Grund, warum ich so viele Lampen um mich brauche?
Wie wäre es mit eine Experiment, frage ich mich. Wie wäre es, einfach nur da zu sitzen und auf die Dunkelheit zu warten. Keine Kerzen, keine Lampen? Kann ich das aushalten? Einfach zu spüren, wie das Licht geht und der vertraute Raum sich langsam verändert. Bin ich dann allein mit mir? Gibt es dann keine wohltuende Ablenkung mehr? Wie ist das wohl?
Ein wenig gemogelt ist es ja schon, denn bei uns hier wird es ja nie richtig dunkel. Da sind vorbeifahrende Autos, die Straßenlaternen, die Flutlichtanlage am Sportplatz, die man im halben Ort noch sehen kann. Ich werde es dennoch versuchen, mich auf die Dunkelheit einzulassen - vielleicht auch, um dem Licht in der heiligen Nacht etwas bewußter zu begegnen.
Vielleicht habt ihr ja Lust, mit mir in der Dunkelheit zu wachen!?

Kommentare:

  1. Du schreibst einfach nur wunderschön. Tolle Gedanken und wunderbare Texte, danke dafür! Liebe weihnachtliche Grüße, Kessi :-)

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  2. Liebe Susanne, überredet, ich will es am Wochenende versuchen, die Dunkelheit ein wenig auszuhalten. Lieber ist es mir ganz ehrlich auch mit einem kleinen Licht, zumindest eine Kerze. Aber einen Versuch ist es wert!
    Sei lieb gegrüßt von Claudia

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  3. Och, ne du, im moment lieber nicht.....ich weiß, dass ich es im moment richtig hell brauche, ein anderes mal aber vielleicht sehr gerne ;o)!Die allerliebsten Sonnengrüße, Petra♥

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  4. liebe Susanne,
    interessante Experimente hast du für uns, und ich finde es so spannend, wie du uns jeden Tag mit neuen Einsichten und Überlegungen überraschst..mir macht Dunkelheit stark Angst, wenn ich nichts sehen kann, fürchte ich mich schrecklich, und bei Nacht draußen im Wald, ohne irgendwas zu sehen, ist so ziemlich das Schlimmste, was ich schon erlebt habe... uhhh grusel... deshalb... eine Kerze müßte schon sein!
    Viele liebe und erhellennde Grüße Cornelia

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  5. Die Dunkelheit mag ich ebenso wenig wie ganz grelles Licht. Ich mag es lieber, wenn im Haus mehrere kleine Lichtquellen verteilt sind. Es gibt ja Länder, in denen es in den Wintermonaten kaum hell wird. Man glaubt, dass die Menschen dieser Ländern in dieser Jahreszeit stärker zu Depressionen neigen als andere. Nicht umsonst gibt es wahrscheinlich das schöne Luciafest in Skandinavien, an dem die jungen Mädchen mit Kerzenkränzen umherziehen.
    Kleinere Lichtquellen sind außerdem gnädiger zu Falten und Co. ;o).
    Ich glaube trotzdem, dass wir das Licht der Heiligen Nacht erleben werden, nicht zuletzt weil du uns jeden Tag mit kleinen Lichtern dem einen großen ein Stück näher bringst!

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  6. Hallo! Wunderbare Gedanken,und ja,es ist einen Versuch wert,oder mehrere kleine, um zu spüren,was da noch ist,verborgen unter all dem Weihnachtsgetümmel...ist da ein Licht in meinem Inneren,ist da Licht um mich herum,bin ich geborgen,bin ich ängstlich,bin ich einsam,bin ich bei mir?

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