Sonntag, 20. Dezember 2009

Tag 20












Manchmal ist ja ein "Herkunftswörterbuch" gar nicht so schlecht, wenn man die Welt verstehen will.
Aber vielleicht fange ich besser von vorne an - damit ihr nicht denkt, ich schreibe hier getreu dem Motto "Wer nicht überzeugen kann, verwirrt wenigstens!". Nein, das soll nicht so sein.
Also, alles begann damit, dass wir dachten, es wäre eine schöne Überraschung für meine Eltern, wenn wir Weihnachten bei ihnen verbringen würden. Sie wohnen 700 km weit weg, man sieht sich also nicht allzu oft. Meine Brüder, ihre Familien und wir hier wollten am Heiligen Abend vor der Türe stehen, mit Kartoffelsalat, Baum, Geschenken und allem, was man so braucht. Seit Jahren haben wir Weihnachten alle im eigenen Heim verbracht - der Kinder wegen und weil es so gemütlich war. Diesmal sollte es also anders werden. Sollte. Nun hat sich mein kleiner Bruder leider verplappert und damit etwas ausgelößt, womit wir nie gerechnet hätten. Meiner Mutter ist das alles zu viel. Erst zaghaft, dann, nach einer deutlichen Ermunterung von meiner Seite, hat sie sich getraut. Die Beiden wollen allein und in Ruhe feiern.
Und nun kommt wieder das Wörterbuch ins Spiel. Überraschung ist ein Wort, dass aus dem 16. Jahrhundert stammt und in Kriegszeiten entstand. Es bedeutet so viel wie Überfall. Hinterrücks jemanden bedrängen.
Offensichtlich ist nicht jede Überraschung die pure Freude. Manchmal kann man es bestimmt genießen, dass ein lieber Mensch sich etwas Besonderes für uns ausgedacht hat und dieses "Geschenk" bis zur letzten Minute verbirgt. Aber ab und zu sind unsere geheimen Vorfreuden eben doch nur unsere Freuden. Wenn wir einen Menschen überraschen wollen, ist es da nicht selten so, dass wir ganz und gar glauben zu ahnen, was derjenige sich wünschen würde? Und stellen wir uns nicht seine leuchtenden Augen vor, wenn er oder sie mit unserer Überraschung konfrontiert wird? Sicher, wenn es nicht ruchbar geworden wäre, unser Weihnachtspräsent, dann hätte meine Mama sicher gute Miene zum - für sie - bösen Spiel gemacht.
Wie ich früher, wenn ein überraschendes Geschenk nun gar nichts mit meinen Wünschen zu tun hatte.
Eigentlich werde ja gerne überrascht, vielleicht weil ich mir einrede, dann hätte mein Gegenüber besonders intensiv an mich gedacht. Doch es gibt eben auch die Art von Überraschung, die uns nicht glücklich macht. Die enttäuscht oder verwirrt, die bedrängt und zaudern lässt.
Wenn uns das Leben überrascht, dann tut es das nicht immer sanft. Manche überraschende Wendung würden wir gerne umtauschen an der Theke, an der das Schicksal seine Angebote ausgibt. Doch auf all diesen "Päckchen" steht "Umtausch ausgeschlossen".
Also werde ich vorsichtiger werden mit meinen Überraschungen. Ich will nicht aufhören damit, das könnte ich nicht. Dafür machen gelungene Überraschunge zu viel Freude. Doch ich werde mehr nachdenken, hinhören und nachspüren. Denn Umtauschen ist einfach nur langweilig!

Kommentare:

  1. Ups, wie gut für alle, dass sich dein kleiner Bruder verplappert hat!Das wäre ja was geworden !Ich hatte auch schon das Erlebnis mit "und-jetzt-freuen!-Überraschungen", sicherlich echt lieb´gemmeint, aber für mich soooooooo stressig ;o)!Ich denke auch, dass es eine ganz,ganz sensible Sache ist und noch einmal in sich gehen und sortieren ,schauen, ist es mehr eine Freude für mich,freut sich mein Gegenüber wirklich?Ja, ich denke das ist nicht verkehrt ;o).In dem Sinne , einen Überraschungsfreien Abend, es sei denn du hättest heute Abend gerne eine ;o)!Herzliche Grüße, Petra ♥

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  2. Du hast ganz Recht, häufig ist die Überraschung für den, der sie macht, angenehmer als für den, der überrascht wird. Ich finde es in deinem Fall total klasse, dass deine Mutter ehrlich gesagt hat, dass ihr das Ganze zu viel wird. Ich glaube, das ist viel zu oft der Knackpunkt, dass man nicht wagt, seine Empfindungen aus Rücksichtnahme klar zu äußern. Eine klare Ansage erscheint uns leider oft als zu direkt, als beleidigend, als unmööööglich. Wäre es bei allen völlig normal, auch ein "Nein" einmal deutlich zu formulieren, gäbe es vielleicht so manches Magengeschwür weniger.
    Wieder einmal ein schöner Impuls, der mich als Gern-Überraschungen-Bereitende zum Nachdenken angeregt hat.
    Herzliche Grüße
    Petra

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  3. Oje, da hätte eine große Freude böse enden können - gut, dass er sich verplappert hat, auch, wenn das ja eigentlich gar nicht geht...
    Aber wenn du es so gerne tust, hör nicht auf, anderen eine kleine Freude zu bereiten - da zählt für mich doch immer noch schon der liebevolle Gedanke, den man sich dabei um mich macht. Nur die Aktionen, bei denen der Überraschte aktiv werden muss, da muss man wohl wirklich zwei mal nachdenken...da gibt es doch diese herrliche Filmszene, bei der das Geburtstagskind plötzlich splitterfasernackt vor den Überraschungspartygästen steht lol...

    Macht Euch einen schönen Abend, oder trefft Euch alle spontan bei einem von Euch... wir haben mal einige Jahre lang den Geburtstag eines Freundes gefeiert - ohne den Freund, der sich gern immer aus dem Staub machte...lange Geschichte.
    Ich wünsch Euch so oder so einen schönen, harmonischen heiligen Abend

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  4. Liebe Susanne,
    ich finde es ehrlich und mutig von Deiner Mama sich und Euch einzugestehen, dass sie Weihnachten lieber alleine bleiben. Denn sie weiß, dass ihr es gut gemeint habt, und bei einer Ablehnung möchte man auch niemanden verletzen.
    Grundsätzlich liebe ich Überraschungen, mir gibt es ebenfalls das Gefühl - wie Du es beschreibst - dass jemand an mich gedacht hat!
    Leider bleiben auch die bösen Überraschungen nicht aus, da heisst es erstmal zu verdauen udn den Blick nach vorne richten.
    Sei für heute ganz lieb gegrüßt von Claudia

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