Mittwoch, 16. Dezember 2009

Tag 16

Irgendwie ist dieser Weg heute etwas vom Weg abgekommen - also mein Weg. Mich hat eine kurze Begegnung etwas aus dem Tritt gebracht. Nach einem wichtigen Jahresabschlussgespräch, dass mich ganz stolz und zufrieden machte, stapfte ich also weiter auf dem Weg. Hi und da hab ich noch was besorgt, irgendwie müssen die Kinder auch mal etwas zu essen bekommen. Nebenbei konnt ich mal wieder nicht widerstehen. Ein Buchladen zieht mich magisch an - einfach so. Und tatsächlich, für den Weg noch eine nette Lektüre ergattert, trete ich wieder auf die Straße und sehe einem Bekannten in die Augen, den ich fast ein Jahr nicht gesehen hatte. "Hallo, wie lange ist das denn her? Wie geht es Dir?" Ich grinse über das ganze Gesicht, vielleicht sehe ich dann nicht besonders weiße aus - mag sein - aber seinen Antwort - besser seine Gegenfrage kippt mich echt aus den Schuhen: "Willst Du das wirklich wissen?" sagt er. Ich bin völlig perplex, antworte eher mechanisch: "Aber natürlich, warum würde ich sonst fragen!"
Das Gespräch bleibt an der Oberfläche und irgendwann schaut er auf seine Uhr und verabschiedet sich mit "Termindruck!"
Nun grübel ich schon die ganze Zeit, ob ich wirklich nur aus Höflichkeit frage? Oder mache ich so einen oberflächlichen Eindruck - oder ist Nähe nur erlaubt, wenn viele Begegnungen voraus gehen? Wie ist das eigentlich für Euch? Werdet Ihr gerne gefragt?
Dieser Wegabschnitt wird mich noch eine Weile beschäftigen.

Kommentare:

  1. Ganz spontan, weil ich ja weiß wie du aussiehst und welchen Eindruck du auf jemanden machst, ganz bestimmt keinen oberflächlichen ;o)!Und Nähe....hmmmm, ich finde Nähe ist ein wandelndes Gewand.Ich habe Freunde auf der ganzen Welt verstreut, ich kann sie manchmal Monate oder gar Jahre nicht sehen,dann stehen sie auf einaml vor einem und "schwupps" da hat man so ein tiefes Gefühl von Nähe, als wenn man sich gestern zuletzt gesehen hat.Oder es gibt Phasen in der Partnerschaft , da lebt man vielleicht nebeneinder her, wacht eines morgens auf und fragt sich "Wo ist eigentlich die Nähe geblieben?"Ich finde Nähe ist ein bisschen wie die Wellen im Meer,mal überschwemmen sie den Strand, mal ziehen sie sich ganz doll von ihm zurück.Und vielleicht hat der Mensch heute tatsächlich keine Nähe empfunden, wünscht sich aber morgen "Hmmm, wäre nett, wenn mir Susanne heute wieder begegnen würde, ich hätte ihr viel zu erzählen !" ;o)Einen wunderschönen restabend und viele, liebe Grüße, petra ♥

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  2. Mich können auch kleinste Bemerkungen oft sehr lange beschäftigen, verärgern, traurig oder fröhlich stimmen, aufbauen usw. Die Bemerkung, die du heute geerntet hast, empfinde ich ein wenig als Provokation. Selbst wenn die Frage "nur?" aus Höflichkeit gestellt wurde (Ist das so verwerflich? In England begrüßt man sich so!), ist das kein Grund jemanden so vorzuführen. Für mich kein besonders gelungenes Verhalten! Und für dich, meiner Meinung nach, kein Grund Selbstzweifel zu hegen. Vielleicht war dem Typen ja auch irgendeine Laus über die Leber gelaufen und du warst die Erste, die ihm in die Quere kam.
    Aufbauende Grüße
    Petra

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  3. ach Susanne ...
    ich habe mir schon lange abgewöhnt, jemanden zu fragen " Wie geht es dir", wenn ich es doch eigentlich gar nicht wissen möchte! So frage ich nur noch die Menschen danach, die mir am Herzen liegen.
    Wir wissen nicht, was die Person erlebt hat, bevor du ihn interessiert nach seinem Wohl gefragt und er dir antwortete: "Willst du es wirklich wissen?"... vielleicht hat er ja einer anderen Person ehrlich geantwortet und dann ziemlich schnell gespürt, das es seinem Gegenüber gar nicht interessierte?
    "Wie geht es dir" ist in unserer Gesellschaft oft nur eine Höflichkeitsfrage, die folgende Frage nach Partnern und Kindern auch.
    Doch es gibt sie noch, die Menschen, die wirklich wissen möchten, wie es uns geht und gern teil nehmen, weil wir ihnen etwas bedeuten.
    Und solche Menschen mag ich und du ja auch ;-)
    Ist das nicht schön?

    Schöne Begegnungen wünscht dir
    Anette

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  4. Hallo Susanne - ja - das ist wirklich etwas ganz wichtiges. Manchmal meint man es wirklich nur als Höflichkeitsfloskel, manchmal meint man es aber auch wirklich ernst. "Wie geht es Dir?" - Die Gegenfrage " Willst Du es wirklich wissen?" hätte auch ich stellen können... Das ist doch eher eine Frage, ob dies nun wirklich eine ernst gemeinte Frage war, oder ob es eben nur eine Floskel darstellt. Wenn man ja als Antwort gibt, so vertraue ich darauf, daß der andere mir zuhören möchte, auch wenn es nur kurz ist... Wenn man dann manchmal nein sagt, dann ist das ebenso okay. Dann sagt man eben - gut und die Floskeln sind beendet. Auch wenn es vielleicht nicht der Wahrheit entspricht. Man hat auch nicht immer Zeit dazu auf alle einzugehen. - Wie in dem vorherigen Post: vergebe Streichhölzer!
    Falls man das Gefühl hat, der andere möchte mehr erzählen, dann kann man einen passenderen Termin vereinbaren - oder?
    Ich denke so verkehrt ist die Welt gar nicht. Und ich spüre doch, ob jemand mir zuhören möchte oder nicht. Manchmal möchte ich auch nur die Aufmerksamkeit wieder ein wenig aktivieren, indem ich auf einfach so dahergequatschte Floskeln aufmerksam mache.
    - Ich möchte schon wissen, wie es meinen Freunden geht - ich möchte manchmal das aber auch nicht wissen, weil es mich belastet und weil ich dann nicht abschalten kann - nicht weil es mich nicht interessiert und ich nicht Anteil nehmen möchte. Und manchmal mag ich kein Gejaule hören von Menschen, denen es einfach gut geht!!!!!

    Liebe Grüße Tinki

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  5. Liebe Susanne,
    ich will hier ja niemanden pauschal die Verantwortung in die Schuhe schieben,
    ABER:
    lernt man nicht im Englisch-Unterricht: "How are you?" und die Antwort darauf lautet "I'm fine, thank you!"

    Es geht mir immer gut, ich bin gut drauf, alles klar, ... So soll man funktionieren. Eine andre Antwort will auch kaum jemand hören. Oft will man sich auch nur so dem andren zeigen. Alles O.k., ich bin stark, es geht mir gut. Ich will ja nicht klagen.

    Es ist eine Kunst die Menschen zu erkennen die es wirklich ernst meinen mit ihrer Frage. Und es ist ein Segen wenn man solche Menschen kennt.

    So ganz geordnet sind meine Gedanken zu diesem Thema irgendwie noch nicht. Nur weiss ich, dass ich oft enttäuscht bin weil ich die Kunst mal wieder nicht beherrscht habe zu erkennen, ob die Frage ernst gemeint war.

    Liebe Grüße,
    tanja

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