Dienstag, 15. Dezember 2009

Tag 15


Eigentlich geht es ja um das Ziel, nicht wahr, wir wandern auf Weihnachten zu. So war das doch? Ich bin mir sicher, nirgendwo eine Information verpasst zu haben, oder Wochen verschlafen zu haben - es ist doch Advent. Sogar die Außentemperaturen sprechen eher für Weihnachtszeit als für alles mögliche andere. Wie kann es denn dann sein, dass so viele Menschen, denen ich auf dem Weg begegne, eher den Eindruck machen, als seien sie auf der Flucht vor etwas. "Nein, also bei uns gibt es in diesem Jahr keinen Baum! " "Wir schenken uns schon lange nichts mehr!" "Ach wissen Sie, unsere Kinder glauben ja schon lange nicht mehr an das Christkind, was soll dann der ganze Rummel überhaupt?" "Eigentlich isst man ja immer zuviel über die Feiertage. Wir kochen einfach mal gar nichts Besonderes!" Heute sagte jemand zu mir, dem ich gesegnete Weihnachten wünschen wollte: "Weihnachten? Nein, wir fliegen in die Sonne. Wir mögen das alles gar nicht!"
Auch gut, dachte ich traurig. Irgendwie ist Weihnachten doch so wichtig, für meine Familie, für uns alle, für mich. Wie können Menschen nur so darüber hinweg gehen? Oh je!
Da fällt mir die Geschichte vom Elefanten wieder ein. Eine Zirkustruppe hatte einen Elefanten in einen dunklen Raum gestellt und führte nun Besucher in diesen Raum. Sie sollten erraten, was wohl da drin sei. Natürlich winkte demjenigen, der die richtige Lösung herausfände ein Preis. Als die ersten Besucher den Raum wieder verließen, geschah etwas Merkwürdiges. Der eine behauptete, in dem Raum sei ein Baum, der nächste spracht von einer Wand, der nächste schimpfte und sagte, dass er von irgendwas geohrfeigt worden wäre. Sogar eine Schlange wollte einer ertastet haben.
Der Preis wurde nie vergeben.
Und meine Art Weihnachten zu betrachten, es herbei zu sehnen, ist nur eine Art mit dieser Zeit umzugehen. Weihnachten ist ganz viel und noch viel mehr. Vor allem schenkt es uns die Freiheit, es so zu nehmen, wie es für jeden von uns richtig ist! Manchmal vergesse ich einfach, dass der, dessen Geburtstag wir an Weihnachten feiern, uns ganz viel Freiheit geschenkt hat!

Kommentare:

  1. Susanne, der Text ist einfach nur schön! Ganz lieben Dank dafür. Mit diesen Gedanken gehe ich jetzt in die Nacht. sei lieb gegrüßt von Claudia

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  2. ... und nicht nur zu akzeptieren, dass jeder Weihnachten anders empfindet/feiert/sieht....vielleicht (so ist es zumindest bei mir) auch mal die eigene Geschichte, meine eigenen Stimmungen zur Weihnachtszeit betrachten...ich habe mich nicht jedes Jahr auf Weihnachten gefreut! Die Stimmung hat sich über die Jahre und die Lebensumstände und die "Weltsicht" hinweg verändert und wird es weiter tun ...
    Danke für Deinen Beitrag heute!
    Steph

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  3. Och, Susannchen, heute bist du echt meine Abendbeschäftigung ;o)!Jetzt habe ich geschrieben und gelöscht und geschrieben und gelöscht und mal war es zu lang und mal dachte ich : "Das verstehe doch nur ich !" Und immer wieder kamen neue Gedanken und alte wurden zum Teil verworfen :o(.Also mache ich jetzt einfach und kurz: Du hast mit deinen Worten mal wieder etwas bewegt, danke ;o)!Gute Nacht und allerschönste Träume, petra ♥

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  4. Seit ich vor ca. 2 oder 3 Jahren beim Bäcker kurz vor Weihnachten von einer anderen Kundin den Satz hörte:" Gott sei Dank ist bald alles vorbei!" bin ich unglaublich empfindlich geworden, was solche Aussagen angeht. Sind wir des Feierns schon überdrüssig geworden? Ist es die Angst, dem Anspruchsdenken (egal ob es das eigene oder das der anderen ist) nicht genügen zu können. Sind wir schlicht und einfach übersättigt? Oder ist es einfach normal geworden, das ganz Leben nur noch als Last zu empfinden? Alles wäre einfach nur traurig. Und ich hoffe, dass wir ein wenig dazu beitragen können, den nachfolgenden Generationen den "Geist der Weihnacht" zu erhalten.
    Herzliche Grüße Petra

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