Freitag, 11. Dezember 2009

Tag 11


Heute ist wohl der letzte Tag, an dem diese wunderbaren Blüten ihren Zauber entfalten und uns noch eine kleine Erinnerung an den Sommer schenken. So stolz bin ich auf diese Blüten, hatten die Sommerferien diese Rose fast um ihr Leben gebracht. Mit ganz viel Fürsorge ist es gelungen, sie wieder zu erwecken und nun hat sie im Dezember noch einmal voll geblüht. Sie hat sich wohl auch erinnert. Nun wird sie gut eingepackt, damit sie sich nicht im Frost verliert.
Apropo verlieren. Ich lese gerade, immer wenn ich mich mal ausruhen kann - also meist erst Abends im Bett - "Hiobs Brüder". Die Hauptfigur dieser Geschichte hat zu Beginn des Buchs ihr Gedächtnis verloren. Mich beschäftigt diese Tatsache ungemein.
Was wäre Weihnachten für mich, wenn ich mein Gedächtnis verloren hätte? Welche Bilder würden sich einschleichen? Wen könnte ich fragen, was angebracht ist? Und was ist mit den Stimmungen, die dieses Fest für uns bereit hält? Sind sie so kraftvoll, dass sie auch wirken, wenn ich keine Erinnerungen an mein Kinderweihnachten mehr habe? Kann man dann solch ein Fest neu erfinden?
Und kann man sich selbst neu erfinden? Wie würde das wohl aussehen? Welches Bild würde ich dann von mir haben wollen? Was würden mir die Menschen, die mich vor dem Erinnerungsverlust kannten, wohl über mich erzählen? Sicherlich gäbe es ganz viele verschiedene Frauen, denen ich da begegnen würde, denn jeder erlebt den Anderen anders in anderen Situationen und zu anderen Zeiten.
Nun sind das alles Spekulationen, die man aus der tiefverwurzelten Sicherheit seiner Selbst und der eigenen Biographie gut anstellen kann. Wie wunderbar, dass uns die Fähigkeit zur Erinnerung gegeben wurde, auch wenn sich die Bilder über die Jahre verklären mögen, es sind unsere Bilder, unsere Geschichten. Es ist wunderbar, dass sie uns die Gewissheit schenken, zum kontinuierlichen Strom zu gehören, mit Wurzeln, mit Zweigen, Blättern und mit Blüten - und manchmal auch mit Früchten, die unsere Geschichte weiter tragen und sie doch in ihre eigene verwandeln. Und wir? Wir können, so Gott will, zusehen, wie sie Wurzeln bilden, ihre Zweige in die Welt strecken, blühen und manchmal auch Früchte tragen.....
So wie Weihnachten eben!

Kommentare:

  1. Du schreibst so schön.... :)..... die Gedanken kann man wunderbar mitnehmen und weiterweben... danke danke und ganz liebe Grüße, habe ein wunderschönes Wochenende, Kessi :-)

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  2. ja,ich denke (erfinde, definiere mich), also bin ich. aber was ist ein gedanke? wörter? bilder? beides? kann ich schon denken wenn ich noch keine worte habe? wenn nicht,wie empfinde ich mich?
    deine anregung hat mich etwas versöhnt (mit weihnachten,bzw. dem was ich daran nicht mag).ich würde weihnachten mögen,noch viel mehr,wenn ich vom drumherum keine ahnung hätte (wie als kind *seufz). die vielen lichter, geschenke (nur in die innenstadt würde ich nicht wollen *G)
    schön,deine gedankenanregungen. danke.

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