Sonntag, 8. Februar 2009

Verwunderung ohne Bild!

Heute, einfach ausgelaugt und müde - vermutlich durch das Wetter und die Tatsache, dass der morgige Schulbeginn meinen zauberhaften Töchtern die Laune verhagelt - warum auch immer? - hab ich meine Stimmung vollends ruiniert durch das Studium der neuesten Forenbeiträge auf einer, euch nicht ganz unbekannten, Verkaufsplattform.
Ich bin einfach nur verwirrt und enttäuscht. So viel Wut und Unsachlichkeit, so wenig Raum für Nachdenken und Verstehen. Mir ist schon klar, dass Menschen - folgt man Freud - Ventile für Frustrationen brauchen, mir ist schon klar, dass vermeintliche Anonymität die Kommunikationsregeln des Alltags zum Teil außer Kraft setzt. Ich kann auch wirklich gut verstehen, dass Provokation zum Gegenschlag auffordert. Es ist auch gar nicht mein Anliegen, hier irgend jemanden zu maßregeln. Ich frage mich nur immer öfter, warum wir unsere Emotionen und Kräfte an Stellen abarbeiten, an denen wir nichts bewegen. Was hindert uns daran, unsere Begabungen und Kenntnisse für Ziele einzusetzen, die es wert sind, anstatt über irgendeinen Fragesteller herzufallen, wie Bären, die aus dem Winterschlaf geweckt werden und sich dann darüber enorm aufzuregen, dass der „Störenfried“ sich nach einiger Zeit als Berglöwe entpuppt.
Es ist für mich als Supervisorin geradezu absurd, zu beobachten, wie viel Kennerschaft darauf verwand wird, fremde Menschen in Grund und Boden zu schreiben, während mir im beruflichen Alltag immer mehr Menschen begegnen, die nicht bereit oder in der Lage sind, in ihrem intimsten Kreis Wünsche, Befindlichkeiten und Ambitionen zu äußern, die lieber stumm leiden als die Kraft zusammen zu suchen, um ihre Situation zu ändern. Jede direkte Konfrontation, die nur hilfreich sein kann, da Widerstand immer Interesse signalisiert, wird vermieden - bloß Frieden vortäuschen. Und in dieser virtuellen Welt wird ausgeteilt, was das Zeug hält.
Sind wir schon so sehr in einer Opferrolle angekommen, dass wir nur noch verdeckt und insgeheim agieren können? Müssen wir Menschen mit Killerphrasen ausbremsen, anstatt uns für ihr Anliegen zu interessieren. Müssen wir drohen, um uns selbst in Sicherheit zu wiegen?
Warum ich das alles schreibe? Vielleicht in der Hoffnung, zu hören, dass es mir nicht allein so eigenartig vorkommt, dass in einer aufgeklärten Zeit immer weniger Interesse aneinander lebendig ist und jeder jeden zu belehren begehrt. Ob Klimaschutzdebatte, Kindererziehung, Gesellschaftsmodell oder einfach die Interpretation von Recht - wer nicht sofort dem vermeintlichen Mainstream nachläuft, wer Zweifel hegt und unangenehme Fragen stellt muss abgewertet und kalt gestellt werden.
Ich hoffe, ihr seid jetzt nicht völlig irritiert - doch das musste jetzt mal raus.

Geht mit großer Kraft in die neue Woche, ich glaub, wir brauchen das alle!

Kommentare:

  1. Dem ist nichts hinzu zu fügen, liebe Susanne.
    Genau das habe ich auch schon des öfteren gedacht. Aber ich befürchte, wir können die Menschen nicht ändern. Aber wenn nur jeder ein wenig bei sich selber schauen würde was er besser machen könnte, an statt andere zu kritisieren und zu bevormunden wäre allen geholfen. Aber diejenigen, die so denken wie wir tun das ohne hin schon und die anderen werden es vermutlich nie tun.
    Oder sehe ich das zu pessimistisch?
    Auch dir eine schöne kreative Woche.
    Gertrud

    AntwortenLöschen
  2. liebe Susanne, nun werde ich mir Deinen ausführlichen Kommentar noch einmal durchlesen ... eigentlich wollte ich gerade den Computer ausschalten, doch das kann ich nun nicht mehr so ohne weiteres!

    AntwortenLöschen
  3. Hallo Susanne,
    ich stimme dem was du da geschrieben hast absolut zu !Danke, dass du es übernommen hast - denn mir fehlen langsam die Worte !Ich wünsche dir auch auch, dass du mit großer Kraft in die neue Woche starten kannst!Alles Liebe, Petra ♥

    AntwortenLöschen
  4. Ich sehe es auch so, aber ich versuche, Betonung liegt auf "versuchen", weil wir ja alle nur fehlerhafte Menschen sind, also ich versuche, MitMenschlichkeit zu leben, weil es trotz allem schöner ist für mich und die andern.
    Sollange es Menschen gibt, die auch so denken, besteht doch noch Hoffnung.
    Liebe Grüsse, Allerleirauh

    AntwortenLöschen
  5. Liebe Susanne,
    ich danke dir von Herzen, dass du mit kristallklarem Verstand und ebensolchen Worten Vorkommnisse analysierst, die im Moment allgegenwärtig sind und von einer bitteren Wahrheit zeugen: "Homo hominem lupus est"
    Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf!

    Ein Glück, dass ich im Alltag immer wieder auf Menschen wie dich treffe, die zur goldenen Ausnahme gehören und mich vom Gegenteil übezeugen!
    Danke für deine Freundschaft! Sie tut richtig gut!
    Herzlichste Grüße, Cornelia

    AntwortenLöschen
  6. herzlichen dank für deine link-tip's!
    es hat mich sehr gefreut von so unerwarteter seite hilfe zu bekommen.als neuling im bloggerland,staune ich immer noch tagtäglich was alles hier möglich ist...............
    schau mal wieder bei mir rein,hab einige deiner tip's gerne übernommen.
    ich wünsche dir eine gute woche,
    filz-t-raum.ch

    AntwortenLöschen
  7. ..ich danke dir von Herzen für deine kraftvollen Worte, sie sprechen mir so was von aus der Seele, genau so geht es im Moment auf meiner Arbeit ab und ich denke immer ich hab einen Knall, wenn ich Dinge offen anspreche. Meine Chefin ist auf diese Weise schon weggemobbt worden (bei der Supervision sitzten alle stumm herum) und ich werde wohl über kurz oder lang das Handtuch werfen, da mir die Unehrlichkeit meiner Kolleginnen wirklich jeden Tag vermiesen...
    LG
    Beate

    AntwortenLöschen
  8. Liebe Susanne,

    danke für Deinen Besuch auf meinem Blog und Deinen Kommentar!
    Habe mich sehr gefreut und fand Deine Formulierungen sehr treffend bzgl dessen, was gemeinhin als intellektuelles Verhalten angesehen wird. Es braucht wohl noch eine geraume Zeit, daß die Menschen verstehen, daß nicht ihr begrenzter Intellekt ihre Intelligenz ausmacht, sondern erst das sich-darüber-hinaus-Erheben... Aber es ist eben einfacher und bequemer, "die Welt" verbessern zu wollen mit viel Gerede und Tamtam, als tatsächlich an SICH SELBST zu arbeiten...

    Ich denke, ich habe im besagten Internet-Portal im Forum das gefunden, wovon Du in Deinem Post sprichst. Es fällt mir auch schon seit Jahren auf, wie im Internet "vermeintliche Anonymität die Kommunikationsregeln des Alltags zum Teil außer Kraft setzt", wie Du es so schön formulierst. Du schreibst, auch Du hast schon Deine einschlägigen Erfahrungen gemacht, wie auch Cornelia von Zwergenwelt diese nun gemacht hat. Auch ich gehöre zu dieser Riege der "Erfahrenen". "Gewisse Personen" hatten unmittelbar nach meiner Shoperöffnung bei Dawanda versucht, mich dort zu denunzieren bzw. zu maßregeln, zum Teil unverhohlen, zum Teil anonym. Als ob Dawanda ihre persönliche Verkaufsplattform wäre, auf der niemand geduldet werden kann, der vermeintliche Konkurrenz ist. Es ist traurig und erschreckend, solch ein Verhalten... Da werden Weiber zu Hyänen, die sonst immer sich als die allerliebsten und herzigsten darstellen...

    Liebe Grüße und bis bald einmal!
    Iris

    AntwortenLöschen