Mittwoch, 25. Februar 2009

Geschnatter!

Gerade, als ich mit den Hunden unterwegs war, da habe ich sie gehört - die Wildgänse. Seit wir hier wohnen, kommen sie zweimal im Jahr vorbei, fein säuberlich V-förmig aufgereit, und teilen uns schnatternd mit, dass sich was tut in der Natur. Das Glücksgefühl bei ihrem Anblick, die Freude bei diesem Geräusch kann ich wirklich nicht beschreiben. Es ist fast so, als ob die Natur eine Memo schickt: " Bald kommt der Frühling" oder "Achtung, gleich wird es kalt"! Es mag ja daran liegen, dass ich als Kind die Geschichte von Nils Holgerson verschlungen habe, das meine Träume immer mit den Gänsen mitziehen, vielleicht finde ich sie ja auch einfach nur faszinierend.

Das mir bei dem Geschnatter heute Morgen, so ganz nebenbei, der gestrige Elternabend wieder durch den Kopf ging, liegt sicher an der Metapher, die schnattern wie die Gänse.

Ich frage mich oft, wieso Erwachsene, wenn sie in Schulbänken sitzen, plötzlich retardieren und wie Schüler miteinander tuscheln, dazwischen reden und sich einfach immer wiederholen müssen ( gut, dass die Schüler das nicht sehen und hören können ). Und dann ist da noch die Frage, was Menschen treibt, die Eigenverantwortung der Schüler immer mehr zu unterwandern. In Sarahs Klasse sind Schüler versetzungsgefährdet - schlimm genug. "Da sollen doch die Lehrer unbedingt was machen!" In dieser Klasse fallen immer wieder Schüler durch fehlende Materialien und nicht erledigte Hausaufgaben auf. "Da sollen doch die Lehrer unbedingt was machen, nur bitte keine unangenehmen Konsequenzen bitte!" (Hexen können wir sofort, Wunder dauern etwas länger!) Die meisten dieser Schüler sind 16 Jahre alt! Wenn man dann die leise Anmerkung in den Raum wirft, dass auch ein Mensch mit 16 Jahren durchaus Verantwortung für sein Handeln hat, lösst man einen Sturm der Entrüstung aus. Das war schon in der ersten Klasse so - und nun finde ich es immer noch - was wird aus diesen fremdbestimmten, geführten und bis zur Untätigkeit geschützten Geschöpfen? Meine Tochter verbittet sich solche Einmischungen von meiner Seite, mit Recht. Wenn ich alle Probleme für sie löse, wie soll sie erwachsen werden? Wenn ich die Verantwortung nicht bei ihr lasse, wie kann sie die Konsequenzen ihres Handelns ermessen lernen? Aber vielleicht verlange ich ja zu viel - von meinen Kindern und von Menschen, die scheinbar nicht als Eltern auf einem Elternabend handeln, sondern durch die Umgebung eher wieder selbst Schüler werden, und ihre eigenen Befürchtungen abarbeiten. Vielleicht ist es aber auch ganz anders, wer weiß das schon?

Jedenfalls war es, im Gegensatz zu den Gänsen heute morgen, kein fröhliches Geschnatter.
Das wollt ich euch nur erzählen.


Herzliche, nicht geschnatterte, Grüße!

Kommentare:

  1. Hallo Susanne, ich muß Dir jetzt gleich zwei Mal absolut zustimmen:
    1) es ist absolut wunderbar, das es Rosabella gibt und wunderbar ist noch ein Untertreibung!!!
    2) Ich finde Deine Einstellung zu den Problemen Deiner Tochter absolut richtig! Man tut seinen Kindern damit keinen Gefallen, wenn man Ihnen immer alles "fertig" vor die Füße legt. Sie müßen eigenständiges handeln - in allen Bereich - selber lernen und das können sie nur, wenn man sie selber machen läßt. Ich habe zwar selber keine Kinder, aber ich weiß noch gut wie es mir selber ergangen ist. Meine Eltern haben mich meine eigenen Erfahrungen machen lassen und dafür bin ich sehr sehr dankbar!
    Ganz liebe Grüße
    Sonja

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  2. Nils Holgerson steht durch den Kleinsten bei uns immer noch hoch im Kurs, quasi jetzt in der dritten Generation, weil mit jedem Kind mal "durchgemacht" und ich liebe ihn noch immer ;o)!Und Elternabende finde ich immer soooooo unglaublich, dass ich garnichts dazu sage, ausser : Ich kann dich voll und ganz verstehen ;o)! Herzliche Grüße, petra

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  3. "Wenn die Wildgänse ziehen", so hieß einmal ein Film. Er weckte Gefühle der Sehnsucht, mitzureisen mit den ziehenden Vögeln. Das hat sich bis heute nicht geändert.

    LG Charlotte.

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  4. ooo nils holgerson und seine gänse wie schön.... hach ich bin ganz hin und weg

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  5. Wenn Eltern zu Hyänen werden, ach Susanne, das erlebe ich auch immer wieder, und an allem sind ja die bösen Lehrer schuld. Eigenverantwortung? Das Wort kommt selten vor, sowohl bei Eltern als auch bei Kindern.
    "sind doch nur Kinder" sagte die Mutter des 16-Jährigen, der heimlich einer Mitschülerin die 10-fache Menge eines Abführmittels heimlich in die Cola schüttete- zum glück konnte ein Mitschüler die Klappe nicht halten und verpetzte es rechtzeitig, denn die Schülerin leidet unter einer Nierenkrankheit. Die Konsequenzen sind dem 16-jährigen auch nach Tadel immer noch nicht klar.
    denn die Mutter sagt immer noch: Ach, er ist doch noch ein Kind! (Übrigens stattgefunden auf einem Gymnasium!)
    Kein Kommentar, oder?
    Leidvolle Gedanken und Grüße, Cornelia

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  6. Moin Susanne
    also bei den Gänsen kann sein, daß ich dabei war, zumindest mal als Oberschnatterin ;-)))) Du weißt schon ;-))......
    Schau das nächste mal, vielleicht findest Du mich .....
    Nils Holgerson, den habe ich bestimmt 2x gelesen, ich habe sogar die Erstausgabe.
    Dir einen schönen Tag und liebe Grüße von Doris

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