Donnerstag, 15. September 2016

Lebenszeichen...

Seit einigen Monaten nimmt mich das Leben ganz schon an die Kandarre. Einige neue Aufgaben, Projekte für das Filz-Netzwerk, Familie, Filzen wenn es denn mal klappt, Filzschülerinnen und so vieles mehr, dass mir schon beim Schreiben die Puste ausgeht.
Na ja, ganz so schlimm, wie es sich anhört, ist es nicht, nur Zeit haben ist so eine Sache: Ihr kennt das sicherlich.
Nun habe ich mich auch noch von meiner alten Homepage verabschieden müssen, die Technik war einfach zu veraltet. Nun denn - ganz fertig bin ich noch nicht - aber schon sehr zufrieden.
Die neue Internet-Adresse ist die "alte" geblieben: www.wollwerkerin.de














Heute hab ich endlich mal die neuen Kurstermine eingestellt - und jetzt wird es Zeit auch hier wieder ein wenig "Leben in die Bude" zu bringen. Ich hoffe doch sehr, dass es mir ab jetzt wieder gelingt, häufiger hier etwas von mir hören zu lassen!
Liebste Grüße

Samstag, 6. Februar 2016

Probier doch....Teil 3














Ob ein Filzprojekt gelingt, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Ok, das hatten wir ja schon...   passende Wollsorte, Wollmenge und  dann kommt es darauf an, wie ich die Wolle auslege. 
Als ich mit dem Nassfilzen begann, habe ich gelernt, dass man Wolle auszupft, die gezupften  Wollflocken dachziegelartig auslegt und dabei eine Schicht horizontal und eine Schicht vertikal legt – also „kreuz und quer“. Ich habe mir vorgestellt, dass man die Wolle legt, so wie man beim Weben  mit Kette und Schuss eine Überkreuzstabilität herstellt. Für viele Objekte ist das auch nach wie vor meine bevorzugte Legetechnik. 
 


Diese Auslegetechnik kann ich sowohl bei Strangwolle, Kardenband und Vlieswolle anwenden. Bei Strangwolle teile ich den Strang der Länge nach, bevor ich mit dem Zupfen beginne. So habe ich einfach eine bessere Kontrolle über die Flockengröße und erhalte eine gleichmäßigere Verteilung. Natürlich muss ich so meist mehr als 2 Lagen legen, doch die scheinbare Mehrarbeit verhindert selbst bei dünnen Filzen, dass sich Löcher bilden.  Auch mit einem Kardenband kann ich ähnlich verfahren. 

 Eine witzige Form des „Kreuz und Quer“ beim Filzen ist das Arbeiten mit ungezupfter Strangwolle, die man einfach kreuz und quer legt, wie beim Weben. Nun werden erst die Verbindungspunkte angefilzt und dann das Ganze sorgfältig gerollt. So können ganz leicht bunte Gitterschals entstehen. 









Bei Vlieswolle ist die Versuchung groß, das Vlies, so wie es geliefert wird, auf der Fläche auszulegen und dann einfach los zu filzen, Manchmal geht das auch ganz gut. Ich hatte dabei leider schon ziemlich unregelmäßige Ergebnisse oder sogar dünne Stellen.  Um das zu vermeiden, habe ich mir auch bei der Vlieswolle angewöhnt, „Stränge“ vom Vlies abzutrennen  und damit genau so zu arbeiten, wie mit der Strangwolle.


Beim Vlies sieht es zwar auf den ersten Blick so aus, als ob die Fasern bereits kreuz und quer liegen, doch auch hier ist die Wolle bereits durch das Kardieren in eine bestimmte Richtung gebracht und nicht jedes Vlies ist wirklich gleichmäßig. Selbst das „Abheben“ von Schichten bringt nicht immer den gewünschten Erfolg. Deshalb „zupfe“ ich auch bei der Vlieswolle gleichmäßige Flocken und belege damit mein geplantes Filzstück. 



Wenn ich nun Wolle sehr dünn auslegen will, wie zum Beispiel bei einem Nuno-Seidenschal, der leicht und zart bleiben soll, dann arbeite ich mit einer anderen Auslegetechnik. 








Die Wolle wird hierbei in nur einer Schicht und im „Zickzack-Muster“ ausgelegt. So kommt man mit nur einer Schicht Wolle aus und kann sogar mit unterschiedlichen Farben ein Muster sehr gleichmäßig legen. Diese Auslegetechnik kann auch ihren Einsatz finden, wenn ich einen Schal oder eine Weste mit der Sandwichtechnik erarbeiten will. Dabei kann Seidenstoff, dann eine hauchdünne Schicht Wolle, und als Drittes z.B. eine Schicht Seidenfasern aufgebaut werden, und dennoch bleibt der Filz dünn. Man wundert sich immer wieder, was die Wolle so alles festhalten kann.

Das richtige Auslegen hilft sehr, dem Endprodukt das Aussehen zu verleihen, das ich mir wünsche.Ich kann z.B. durch das Auslegen im Kreis eine runde Form unterstützen und einen sauberen Rand bekommen. 












Auch beim Erarbeiten eines Kleidungsstücks kann das kreisförmige Auslegen der Wolle im Brustbereich die spätere Ausformung erleichtern. Ich kann also einmal durch die Richtung, in der ich die Wolle auslege, den Schrumpfweg vorgeben. Durch zusätzliche Wollmengen in bestimmten Partien wird die Schrumpfeigenschaft eines Filzprojekts beeinflusst und so das Formen unterstützt. Das ist besonders interessant bei Hohlkörpern und Bekleidung.

Merke: Mehr Wolle an einer Stelle oder in einer Richtung verlangsamt hier den Schrumpf. Um diesen Effekt zu zeigen, habe ich bei dieser Probe mal folgendes gemacht:


Auf eine Fläche von 30 mal 30 cm habe ich 5 Gramm Merinowolle, Stärke 16 Mikron, verteilt und dann Wollknubbel mit je 2 Gramm Merinowolle in der Stärke 21 Mikron aufgelegt.














Das Probenstück hat dank der sehr feinen Untergrundwolle einen Schrumpf von 2,5 erreicht. Es ist jetzt nur noch 12 auf 12 cm groß. Aber die Bubbel sind weniger schnell gefilzt und haben dadurch eine blasige Oberfläche erzielt. Das sieht zum Beispiel bei Taschenklappen sehr witzig aus!



Ich wünsche Euch viel Spaß beim Ausprobieren und viel Erfolg mit euren Filzarbeiten.

                                               


Mittwoch, 3. Februar 2016

Probier doch...Teil 2

Dann rechnen wir doch mal ein wenig!







  
Ich bin immer etwas irritiert, wenn ich irgendwo lese, dass "die Wolle" etwa um ein Drittel schrumpft. Macht sie ja vielleicht, oder auch nicht...



 Um exakte Filzergebnisse zu bekommen, also Projekte planbar zu machen, ist es immer gut, wenn Filzfrau ihre Rechenkünste oder einen Taschenrechner bemüht. Aus jeder Probe, die ihr mal angefertigt habt oder erst jetzt anfertigt, könnt ihr Planungsdaten ableiten. Dazu braucht man folgende Grundlageninfos: 
Das Fertigmaß (FM)  des Filzstücks, den Schrumpffaktor (SF), das Auslegemaß (AM) und die Wollmenge pro Quadratzentimeter
Nehmen wir an, ich habe eine Probe 30 auf 30 cm ausgelegt. Mein AM ist also 30 x 30. Nehmen wir weiter an, mein FM ist 20 x 20.
AM : FM = SF  - im oben genannten Beispiel ist der SF also 1,5!
Achtung: Bei einem Rechteck muss jede Seite extra gerechnet werden, is ja klar. 
Es gibt noch zwei Varianten dazu:
SF x FM = AM nutze ich, wenn ich die fertige Größe und den Schrumpffaktor kenne und will mein Auslegemaß und /oder das Schablonenmaß berechnen
AM : SF = FM nutze ich, wennich etwas ausgelegt habe, plane einen bestimmten Schrumpf und will dann das Fertigmaß berechnen.
Soweit ok?
Und jetzt noch die Wollmenge. Wenn ich bei meiner Probe 30Gramm Wolle auf 30x30cm ausgelegt habe, dann habe ich 30 Gramm geteilt durch 900 qcm = 0,0333 Gramm pro qcm Wollverbrauch. Der Wollverbrauch rechnet sich aus der Gesamtfläche des Auslegemaßes.
Also ein Tischläufer mit einem FM von 100cm auf 40 cm mit einem SF von 1,4 hat welches AM?
100 x 1,4 = 140cm AM längs und 40 x 1,4 = 56 cm AM breit
Das sind insgesamt 140 x 56 = 7840 qcm Fläche. Wenn ich nun bei meiner Probe 0,0022 Gramm Wolle pro qcm ermittelt habe, dann brauche ich für den Läufer 0,022 x 7840 =  172 Gramm Wolle und das hier gleich zwei Mal...









Bei Hohlfilzen gilt es natürlich an beide Seiten zu denken. Ich hab’s schon mal fertig gebracht, nur eine Fläche zu berechnen und hab dann beide Seiten mit der Hälfte der benötigten Wolle zu belegen – und mich doch sehr schnell gewundert, wie dünn das alles ist…
Aber das passiert euch natürlich nicht :-) und wie Frau Wolle am Besten auslegen kann, das kommt schreib ich dann in Teil 3! 
Filzige Grüße

Freitag, 15. Januar 2016

Probier doch erst mal...



 











Wenn Frau gerne filzt, dann hat sie mit Wolle und dem Filzhandwerk zu tun. Das klingt so, als ob damit alles klar ist. Als ich anfing zu filzen, da ahnte ich noch nichts von den vielen unterschiedlichen Schafrassen, deren Wollen und den unzähligen handwerklichen Techniken, die man einsetzen kann, um an gewünschtes Ziel zu kommen. 

Das Wolle nicht gleich Wolle ist, das wurde mir erst nach und nach bewusst. Einen guten ersten Eindruck von der unendlichen Vielfalt bekommt man, wenn man das Buch von Barbara Aufenanger „Das Wollprojekt“ in die Hand nimmt. Sie hat hier allein 37 Schafrassen, die in Deutschland gehalten werden, dokumentiert. Jedes dieser Schafe liefert Wolle mit ganz spezifischen Filzeigenschaften. Dazu kommen noch die vielen Wollsorten aus aller Welt und die möglichen Zubereitungen, die der Handel anbietet. Und auch hier kann man je nach Herkunft, Rasse und Jahr und Färbung sein blaues Filzwunder erleben. 

 Das es einen gewaltigen Einfluss auf mein Filzergebnis hat, wie, wo und wieviel Wolle ich auslege, ob ich mit oder ohne Schablone arbeite, ob und wie ich mit "Fremdmaterial" arbeite, das hab ich dann schnell erfahren. Nur habe ich auf dem Altar der Erfahrung ganz schön viel Wolle und persönliche Kraft geopfert. Bis ich etwas Entscheidendes gelernt habe: PROBEN herstellen!

Aus standardisierten Teststücken schöpfe ich bei jedem Filzprojekt solide Informationen, kann gut planen und erlebe immer seltener den Punkt, an dem ich als Filzerin sagen muss: „So nicht!“ 

Nach langem Austesten und Überlegen habe ich für mich folgende Vorgehensweise beim Proben-Herstellen festgelegt: Ich lege immer auf einer Fläche von 30 auf 30 cm aus. Von einer Wollsorte gibt es mindestens vier Gewichtsproben. Z.B. 5 Gramm, 10 Gramm, 20 Gramm und 30 Gramm. Jede dieser Proben wird so lange gefilzt, bis gefühlt beim ersten Mal nichts mehr geht – mindestens aber auf 20 x 20cm. So kann ich sehen, wie sich die Wolle verhält, wie sich die Oberfläche gestaltet, kann fühlen, wie fest die Wolle durch den Filzprozess wird und vieles mehr. Außerdem kann ich später die Gewichte von den ausgelegten Quadratzentimetern auf große Filzstücke umrechnen.
In meiner Probensammlung befinden sich Proben verschiedenster Wollsorten, Experimente zur Oberflächengestaltung, Farbmischungen, Schrumpftests, meine Versuche zu Fasermischungen und Nunofilze. 
Nun muss Frau ja nicht gleich ein Filzmuseum aufbauen. Doch mit einer neuen Wolle und vor einem gewünschten Projekt ein paar Proben herzustellen hilft ungemein und bewahrt vor Frust. Außerdem habe ich bei meinen Filzkurs-Teilnehmerinnen festgestellt, dass sich durch das Arbeiten mit den Proben ganz eigene, individuelle Wege zum Ziel entwickeln. 
Man kann Proben auch ganz anders machen, sich eine ganz eigene Systematik festlegen - nur tun sollte man es eben.

Ich werde versuchen, in den kommenden Tagen ein paar "Proben" und  ihren Entstehungsweg hier vorzustellen.
Kommt gut ins Wochenende!